Beweisverfahren beginnt

Immofinanz-Prozess: Angeklagte schwer belastet

Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac heute im Zeugenstand.

Als Zeugin im Immofinanz-Strafprozess hat heute die Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac die Angeklagten Karl Petrikovics und Helmut Schwager sowie den nicht anwesenden erkrankten Norbert Gertner schwer belastet. "Wie sehe ich das heute? Ich sehe es als eine große Untreue und einen großen Vertrauensverlust", sagte sie in der Befragung durch Richterin Claudia Moravec-Loidolt. "Weil es wurde ja die Unwahrheit gesagt". Alle Angeklagten verfolgten ihren Zeugenauftritt schweigend. Die Tochter des im Jahr 2000 verstorbenen Industriellen hat die ihr vererbte Constantia Privatbank (CPB) innerhalb weniger Jahre verloren. 2008 wurde die Bank um einen Euro verkauft.

Die 66-jährige Castelbajac gab ihren Beruf mit "Hausfrau und Fotografin" an. Nach 30 Jahren im Ausland sei sie erst kurz vor dem Tod ihres Vaters nach Österreich zurückgekehrt. Die ganze Konstruktion der Constantia Privatbank, der Holding und den Gesellschaften sei schon so gewesen, wie sie Ende 1999 in den Aufsichtsrat gekommen sei. "Es war alles schon so, wie's war". Mit dem operativen Bereich der Bank und auch mit Immofinanz und Immoeast habe sie nichts zu tun gehabt, schilderte sie. "Ich habe mich auf die Vorstände verlassen, und natürlich auf den Dr. Schwager".

Der mitangeklagte Helmut Schwager, damals CPB-Aufsichtsratsvizepräsident, sei schon "in zweiter Generation" für ihre Familie tätig gewesen. "Sein Vater war schon bei meinem Vater". Der knapp zwei Meter neben ihr sitzende Schwager hielt während Castelbajacs Aussage großteils den Blick gesenkt. Die Turnauer-Tochter hatte ihre eigene Tätigkeit in der ererbten Bank auf die Teilnahme an Aufsichtsratssitzungen beschränkt. "Ich hatte keinen Grund zu glauben, dass mir Informationen vorenthalten wurden".

An die Frage des damaligen Aufsichtsratsmitglieds Thomas Uher nach einem Verlust von über 7 Millionen kann sich Castelbajac erinnern. "Uher hat die Frage gestellt, wie kommt es zu diesem Verlust, die Antwort war, es ging um einen guten Kunden der nicht bedient werden konnte", schilderte sie heute eine Vorbesprechung zur AR-Sitzung vom Mai 2006. "Ich glaub' die Antwort kam von Petrikovics", belastete sie den Hauptangeklagten. "Wir waren alle mit dieser Antwort zufrieden". Die Frage hat sich auf den Verlust aus den "Hable-Optionen" bezogen, die aber in Wahrheit Geschäfte mit Karl Petrikovics, Helmut Schwager und Norbert Gertner waren.

Die Richterin hakte nach: "Wenn die gesagt hätten, das sind wir?" "Ja, dann hätten wir uns alle gewundert", so die Zeugin. "Das wäre ja absurd gewesen". Castelbajac erläuterte ihre Empörung knapp: "Wenn die Frage ist, woher kommt der Verlust, und man sagt das ist für einen Kunden, denkt man doch nicht, dass das für die drei Herren ist". Auch von Scheinrechnungen habe sie nichts gewusst. "Ich habe alles erst im Strafverfahren erfahren". Damals hätte sie sich das gar nicht vorstellen können.

Auch die Verantwortung der Beschuldigten, die Aktiengeschäfte basierten auf einem AR-Beschluss, wurde durch die Zeugin erschüttert. An eine Genehmigung für den Aktienkauf der Vorstände bzw. eine Diskussion über deren Aktienkäufe könne sie sich nicht erinnern, so de Castelbajac. In der Bank sei darüber nicht geredet worden, was in der Immofinanz oder in der Immoeast geschehen sei, wisse sie nicht.

Zu kurzer Aufregung im Gerichtssaal kam es, als der Anwalt von Schwager, Georg Zanger, in der Befragung meinte, Schwager sei ja "kein Organ" der Immofinanz bzw. Immoeast gewesen. Die Zeugin, Richterin und Staatsanwalt korrigierten den Anwalt sofort: Schwager war nämlich Aufsichtsratspräsident bei beiden Gesellschaften. Auf die Frage des Anwalts nach einem hypothetischen Sachverhalt meinte Castelbajac, sie hätte sich auf jeden Fall von Experten beraten lassen.

Ob Schwager für sie selber auch Immofinanz- bzw. Immoeast-Aktien gekauft habe, könne sie nicht mehr nachvollziehen. Wenn, dann sei es nur ein kleiner Teil gewesen. Schwager habe sie bei ihrer Vermögensverwaltung beraten. Eigenständig gehandelt habe er aber nicht: "Es wurde immer alles besprochen".

Den mitangeklagten Christian Thornton kenne sie nicht, so die Zeugin. "Vielen herzlichen Dank fürs Kommen", schloss die Richterin.

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