Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer

Kulterer-Bombe

Hypo: Die Millionen-Klage

Bank fordert jetzt Schadenersatz. Fünf Klagen noch im September.

Ein halbes Jahr nach der Notverstaatlichung beginnt die Kärntner Hypo Group Alpe Adria mit Schadenersatzklagen gegen frühere Bankmanager. "Eine Handvoll Klagen sind praktisch fertig", sagte der neue Hypo-Chef Gottwald Kranebitter gestern bei der Präsentation der tiefroten Bilanz für das 1. Halbjahr 2010. "Noch im September bringen wir erste Klagen ein gegen jene, die der Bank Schaden zugefügt haben."

 Ansprüche am Ende bei mehreren Hundert Millionen
Die ersten Klagen werden sich auf geringere Beträge belaufen, so Kranebitter. Die Gesamtsumme aller Ansprüche aus der Aufarbeitung der Vergangenheit, die das neue Bankmanagement bis Mitte 2011 abgeschlossen haben will, werde dann aber "einen guten dreistelligen Millionenbetrag" ausmachen.

Gegen welche konkreten Personen die ersten fünf Klagen eingebracht werden, sollte Kranebitter nicht sagen. Auch nicht, ob der seit zwei Wochen in U-Haft sitzende Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer darunter sei. Neben vorsätzlichen Schädigungen gehe es in der gesamten Causa aber immer wieder um "grobe Sorgfaltspflichtverletzungen" – und die würden vor allem ehemaligen Vorständen bzw. Geschäftsleitern angelastet.

 Hypo sitzt auf 8,3 Mrd. Euro an faulen Krediten
"Mögliche Ansprüche werden sich daher in erster Linie gegen diesen Personenbereich richten", sagt Kranebitter. Hypo-Aufsichtsratspräsident Johannes Ditz sieht es ebenfalls als wichtig an, Klagen einzubringen, wenn sich immer stärker herausstelle, dass wissentlich Schaden verursacht wurde. Das Wesentliche sei jetzt aber, "dass der Bank 2011 der Turnaround gelingt". "Denn sonst müssen wir alternative Wege suchen", so Ditz. "Einen nochmaligen Kapitalzuschuss des Bundes kann es nicht geben."


Im ersten Halbjahr 2010 hat die Hypo eine halbe Milliarde Euro Verlust gemacht. Außerdem ist der Berg an faulen Krediten auf 8,3 Mrd. Euro angestiegen – das sind noch einmal 1,3 Mrd. mehr als Ende 2009. Damit sind 23 Prozent des gesamten Kreditbestands der Hypo faul. Die Bank ist derzeit noch mit rund 350 Standorten in 12 Ländern vertreten. Verkauft werden sollen die Banken in Italien und Montenegro; außerdem nicht zum Kerngeschäft gehörende Beteiligungen und Immobilien.