Kulterer geht frei

Hypo-Prozess

Kulterer geht frei

Ex-Hypo-Chef unschuldig. Urteil blamiert SOKO Hypo.

Angekündigte Sensationen finden meistens nicht statt. Doch gestern, um 12.35 Uhr im Landesgericht Klagenfurt, gab es einen Knalleffekt. Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer wurde in allen Punkten der Anklage wegen Untreue vom Gericht für unschuldig befunden.

Der Ex-Manager zeigte sich nach dem Richterspruch erleichtert. Aber Zeichen der Freude waren nur wenige in seiner Mimik zu entdecken. "Wie ich in den letzten 18 Monaten kriminalisiert wurde, ist eine Schande. Ich werde einige gute Freunde brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen", zieht Kulterer Bilanz.

Peinlich für CSI Hypo
Für die CSI Hypo eine schwere Niederlage. Die Anklage gegen Kulterer und die Ex-Hypo-Manager Gert Xander und Albin Ruhdorfer wegen Kreditvergaben an die später pleitegegangene Fluglinie Styrian Airways (Styrian Spirit) und an den Detektiv Dietmar Guggenbichler sollte erst der Anfang einer langen Prozessreihe werden.

Doch vor Gericht zeigte sich, dass CSI Hypo und Staatsanwaltschaft schlampig gearbeitet hatten. Vor allem Kulterers Anwalt Ferdinand Lanker führt heftige Vorwürfe an: "Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess auf Zuruf der Kanzlei Held, die für die Hypo tätig ist, agiert. Diese Kanzlei hat auch Aussagen von Zeugen manipuliert und die Staatsanwaltschaft getäuscht."

Entschädigung
Sobald das Urteil rechtskräftig ist (die Staatsanwaltschaft legte Nichtigkeitsbeschwerde ein), werden Kulterer und sein Anwalt weitere rechtliche Schritte anvisieren. "Wir werden prüfen, ob wir eine Chance haben, ­diverse Ersatzansprüche, wie Haftentschädigung oder Verdienstentgang, geltend zu machen", so Lanker. Auch im nächsten Prozess wegen Falschaussage geht Kulterer von ­einem Freispruch aus.
 

Kulterer: "Freispruch ist erleichternd"

ÖSTERREICH: Herr Kulterer, wie fühlen Sie sich nach dem Freispruch?
Wolfgang Kulterer: Das Urteil ist befreiend, und ich bin dankbar für den fairen Prozess. Aber eine richtige Freude kommt nicht auf, denn die letzten 18 Monate waren brutal. Vielleicht bin ich dafür zu nüchtern. Denn der Schaden, der mir zugefügt wurde, kann nicht mehr gutgemacht werden.

ÖSTERREICH: Ihr Anwalt hat die CSI Hypo im Prozess attackiert. Wurden hier Fehler gemacht?
Kulterer: Die CSI Hypo wäre gut beraten, wenn sie sich die Vorgänge in den Jahren 2008 und 2009 anschaut, wo ich nicht mehr Vorstand war. Aber offenbar versuchte man, gezielt davon abzulenken, indem man mich kriminalisierte.

ÖSTERREICH: Sie haben alle Ihre Jobs verloren, wie sehen Sie Ihre Zukunft? Werden Sie im Finanz-Business bleiben?
Kulterer: Das habe ich noch nicht fixiert. Ich werde schauen, was ich wieder aktivieren kann und ob das in Österreich stattfindet oder im Ausland.

ÖSTERREICH: Das heißt, Sie wollen Österreich verlassen?
Kulterer: Erst, wenn alle Verfahren abgeschlossen sind. Jetzt wohne ich weiterhin am Hof meiner Eltern und bereite mich auf den nächsten Prozess vor. Auch hier kann es nur einen Freispruch geben. Denn ich habe nie eine Falschaussage gemacht.