Gewerkschaft bestreikt Amazon-Standorte

Deutschland

Gewerkschaft bestreikt Amazon-Standorte

Amazon will Streiks auf dem Firmengelände verbieten lassen.

Zum Weltgesundheitstag am Donnerstag hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu Streiks an sechs deutschen Standorten des US-Onlinehändlers Amazon aufgerufen. Amazon nehme wenig Rücksicht auf die Gesundheit seiner Beschäftigten, und Kollektivverträge seien ein entscheidendes Mittel, um gesunde Arbeitsbedingungen zu garantieren, erklärte die Gewerkschaft.

Vor dem Arbeitsgericht Berlin versuchte Amazon unterdessen, Verdi untersagen zu lassen, bei Streiks das Firmengelände zu nutzen.

Bemühungen ohne Durchbruch
Die Gewerkschaft ringt seit über zwei Jahren mit Amazon um die Einführung eines Tarifvertrages auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels. Bis jetzt blieben die Bemühungen ohne Durchbruch.

Amazon betont im Tarifstreit immer wieder, ein guter Arbeitgeber zu sein und vergleichsweise hohe Löhne zu zahlen. An allen Standorten sind dies nach Angaben des Unternehmens mindestens zehn Euro brutto pro Stunde. Hinzu kämen Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Mitarbeiter-Aktien.

Grundrechte-Kollision
Streiks auf dem Firmengelände will der US-Konzern nicht dulden. Er reichte daher beim Arbeitsgericht Pforzheim Antrag auf einstweilige Verfügung ein, um Verdi am Standort Pforzheim für Streiks die Nutzung des Firmengeländes zu verbieten. In erster und zweiter Instanz - vor dem Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg - scheiterte das Unternehmen aber.

Beim Arbeitsgericht Berlin will Amazon laut Verdi nun im Hauptsacheverfahren versuchen, Streikmaßnahmen auf dem Firmengelände zu verbieten. Berlin ist der Sitz von Verdi. Es gehe um eine Grundrechte-Kollision, sagte eine Verdi-Sprecherin: Dem Besitzrecht steht das Streikrecht gegenüber. Die Gewerkschaft erwartete eine Entscheidung noch am Donnerstag.

Schlechte Arbeitsbedingungen
Zum Thema Gesundheit erklärte Verdi, hoher Druck, permanente Leistungskontrolle und Überwachung, unzureichende Erholungszeiten sowie fehlende Hilfsmittel seien schlechte Arbeitsbedingungen, die häufig bei Amazon zu finden seien. Die Beschäftigten an den Streikstandorten in Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Graben und Koblenz könnten am Donnerstag ihre Probleme und Forderungen anhand einer betriebsöffentlichen Umfrage bewerten und diskutieren. Auch am Standort Pforzheim gebe es dazu Gelegenheit.

Laut Amazon können die Beschäftigten sich über viele Kanäle äußern und so Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen nehmen, etwa über Umfragen oder Treffen.