Vorstand sieht "aktuell keinen Bedarf"

Commerzbank kein Vorreiter bei Bad Banks

Die Commerzbank will bei den vom deutschen Staat angebotenen Auffangbanken für toxische Wertpapiere nicht die Rolle des Eisbrechers übernehmen. "Wir sehen uns nicht als Vorreiter bei der Nutzung einer Bad Bank. Da überlassen wir gerne anderen zuerst das Feld", sagte Firmenkundenvorstand Markus Beumer. Aktuell habe sein Institut, das zu einem Viertel dem Staat gehört, ohnehin keinen Bedarf für eine solche Abladestelle für problematische Wertpapiere. "Wir brauchen sie im Moment nicht." Dennoch werde sich der Vorstand das neue Gesetz anschauen.

Im Herbst 2008 hatte die Commerzbank als erste Bank in Deutschland den staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin angezapft und sich mit Milliarden an frischem Kapital eingedeckt. Seit im Jänner eine zweite Kapitalspritze nötig geworden war, stecken mehr als 18 Mrd. Euro an Staatskapital in der zweitgrößten deutschen Bank.

Beumer sieht die Vorteile einer Bad Bank begrenzt. "Beim Thema Transparenz hilft eine Bad Bank nicht." Zudem würden die Verluste aus toxischen Wertpapieren nur zeitlich verschoben. "Die Belastungen, die eine Bank zu tragen hat, werden für Investoren eher unklarer als klarer", betonte er. Allerdings sorge womöglich allein die Existenz des neuen Bad-Bank-Gesetzes für eine Beruhigung der Finanzmärkte.

Im Streit zwischen der Bankenbranche und der Politik um eine drohende Kreditknappheit forderte Beumer eine "Versachlichung der Diskussion". Es wäre begrüßenswert, wenn sich Politiker, Banker und Experten an einen Tisch setzten und Lösungswege diskutierten. Führende Politiker hatten den Banken vorgeworfen, billiges Geld der Zentralbank zu horten und nicht an Kunden weiterzugeben. Damit werde eine Erholung der Wirtschaft im Keim erstickt.

Beumer wehrte sich gegen die Kritik der Politik. "Wir müssen heutzutage deutlich mehr Liquidität vorhalten, weil Kunden oft sehr kurzfristig Kreditlinien ziehen." Gleichzeitig räumte er aber ein, dass Banken etwa bei langlaufenden und großvolumigen Finanzierungen nicht mehr so leichtfertig Kreditzusagen machten wie vor der Krise. Das Kreditvolumen wird nach Einschätzung von Beumer dennoch zurückgehen. "Die Kreditnachfrage sinkt, weil sehr viele Kunden Investitionsmaßnahmen eingestellt haben."

Die deutsche Bundesregierung versucht derzeit mit allen Mitteln, die angeschlagene Bankenbranche zu stabilisieren, um die Versorgung der schwächelnden Wirtschaft mit Krediten sicherzustellen. Die Auslagerung von Problempapieren oder ganzen Geschäftsbereichen in eine Bad Bank soll Banken auf der Kapitalseite entlasten, damit sie wieder mehr Luft haben für die Vergabe neuer Kredite. Jeder Kredit muss entsprechend seinem Risiko mit Kapital in der Bilanz einer Bank abgedeckt werden. In der Diskussion um eine drohende Kreditknappheit hatten führende Politiker Banken mit "noch nie dagewesenen Maßnahmen" gedroht.

Zweites Quartal lief besser als erstes

Die Commerzbank hat im zweiten Quartal offenbar weniger Verlust gemacht als noch zu Jahresbeginn. "Das zweite Quartal war tendenziell besser als das erste Quartal", sagte Beumer in einem Agentur-Interview. Von Jänner bis März hatte die zweitgrößte deutsche Bank einen Fehlbetrag von 861 Mio. Euro eingefahren. Manche Analysten rechnen damit, dass die Commerzbank als einzige deutsche Großbank ihren Verlust im zweiten Quartal ausgeweitet hat.

Einzelne Segmente hätten sich in dem vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Quartal unterschiedlich entwickelt. "Die aktuelle Geschäftsentwicklung ist durchwachsen", betonte Beumer. "Im Mittelstands- und Privatkundengeschäft haben wir erneut gute Ergebnisse erzielt. Bei strukturierten Kreditprodukten haben wir aber noch viel Volatilität drin." Hier habe es weitere Belastungen gegeben.

Die Risikovorsorge im Mittelstandsgeschäft, der Kernsparte der Bank, sei wegen der Wirtschaftskrise im zweiten Quartal gestiegen, sagte Beumer. In den kommenden Monaten sei mit noch mehr Kreditausfällen zu rechnen. Auf Konzernebene erwarte die Bank für dieses Jahr nach wie vor Ausfälle von rund 3,5 Mrd. Euro. Dennoch werde am Ende im Mittelstands- und Privatkundensegment ein operativer Gewinn stehen, zeigte sich Beumer überzeugt. Wegen der Rezession sind immer mehr Firmen nicht mehr in der Lage, ihre Kredite zurückzuzahlen. Die Zahl der Insolvenzen hat sprunghaft zugenommen.

Wegen ihrer Fokussierung auf den deutschen Mittelstand ist die Commerzbank in besonderem Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. "Wir sind ein Spiegelbild der Konjunktur", sagte Beumer. Gehe es den Unternehmen schlecht, bekomme das auch die Commerzbank zu spüren. Die Bank sei aber stark genug, die noch auf sie zukommenden Risiken zu stemmen. "Wir haben keinen Handlungsbedarf bei neuen Kapitalmaßnahmen des Staates. Wir sind ausreichend kapitalisiert. Das zeigen auch Stresstests."