Grasser: Stürzt ihn dieser Akt?

Woher kamen 500.000 €?

Grasser: Stürzt ihn dieser Akt?

„Causa Grasser“ wird immer heißer: Hat KHG Geld aus den Buwog-Provisionen kassiert?

Es ist eine wilde Geschichte. Im Mittelpunkt: der bekannteste Clan Österreichs. Es geht um 500.000 Euro, die Karl-Heinz Grasser im Auto aus der Schweiz nach Österreich chauffierte. Als Cash.

Die Justiz verdächtigt Grasser, dass diese 500.000 Euro, die letztlich in Hypo-Anleihen von Tilo Berlin angelegt wurden, von Schwarzgeldkonten aus Liechtenstein stammen. Dort hat sein Trauzeuge Meischberger seinen Anteil an den 9,6 Millionen Euro geparkt, die als Provision beim Buwog-Verkauf geflossen sind.

Grasser dementiert das heftig und beschwört, dass die 500.000 Euro Cash von seiner Schwiegermama sind. Format druckt die Einvernahmeprotokolle von Grasser ab (er wurde zwischen September 2010 und Sommer 2011 sechsmal stundenlang verhört).

Grasser über den Schwiegermama-Deal
KHG sagt, er bekam von seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota in drei Tranchen insgesamt 500.000 Euro, um sie für sie anzulegen. „Sie hat gesagt ‚Schau, nimm 100.000 Euro, und schauen wir einmal, wie du Geld veranlagen kannst‘, dann habe ich auch gesagt: ‚Wir brauchen eine vernünftige Größenordnung einer möglichen Geldveranlagung‘ und so sind dann die 500.000 Euro entstanden.“


Grasser über die Geldübergabe
Fast wie bei Derrick kam das Geld aus dem Safe: „Meine Schwiegermutter hat einen großen Safe in der Wohnung. Wenn Sie hineinkommen bei der Tür, glaube ich, nach der Eingangstür irgendwo rechts. Es ist weder das Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer, sondern der Raum hat so einen Vorraumcharakter. Dort ist der Safe, und dort hat sie das Geld herausgenommen und mir gegeben.“

Weiter: „Wir waren dort zu dritt, meine Schwiegermutter, meine Frau und ich. Es war ja ein Mittagessen an einem Samstag oder Sonntag, und daher ist sie dann irgendwann am Ende des Gesprächs aufgestanden und hat das Geld geholt und hat es mir gegeben.“

Was er mit dem Geld machte. Grasser bringt die Euros im Auto nach Wien. „Das waren meiner Erinnerung nach 500-Euro-Scheine, aber das kann ich Ihnen jetzt nicht mehr genau sagen. (…) Das waren Bargeldscheine, die sie mir in die Hand gedrückt hat, und natürlich habe ich sie in ein Kuvert hineingetan. Ich bin dann zum Auto gegangen, habe es ins Auto gelegt und bin über Kitzbühel nach Wien gefahren.“

Wie sich Euros anfühlen

Grasser will das Geld in „ein größeres A4-Kuvert“ gesteckt haben. Die Ermittler klopfen den Wahrheitsgehalt ab. „Ich kann es Ihnen nicht schildern, wie viele Zentimeter 330.000 Euro an Geld ausmacht. Ich kann Ihnen keine Zentimeter geben.“

Wie er das Geld ablegte. Grasser verwahrte die Kuverts im Safe seiner Wohnung. „Dann habe ich es zeitnah irgendwann in die Meinl Bank gebracht und dort eingezahlt. Zeitnah heißt, dass ich Ihnen nicht mehr sagen kann, ob es direkt der nächste Tag war, weil ich einen ziemlich intensiven Terminkalender gehabt habe und daher schauen musste, wann habe ich Zeit, das Geld in die Meinl Bank zu tragen.“

Schwiegermutter widerspricht
Zum Bumerang könnte für Grasser das Protokoll einer Razzia werden. Am 26. Mai 2011 filzen Polizei und Staatsanwaltschaft die Villa von Grassers Schwiegermutter in Aurach (Kitzbühel). Sie ist nicht da (sondern in Sardinien), ihr Mann Adalbert Lhota eilt herbei, nimmt Kontakt mit seiner Frau auf. Im Beisein der Beamten telefoniert er mit ihr, die Staatsanwaltschaft konfrontiert Giori – via Lhota – mit den Ausführungen ihres Schwiegersohnes. Lhota darauf (laut Protokoll). „Auf die Frage, was seine Frau zum Vorgelesenen sage, teilte er mit, dass Giori die Ausführungen der vorgelesenen Seiten absolut in Abrede stellt. Sie sagte zu diesen Ausführungen, dass dies alles nicht stimmt.“

Grasser-Anwalt Ainedter spricht von einer Fehlinterpretation. Giori hätte nie zur Causa Stellung genommen. Sie entschlägt sich jeder Aussage. Es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

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