Trichet kündigt rasches Handeln der EZB an

EZB belässt Leitzins wie erwartet bei 1,0 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins wie an den Finanzmärkten erwartet bei 1,0 % belassen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: Das Wachstum bleibt 2010 "moderat und holprig". Der Notenbankchef sieht mittelfristig wenig Inflationsdruck.

Das wirtschaftliche Umfeld sei von Unsicherheit geprägt, sagte Trichet nach der Entscheidung der Notenbank, die Leitzinsen nicht anzutasten. Der harte Winter könnte dabei zu Verzerrungen geführt haben. Der mittelfristige Inflationsdruck bleibe moderat, sagte Trichet.

Jüngsten Daten zufolge ist in der Euro-Zone im Februar der Einzelhandelsumsatz unerwartet stark gesunken. Binnen Monatsfrist hatten die Händler 0,6 % weniger in den Kassen, von Reuters befragte Analysten hatten nur mit minus 0,1 % gerechnet. Das lässt auf eine schwächelnde Nachfrage in dem Währungsraum schließen.

Besser sieht es bei Industrie und Dienstleistern aus: Die Einkaufsmanagerindizes signalisieren hier das stärkste Wachstum seit Jahren.

Staatspleite Griechenlands ist kein Thema

Trichet rechnet jedenfalls nicht mit einer Staatspleite Griechenlands: "Nach allen Informationen, die ich habe, ist eine Pleite kein Thema." Griechenland müsse sein Sparprogramm aber durchziehen. Das sei "sehr, sehr wichtig". Er zweifle nicht daran, dass die Regierung in Athen ihre Maßnahmen konsequent umsetzen werde. "Aber wir werden natürlich sehr wachsam bleiben", sagte Trichet.

Der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen war zuvor den 3. Tag in Folge auf ein Rekordhoch gestiegen. Investoren verlangten für zehnjährige Staatsanleihen eine Rendite von rund 7,5 % - gut 4,5 Prozentpunkte mehr als für entsprechende Papieren aus Deutschland.

Die Entwicklung setzt das hoch verschuldete Griechenland enorm unter Druck, weil es bereits am 20. April Schulden von 8,2 Mrd. Euro tilgen muss und im Mai weitere Milliarden benötigt.

Geldaufnahme bei zweitklassiger Sicherheit auch 2011

Die EZB wird auch über 2010 hinaus zweitklassige Wertpapiere als Sicherheiten für geliehenes Zentralbankgeld akzeptieren. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt.

Gleichzeitig werden zum 1. Jänner 2011 gestaffelte Abschläge für verschiedene Risikoklassen eingeführt. Die Verlängerung der außerordentlichen Maßnahme war vor dem Hintergrund drohender Schwierigkeiten des hoch verschuldeten Griechenlands bei der Kapitalbeschaffung erwartet worden. Notenbank-Präsident Jean- Claude Trichet betonte jedoch, die Entscheidung gelte für alle öffentlichen und privaten Refinanzierungsgeschäfte und sei daher nicht auf Griechenland zugeschnitten.

Wegen der Vertrauenskrise unter den Kreditinstituten war die EZB von ihrer Linie abgewichen, nur Sicherheiten mit hervorragender Bonität zu akzeptieren. Das sollte ursprünglich nur bis Ende 2010 gelten. Nun hat die Notenbank die Maßnahme verlängert. Andernfalls hätte die Gefahr bestanden, dass sie griechische Staatsanleihen ab 2011 nicht mehr annehmen könnte.