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Dt. Börse/ NYSE Euronext

Die Übermacht der neuen Mega-Börse

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Der neue Konzern macht mit 4,7 Mrd. Euro den doppelten Umsatz der Nummer 2.

Mit dem Zusammenschluss von Deutscher Börse und NYSE Euronext entsteht die Nummer eins der Börsenbetreiber weltweit. Mancher Konkurrent mag in Teilbereichen wie dem Aktienhandel stärker sein - doch gegen die geballte Übermacht des deutsch-amerikanischen Bündnisses kommen sie letztlich nicht an. Deshalb sprechen beide Seiten ganz unbescheiden davon, "die führende Börsengruppe der Welt" aufzubauen. Die neue Mega-Börse in Zahlen:

Chicagoer CME Group auf Rang 2
Der vereinbarte Konzern macht mit einem Jahresumsatz von zuletzt 4,1 Mrd. Euro fast doppelt so viel Geschäft wie die Nummer zwei, die Chicagoer CME Group mit umgerechnet 2,3 Mrd. Euro. Die CME ist vor allem bei Derivaten stark, das sind sogenannte abgeleitete Finanzprodukte wie etwa "Wetten" auf die Preisentwicklung bei Rohstoffen. Solo lagen Deutsche Börse und NYSE Euronext beim Umsatz auf Rang zwei und drei. Weitere große Spieler sind die London Stock Exchange und die US-Technologiebörse Nasdaq OMX.

Auch beim Gewinn schiebt sich die neue Mega-Börse vor die spezialisierte CME Group, wenngleich hier der Abstand geringer ist. Denn Derivate sind ein äußerst lukratives Geschäft. Die Gebühren sind höher als im klassischen Aktienhandel, wo alternative Handelsplattformen den etablierten Börsenbetreibern die Kundschaft mit Billigangeboten abjagen. Der kombinierte operative Gewinn (EBITDA) der Mega-Börse lag im vergangenen Jahr bei 2,1 Mrd. Euro, die CME kam auf 1,6 Mrd. Euro.

Frankfurter wirtschaftlicher als New Yorker Börse
Die Deutsche Börse erwirtschaftete dabei deutlich mehr Geld als die NYSE Euronext (1,2 Mrd. zu 838 Mio. Euro). Denn die Frankfurter hatten viel früher die Bedeutung der einträglichen Derivate erkannt und umgeschwenkt. Dagegen setzten die New Yorker noch lange auf den Aktienhandel. Nach eigenen Angaben überholen die beiden zusammengenommen die bisherigen Derivatekönige KRX aus Südkorea sowie die CME Group. Pro Tag wickeln sie demnach 19,8 Mio. Einzelgeschäfte ab, KRX kommt auf 14,2 Mio. und die CME auf 12,3 Millionen.

Auch bei den technischen Dienstleistungen sieht sich die Mega-Börse an der Spitze, etwa bei der Bereitstellung von Marktdaten. Zudem ist sie stark im sogenannten Clearing, der nachgelagerten Abwicklung der Börsengeschäfte. Insgesamt arbeiten beim neuen Finanzriesen 6.300 Menschen, gut 3.300 davon kommen von deutscher Seite.

EU-Kommission muss grünes Licht geben

Die geplante Fusion von Deutscher Börse und New Yorker NYSE Euronext zum weltweiten Champion benötigt allerdings die Erlaubnis der EU-Wettbewerbshüter. "Die Hochzeit kann nicht erfolgen, bevor sie unseren Segen bekommen hat", sagte die Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch in Brüssel. "Wir warten darauf, dass die Unternehmen ihr Vorhaben in Brüssel anmelden." Danach habe die EU-Kommission 25 Arbeitstage Zeit für eine Entscheidung. Inhaltlich wollte die Sprecherin die Pläne nicht kommentieren: "Wir werden den Fall analysieren und dann entscheiden."

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