EZB-Chef Draghi verschärft Kampf gegen Krise

Mario Draghi hat Janet Yellen die Show gestohlen. Das kann man nach dem Notenbankertreffen von Jackson Hole in den Rocky Mountains ohne Übertreibung feststellen. Denn während die Gastgeberin die Zentralbankenelite vor Ort und die Finanzmärkte weltweit ziemlich im Unklaren ließ über den künftigen Kurs der Fed, war Draghi an Deutlichkeit kaum zu überbieten.

"Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" werde seine EZB die Teuerung in den Euro-Ländern anzuheizen versuchen, um eine aus Sicht nicht weniger Ökonomen drohende neue Wirtschaftskrise zu verhindern. Das lässt aufhorchen. Es bleibt die Gretchenfrage, nicht zuletzt für die EZB-kritische deutsche Öffentlichkeit: Wirft Draghi die Notenpresse wirklich an?

Bemerkenswert an Draghis Rede ist zunächst ihre Entstehung. Die entscheidende Passage wurde von Draghi erst kurz vor seinem Auftritt hineingeschrieben. Was ihn dazu letztlich bewogen hat, ist unklar. Fest steht, dass zuvor Ungewöhnliches passiert war. James Bullard, Chef des regionalen Fed-Ablegers von St. Louis, hatte von Draghi massiv weitere Schritte der EZB gegen eine drohende Krise verlangt, obwohl der erst im Juni die Zinsen auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt hatte und mit neuen Milliarden den Kreditfluss ankurbeln will. Ein Affront in der Welt der Hochfinanz, in der gegenseitige Empfehlungen oder gar öffentliche Aufforderungen noch nie gut ankamen. War Draghi verärgert? Oder lieferte Bullard nur den willkommenen Anlass für eine klare Ansage des Italieners?