"Thema Spezial"

ORF nimmt Natascha-Kampusch-Sendung aus Programm

Der ORF kommt nicht zur Ruhe: Jetzt muss der Staatssender ein „Thema Spezial“ zu Natascha Kampusch nach massiver Kritik absagen. Dem ORF droht nun sogar eine Klage. 

Hinter den ORF-Kulissen ging es wohl kontrovers zu. Die Sendung „Thema Spezial: Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“ wurde abgesagt. Geplant war die Ausstrahlung ursprünglich für kommenden Montag. Das gab der ORF am Samstag bekannt. Dem Vernehmen nach soll die neue ORF-Chefin die Reißleine gezogen haben, um dem krisengebeutelten ORF weitere Negativ-Schlagzeilen zu ersparen. 

ORF nimmt Natascha-Kampusch-Sendung aus Programm
© oe24

"Unterschiedliche Auffassungen"

In einer Aussendung erklärt der ORF:

  • „Nach unterschiedlichen Auffassungen betreffend die Persönlichkeitsrechte von Natascha Kampusch und um sich Zeit für eine entsprechende finale Abklärung zu geben, verzichtet der ORF vorerst auf die Ausstrahlung.“ 

„Millionenshow“ statt Kampusch-Doku 

Als Ersatz für die Kampusch-Doku strahlt der ORF jetzt am Monatg die „Millionenshow“ aus und zieht den Beginn eines verlängerten „kulturMONTAG“ auf 21.05 Uhr vor.  In den letzten Tagen hatte es massive Kritik an der geplanten ORF-Doku über Natascha Kampusch gegeben. Medienanwälte hatten einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von Kampusch kritisiert. Sogar Kampuschs Ärzte sollen sich gegen die Ausstrahlung ausgesprochen haben. 

Kampusch über Corona: ''Maßnahmen zu wenig streng''
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Berichte über Gesundheitszustand 

20 Jahre nach der Flucht Kampuschs vor ihrem Entführer sollte es in der Sendung um Kampusch und ihren aktuellen Zustand gehen. Den ORF-Plänen vorausgegangen waren Berichte über den Gesundheitszustand von Kampusch (38).

Familie in Sorge

Das Schicksal von Natascha Kampusch bewegt Österreich seit ihrem Verschwinden am 2. März 1998. Zum 20. Jahrestag ihrer Flucht dringen nun besorgniserregende Details über ihren Zustand an die Öffentlichkeit. Ihre Schwester Claudia Nestelberger, die heute ihre Angelegenheiten regelt, zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Situation. Laut der Familie ist die 38-Jährige derzeit kaum wiederzuerkennen. 

Lebt in "eigenen Welt"

Die Beschreibungen der Schwester verdeutlichen die Schwere der Lage. Demnach lebe Natascha Kampusch meist in einer „eigenen Welt“. Diese Isolation führe dazu, dass die Kommunikation mit der Außenwelt fast vollständig zum Erliegen gekommen sei. Die Familie beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge. Besonders erschütternd ist der Vergleich, den Claudia Nestelberger zieht. Sie beschreibt den derzeitigen Zustand als eine neue „Art der Gefangenschaft“. 

Natascha Kampusch
© Kernmayer

Der Journalist Christoph Feurstein sollte sich in der ORF-Dokumentation „Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“ dem Lebensweg der Frau widmen.

Jetzt ist die Sendung erstmal Geschichte. 

Opferhilfeeinrichtung prüfte rechtliche Schritte 

Druck im Vorfeld hatte die Opferhilfeeinrichtung der WEISSE RING ausgeübt. In einer Aussendung lässt die Hilfseinrichtung wissen: "Als Opferhilfeeinrichtung hat der WEISSE RING im Vorfeld gegenüber dem ORF seine Bedenken hinsichtlich der Ausstrahlung deutlich gemacht und rechtliche Schritte zur Prüfung eingeleitet."

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