Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer

Untreue-Verdacht

Für Ex-Hypo-Chef klickten Handschellen

Wolfgang Kulterer steht unter Verdacht der Untreue.

Paukenschlag in der Affäre um die Kärntner Hypo: Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer wurde gestern in Klagenfurt verhaftet. Als der 56-Jährige in der Früh in die Tiefgarage seiner Wohnung am Klagenfurter Kreuzbergl kam, um zu einem Termin zu fahren, wurde er bereits von drei Polizeibeamten erwartet. Er musste ins Polizeiauto steigen und wurde zur Einvernahme gebracht.

Auch Kulterers Sekretärin festgenommen
Neben Kulterer wurde auch eine langjährige Mitarbeiterin verhaftet, ÖSTERREICH-Recherchen zufolge handelt es sich um seine Sekretärin. Sie steht im Verdacht, für ihren Chef Unterlagen aufbewahrt zu haben. Insgesamt waren gestern 80 Beamte der SoKo Hypo und des Landeskriminalamts Klagenfurt im Großeinsatz. Ab sieben Uhr früh starteten Hausdurchsuchungen an zehn Locations (sieben in Kärnten, drei in Wien). Die meisten Razzien betrafen das Umfeld Kulterers, auch seine Klagenfurter Wohnung wurde durchsucht, ebenso ein Büro am Wiener Kärntner Ring, wo die Flick-Stiftung residiert, deren Vorstand Kulterer ist. Besuch von Beamten erhielt auch der frühere Hypo-Vorstand Josef Kircher.

80 Beamte im Einsatz bei 10 Hausdurchsuchungen

Nachdem Justizministerin Claudia Bandion-Ortner sich zuletzt immer stärker gegen Vorwürfe wehren musste, dass in den Hypo-Ermittlungen nichts vorangehe, kommt nun massiv Bewegung in die Sache. Gegen Kulterer wird seit Monaten ermittelt, er wurde mehrfach einvernommen. Der Haftbefehl gegen ihn wird mit Flucht- und Verdunkelungs- sowie Tatbegehungsgefahr begründet. Kulterer hält sich häufig in England auf, ebenso in Rumänien. Ermittlerkreisen zufolge war befürchtet worden, dass er sich absetzt.

Bis zu 10 Jahre Haft möglich

Der Ex-Hypochef steht im Verdacht der Untreue. In seiner Zeit als Vorstandschef der Bank (1992 bis 2006) soll er einen vielfachen Millionenschaden verursacht haben, vor allem in Zusammenhang mit Immobilien- und Kreditgeschäften der Bank in Südosteuropa. Nach Angaben der Justiz hat sich der Verdacht gegen Kulterer „erhärtet“. Der Strafrahmen liegt bei bis zu zehn Jahren Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Kulterer den ganzen Tag einvernommen
Experten der SoKo Hypo haben Kulterer den ganzen Tag über erneut einvernommen. Ob über den Ex-Banker die U-Haft verhängt wird, steht noch nicht fest. Darüber muss der zuständige Einzelrichter im Ermittlungsverfahren binnen 48 Stunden entscheiden. Die Frist beginnt ab Einlieferung in die Justizanstalt.

Im Finanzministerium zeigte man sich „sehr zufrieden“ mit dem Vorgehen der Justiz. Die Hypo steht seit der Notverstaatlichung im Dezember 2009 im Eigentum der Republik Österreich. Die jetzt gesetzten Maßnahmen seien „absolut in unserem Interesse“, sagte ein Sprecher von Finanzminister Josef Pröll.

Finanzministerium: „Erhöht Chancen auf Schadenersatz“
„Alles, was die Staatsanwaltschaft gegen Kulterer unternimmt, erhöht auch für uns als Republik die Chancen, dass wir zivilrechtlich Schadenersatzforderungen stellen können – zugunsten der Steuerzahler“, so der Sprecher. Auch die vom Finanzministerium eingesetzte „CSI Hypo“ hat mehrere Anzeigen gegen Kulterer erstattet.

Er finanzierte Haiders Deals
Das System Haider-Kulterer funktionierte auf Zuruf – so lange, bis die Hypo pleite war. Die Liste der von der Hypo Alpe Adria Bank gewährten Gefälligkeitskredite, Finanzierungen von Jörg Haiders Prestigeprojekten und hoch dotierten Sponsorings ist schier endlos.

Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler bekam durch Haiders Vermittlung einen 150.000-Euro-Kredit. Die Seebühne, das Wörtherseestadion, das Veldener Schlosshotel, Tourismusprojekte, Golfclubs, etc. – es funktionierte immer nach demselben Prinzip: Haider wünschte, die Hypo zahlte. So wurde etwa ohne jede Sicherheit der Fluggesellschaft Styrian Spirit ein Überziehungsrahmen in Millionenhöhe gewährt – angeblich auf Wunsch von Haider. Vor allem dieses Geschäft dürfte einer der Gründe für Kulterers Verhaftung sein.

Der kroatische Ex-General Vladimir Zagorec kam günstig zu einem Immobilienimperium. Und die Kärntner Sportveranstaltungen, bei denen die Hypo nicht gesponsert hat, sind mit der Lupe zu suchen.
Fakt ist, dass sich Jörg Haider gerne in den angeblich großartigen Erfolgen der Hypo gesonnt hat. Kulterer durfte den Landeshauptmann sogar auf der Reise zum libyschen Staatschef Gaddafi begleiten. Die Monate vor Haiders rasanter Todesfahrt waren von einem deutlich abgekühlten Verhältnis der beiden geprägt – kein Wunder: Die Hypo war zur bodenlosen Hypothek Haiders geworden. Für Kulterer gilt die Unschuldsvermutung.