George Papandreou, Griechenland

Sparziele verfehlt

Die Griechen saufen ab

Vorerst gibt es aber kein frisches Geld von den Euro-Finanzministern.

Die Lage in Griechenland verschärft sich weiter. Athen hat 2012 schon 371,9 Milliarden Euro Schulden. Rückzahlung kaum möglich.

Schlimmer geht’s nimmer, denkt man beim Thema Griechenland seit vielen Monaten. Scheinbar doch, denn es gibt neue Hiobsbotschaften aus Athen. Die Lage in dem Euro-Pleiteland ist noch viel ärger als gedacht. Heuer werden die Griechen die mit den Kreditgebern vereinbarten Sparziele verfehlen.

Griechen brauchen jetzt weitere 8 Milliarden Euro
Am Sonntagabend gab die Regierung in Athen bekannt, dass sie für 2011 mit einem Haushaltsdefizit von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) rechnet – vereinbart waren 7,4 Prozent. Der Schuldenstand des Landes klettert weiter in schwindelerregende Höhen. Für heuer wird eine Gesamtverschuldung von 356,5 Mrd. Euro erwartet (161,8 Prozent des BIP). 2012 werde Griechenland dann mit 371,9 Milliarden beziehungsweise 172,7 Prozent des BIP verschuldet sein.

Die griechische Wirtschaft steckt zudem tief in der Rezession. Heuer sinkt das BIP um 5,5 Prozent, 2012 wahrscheinlich noch um 2,5 Prozent. Das bringt die Griechen in einen Teufelskreis – sie haben keine höheren Einnahmen, müssen noch mehr sparen, was zu einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaft führt.

© oe24
Griechenland

Vor diesem Hintergrund ist die anstehende Entscheidung über die Auszahlung der nächsten 8-Milliarden-Tranche an Athen aus dem Hilfskredit von EU und IWF besonders brisant. Das Geld fließt nur, wenn die Prüfer der Troika aus IWF, EU und EZB die Sparbemühungen der Griechen positiv beurteilen. Kommen die Milliarden nicht, ist Athen spätestens Ende Oktober pleite. Eine Entscheidung über die Überweisung soll am 13. Oktober fallen.

Vorerst kein frisches Geld von den Euro-Finanzministern
Die Entscheidung über die Auszahlung der nächsten Kreditrate an Griechenland wird weiter aufgeschoben. Das kündigte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am frühen Dienstagmorgen in Luxemburg nach einem Treffen der Euro-Finanzminister an. Griechenland werde die nächste Tranche aus dem Rettungspaket voraussichtlich erst im November ausgezahlt bekommen. Die Entscheidung über die Überweisung der nächsten Rate in der Höhe von acht Milliarden Euro sollte ursprünglich schon im September gefällt werden.

Voraussetzung für die Auszahlung der acht Milliarden Euro ist eine positive Bewertung der Spar- und Reformanstrengungen des Landes durch die Experten der sogenannten Troika, die ihre Überprüfungen in Athen noch nicht beendet haben. Juncker kündigte an, dass daher für den 13. Oktober geplante Beratungen der Euro-Finanzminister über die Freigabe der nächsten Rate nicht stattfinden werden. Die Entscheidung solle jedoch noch im Oktober fallen.

Ohne die Milliarden-Überweisungen droht dem hoch verschuldeten Griechenland die Staatspleite. Der belgische Finanzminister Didier Reynders sagte nach dem Treffen, dass Griechenland in der "zweiten Novemberwoche" neues Geld brauche, um einen Bankrott abzuwenden.
 

Börse: Kursgemetzel wegen Griechen

Weil Griechenland die Sparziele verfehlt, gab es an den Börsen hohe Verluste.
Wien, Frankfurt. Zum wiederholten Mal in den vergangenen Monaten reagierten die Börsen panisch auf neue Meldungen aus Griechenland. Auch diesmal führte das nun bekannt gewordene Verfehlen der Sparziele zu starken Kursverlusten rund um den Globus. Bereits die asiatischen Börsen schlossen im Minus, später auch die europäischen. Der US-Leitindex Dow Jones hielt sich besser.
Besonders heftig fiel wegen der Kleinheit des Handelsplatzes und der starken Gewichtung der Finanztitel Raiffeisen und Erste Group der Verlust beim Wiener Leitindex ATX aus. Zwischenzeitlich büßte er sogar über vier Prozent ein und fiel letztlich auf 1.879,5 Punkte.