Justiz Groteske um Libro-Pleite

Prozess nach 10 Jahren

Justiz Groteske um Libro-Pleite

Der Firmen-Wert soll für den Börse-Gang geschönt worden sein.

Dem schnellen Aufstieg folgte der noch schnellere und tiefe Fall: André Rettberg (53) arbeitete sich mit der Buch- und Papierhandelskette Libro zum Shootingstar der heimischen Wirtschaft hoch, produzierte 20 Prozent Wachstum im Jahr und wurde 1999 "Manager des Jahres". Als Libro-Boss verdiente er 250.000 Schilling (18.100 Euro) brutto im Monat, er brachte Libro im November 1999 an die Börse – im Jahr 2000 rutschte das Unternehmen tief in die roten Zahlen, 2002 war die Pleite besiegelt.

Jetzt, fast 10 Jahre später, steht Rettberg als Hauptangeklagter am Landesgericht Wiener Neustadt vor der Richterin. Beim Börsengang 1999 seien „kriminelle Machenschaften“ vorgenommen worden, so Staatsanwalt Johann Fuchs. Die Angeklagten hätten durch "Täuschung über Tatsachen" mit der Darstellung eines „weit überhöhten Unternehmenswerts“ von Libro die Investoren, die in Folge viel Geld verloren, in die Irre geführt.

Rettberg: "Die Bilanzen konnte ich nicht lesen"
"Auf gut Niederösterreichisch: Libro war außen hui und innen pfui", so Fuchs. "Man macht einen attraktiven Börsenprospekt, wo all die falschen Gewinnchancen drin sind, man macht eine supergute Medienarbeit, wo eigentlich jeder blöd ist, der nicht in Libro-Aktien investiert, so macht man die Aktie am Markt attraktiv." Im Unternehmen habe es in Wahrheit aber ganz anders ausgeschaut, die Pleite sei schon absehbar gewesen.

Warum die Ermittlungen angesichts allen vorliegenden Materials 8 Jahre dauerten, ist die große Frage in diesem Prozess.

Rettberg sieht bei sich keine Schuld am Libro-Desaster. "Die Bilanz konnte ich nicht lesen", sagte er bei seiner Einvernahme durch Richterin Birgit Borns. Er sieht sich als "Visionär" mit „Fleiß und Gespür für die Kunden“, bezüglich der Finanzen habe er sich auf seine Experten verlassen. "Rettberg war Generaldirektor, kein Buchhalter", so sein Verteidiger Werner Sporn.