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Für Magna-Rückzug

1 Milliarde "Pension" für Stronach

Der Milliarden-Deal von Magna-Gründer Stronach ist durch.

Für den austro-kanadischen Autozulieferer Magna bricht jetzt eine neue Ära an. Gestern billigte das Gericht in Ontario/Kanada den milliardenschweren Plan für den weitgehenden Rückzug von Firmengründer Frank Stronach (77).

Stronach, der bisher auf Basis eines „Zwei-Klassen-Aktiensystems“ über seine B-Aktien mit 300-fachem Stimmrecht die Entscheidungsgewalt bei Magna hatte, gibt diese Kontrolle nun ab. Die B-Aktien werden eingezogen – im Tausch für seine 727.000 B-Shares erhält Stronach 9 Mio. normale A-Aktien. Sein Stimmgewicht sinkt damit von 66 auf nur mehr 7,4 Prozent. Diese Abgabe der Kontrolle über seinen Konzern lässt sich der gebürtige Steirer mit insgesamt knapp einer Milliarde Dollar abgelten.

300 Mio. Cash und 9 Mio. Aktien als Abfindung
Stronach erhält 300 Mio. Dollar Cash und sowie die genannten 9 Millionen Stück einfach stimmberechtigte A-Aktien. Zusammengerechnet macht dieses Abfindungspaket 863 Mio. Dollar aus. Hinzu sollen Honorare von geschätzten 120 Mio. Dollar in den nächsten vier Jahren kommen. Alles in allem geht Stronach also mit einer knappen Milliarde Dollar in „Pension“ – exakt 983 Mio. Dollar (776 Mio. Euro).
Ein Pensionistendasein strebt der Selfmade-Milliardär, der aus dem Nichts einen der weltgrößten Autozulieferer mit 76.000 Mitarbeitern in 25 Ländern aufgebaut hat, aber keinesfalls an.

Er bleibt größter Magna-Aktionär und hat außerdem schon die nächste Firma mit Zukunftspotenzial für die gesamte Autoindustrie auf Schiene: Magna E-Car-Systems, die sich der Entwicklung von Elektrofahrzeugen widmet. Hier handelt es sich um ein Joint Venture mit Magna – Stronach ist, wie zuvor beim Zulieferer, bestimmender Aktionär.

Stronach hat das Sagen in neuer Elektro-Auto-Firma
Den Rückzugsdeal, gegen den einige institutionelle Magna-Aktionäre (Pensionsfonds) wegen der hohen Abgeltung für Stronach protestiert hatten, nannte der Richter in seiner 41-seitigen Entscheidung „fair und vernünftig“. Vorausgegangen war dem Urteilsspruch ein „Fairness Hearing“ letzte Woche in Ontario. Der Weg für die Umsetzung des Stronach-Plans ist allerdings noch nicht ganz frei. In den nächsten 30 Tagen kann gegen das Urteil berufen werden. Im Vorfeld hatten die kritischen Pensionsfonds Klagen angekündigt.

Für Magna bedeutet der Teilrückzug von Stronach jedenfalls einschneidende Umstrukturierungen. Nicht zuletzt wird damit gerechnet, dass die Rolle des europäischen Teils (die Magna-Europazentrale ist in Oberwaltersdorf) abgewertet wird.