Schweinebörsen-Chef: "Schweinerei, was da läuft"

Deutsche Billigkonkurrenz

Schweinebörsen-Chef: "Schweinerei, was da läuft"

Deutsches Fleisch wegen "moderner Sklaverei" um 20 Prozent billiger.

Bei den österreichischen Schlachtbetrieben läuten die Alarmglocken wegen Schweinefleischpreisen. Grund ist Billigkonkurrenz aus Deutschland, die auch Branchenkollegen aus Belgien und Frankreich auf die Palme bringt. Kolportiert werden ein Hilfsarbeiterlohn von 3,50 Euro und ein Facharbeiterlohn von 6 Euro. Für Branchenvertreter Hans Schlederer ist es eine "Schweinerei, was da läuft", sagte er.

 "Das Fleisch aus Deutschland ist um bis zu 20 Prozent billiger. Natürlich wird davon nicht der ganze Preisvorteil nach Österreich weitergegeben - nur so viel, dass es eben gekauft wird", erklärte Schlederer, Chef des Verbandes der landwirtschaftlichen Veredelungsproduzenten (VLV) und der Schweinbörse in Linz. Das Problem gebe es seit etwa fünf Jahren, in den vergangenen zwei bis drei Jahren habe es sich verschlimmert.

Im vergangenen Jahr seien wegen der Billigkonkurrenz fünf - zumindest für Österreich - große Schlachter in die Insolvenz geschlittert. Die deutschen könnten billigeres Fleisch feilbieten, weil dort "speziell in der Fleischbranche auch moderne Sklaverei, Lohndumping herrscht", so Schlederer.

Dabei kommen die Schlachter mit dem Gesetz nicht in Konflikt, so der Chef der Schweinebörse. "Beispielsweise mieten osteuropäische Firmen im Auftrag deutscher Fleischer ganze Tierverarbeitungshallen, schlachten dort ausgestattet mit einem Werkvertrag tausende Schweine in einer gewissen Zeit - zu den weit billigeren Konditionen ihres jeweiligen Heimatlandes."

Das sei "verwerflich" und doppelt schwierig für die Österreicher, weil die Personalkosten im Fleisch-Zerlegeprozess laut Schlederer 60 Prozent ausmachen. "Dass wir so unter die Räder geraten, ist logisch."

Um nicht überrollt zu werden, verbündet sich Schlederer einerseits mit Frankreich und Belgien, um das Thema aufs EU-Tapet zu bringen. An Sozialkommissar Laszlo Andor wurde von den Branchensozialpartnern bereits ein Schreiben verfasst. Auch die deutsche Gewerkschaft Nahrung, Genussmittel und Gastronomie versuche, "über den Umweg Brüssel entweder die Kommission, den Rat oder das Parlament einzuschalten".

Andererseits war Schlederer laut eigenen Angaben auch schon beim Sozial-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister, um das Problem zu schildern. "Aber bilateral traut sich keiner so richtig, etwas zu machen, wofür ich ein gewisses Verständnis habe - also wollen wir über eine Initiative Richtung Brüssel mit anderen starken Ländern richtig vorgehen." Eine Einzelinitiative gab es seitens Frankreich vor drei Jahren, seitens Belgien vor einigen Monaten.

Auch mit den Sozialpartner stehe Schlederer in Kontakt. "Schließlich handelt es sich indirekt auch um einen Anschlag auf die Sozialpartnerschaft in Österreicher - ich orte auch schon verstärktes Problembewusstsein." Es könne ja so weit kommen, dass heimische Schlachter, bevor sie in die Pleite gezwungen würden, selbst "grenzwertige Geschäftsmodelle" ausprobieren könnten, "was die Sozialpartnerschaft zerreißt".

Unterschiedlicher könnte die Branche in Österreich und Deutschland übrigens kaum sein: Alle knapp 200 Schlachtbetriebe vom kleinen Fleischer bis zu den hierzulande großen Betrieben schlachten pro Woche nicht ganz 100.000 Schweine, davon der größte Betrieb, Steirerfleisch, alleine knapp 20.000, so Schlederer. In Deutschland schlachtet der größte Betrieb alleine in der Woche 100.000 Borstentiere.