Die Zukunft der Volksbank AG bleibt offen

DZ Bank will ÖVAG nicht stärker unterstützen

Die deutsche DZ Bank - noch Viertel-Aktionär bei der vorm Verkauf stehenden österreichischen Volksbank AG (ÖVAG) - zeigt der angeschlagenen österreichischen Bank die kalte Schulter. Der derzeit noch zweitgrößte ÖVAG-Aktionär will sich nicht weiter engagieren und rät stattdessen zu einer Lösung innerhalb des genossenschaftlich organisierten Sektors in Österreich - also zu einem Zusammengehen mit Raiffeisen. Eine Zerschlagung der ÖVAG fände die DZ-Führung schlecht.

"Es ist kein Geheimnis, dass wir einer Intensivierung unseres Engagements sehr zurückhaltend gegenüberstehen", sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. "Eigenkapital ist auch bei uns eine knappe Ressource." Die ÖVAG kam in der Finanzkrise ins Trudeln und braucht dringend frisches Geld. Einer weiteren Kapitalerhöhung stehen die Aktionäre in Österreich aber sehr reserviert gegenüber. Das Investmenthaus Lazard wurde vor einigen Wochen mit einer Käufersuche beauftragt.

Mit zwei Dritteln haben die regionalen österreichischen Volksbanken das Sagen bei der ÖVAG. Der Anstoß zu einer Lösung müsse von ihnen kommen, sagte DZ-Chef Kirsch. Ihre Finanzkraft könnte aber Experten zufolge zu gering sein, um die ÖVAG ausreichend mit Kapital zu versorgen. Kirsch sprach sich daher für eine sektorübergreifende Lösung aus. Anders als in Deutschland sind in Österreich die Volks-und Raiffeisenbanken getrennt. Eine Sektorlösung hätte "viele Argumente für sich", sagte der Chef der größten deutschen Genossenschafts-Zentralbank in seiner heutigen Pressekonferenz.

Die Raiffeisen Zentralbank (RZB, derzeit 6 Prozent-Aktionärin) in Wien ist bisher wie berichtet aber wenig gewillt, stärker bei der ÖVAG einzusteigen. Die ÖVAG hatte im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust zu verkraften, von dem die DZ Bank 25 Prozent tragen muss. Die ÖVAG-Tochter Kommunalkredit war bereits 2008 verstaatlicht worden. Zusätzlich musste die ÖVAG hohe Abschreibungen auf faule Investments hinnehmen und holte sich dafür 2009 eine Milliarde Euro aus dem staatlichen österreichischen Bankenhilfspaket. Zinsen auf die Staats-PS kann sie momentan nicht zahlen.

DZ-Chef Kirsch ortet Interesse an Teilbereichen der ÖVAG. Großes Interesse gebe es etwa für der Volksbanken International, sagte er. Käufer dürften sich auch für die Investkredit finden lassen. "Die österreichischen Volksbanken werden schlau genug sein, sich nicht zu stark zu filetieren", so Kirsch. Bei der DZ-Bank findet sich der Beteiligungsverlust aus Österreich im Zinsergebnis. In der Bilanzpressekonferenz wurde die negative Veränderung des Beteiligungsergebnisses aus der ÖVAG mit minus 288 Mio. Euro angegeben.

Obwohl die Konzernbilanz 2008 der ÖVAG unterm Strich mit einem Nettoverlust von 152 Mio. Euro abgeschlossen hatte, war der Einzelabschluss damals noch positiv. In der DZ-Bank war voriges Jahr aus dieser Beteiligung noch ein leichtes Plus von rund 50 Mio. Euro verbucht worden, hieß es auf APA-Anfrage aus der DZ. Im jetzigen Abschluss 2009 belaufe sich der anteilige Verlust auf rund 240 Mio. Euro. Hochgerechnet auf hundert Prozent ergibt das einen Jahresverlust der ÖVAG 2009 von 960 Mio. Euro.

Mit einigen Milliarden ist die DZ Bank in Griechenland engagiert. Kirsch bezifferte das Portfolio auf 3,1 Mrd. Euro. Davon machten Staatspapiere aber nur einen kleinen Teil aus. In der Zahl seien auch Schiffsfinanzierungen der Tochter DVB enthalten. "Wir haben nicht vor, auf diese Bestände irgendwelche Wertberichtigungen zu machen", sagte der DZ-Bankchef.

Das Engagement in den südlichen Euro-Ländern insgesamt wollte Kirsch nicht beziffern. "Auch wir sind in Anleihen dieser in Misskredit geratenen Staaten engagiert", sagte er nur. Die DZ Bank erwarte, dass die EU bei weiteren Spekulationen gegen diese Länder eingreifen würde. Größere Positionen habe die Bankengruppe in Spanien und in Großbritannien.

Erfreulicher Start ins neue Jahr

Die von ihren Eigentümern gestützte DZ Bank will nach einem erfreulichen Start 2010 aus eigener Kraft weiteren Boden gutmachen. 2009 kam das genossenschaftliche deutsche Spitzeninstitut aus den roten Zahlen und erzielte ein Nachsteuerergebnis von 346 (Vorjahr: minus 1.166) Mio. Euro. Eine weitere Kapitalerhöhung stehe nicht an, hieß es heute.

Ende 2009 lag die Kernkapitalquote bei 9,9 Prozent nach 7,4 Prozent ein Jahr zuvor. Die DZ Bank hatte von ihren Aktionären, den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, eine Milliarde Euro Kapitalspritze erhalten. Zudem kappte sie das Auslandsgeschäft, aus Teheran und Mexiko-City will sich das Institut in diesem Jahr zurückziehen. Beim geplanten Abbau von 450 der 4.000 Vollzeitstellen sind nach Kirschs Angaben zwei Drittel bereits vollzogen.

Vor Steuern lag der Gewinn 2009 bei 836 Mio. Euro - nach einem Verlust von 1,55 Mrd. Euro im Vorjahr. Bis Ende Mai 2009 hatte die DZ Bank Gruppe, zu der unter anderem die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die R+V Versicherung gehören, noch 936 Mio. Euro Vorsteuergewinn ausgewiesen. Probleme macht der Umbau der DG Hyp zum gewerblichen Immobilienfinanzierer: Erst 2012 werden positive Zahlen erwartet.