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160 Jahre österreichische Nachrichtenagenturen

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Übermorgen (10.10.) jährt sich die Gründung des APA-Vorläufers zum 160. Mal. Ein Rückblick.

Es war der 10. Oktober 1849, als ein gewisser Joseph Tuvora in Wien mit der "Oesterreichischen Correspondenz" das erste Telegraphen- und Korrespondentennetzwerk des Landes gründete, aus dem knapp 100 Jahre später die APA hervorging. Obwohl die "Oesterreichische Correspondenz" zunächst privat gegründet wurde, stand sie in der Folge unter dem Einfluss der damaligen Regierung und diente als deren Sprachrohr.

Erst Jahrzehnte später sollte es der Agentur gelingen, sich aus der Umklammerung der Regierung zu befreien. Zunächst wurde das private Nachrichtenbüro nach einer Falschmeldung über den Ausgang der Schlacht von Magenta aber zur Gänze verstaatlicht.

Am 11. Juni 1859 beschloss der Ministerrat die Gründung einer eigenen Nachrichtenagentur für Österreich-Ungarn, die als "Telegraphen-Korrespondenz-Bureau" in das k.u.k. Kriegspressequartier eingegliedert wurde. Dies war die erste staatliche Nachrichtenagentur der Welt. Sie existierte bis 1922 und reichte damit noch in die junge Erste Republik hinein. International arbeitete sie durch Austauschverträge mit Reuters und der Agence Havas zusammen.

Reduktion auf nationale Berichte

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns wurde die Agentur auf nationale Berichterstattung reduziert und 1922 in Amtliche Nachrichtenstelle (ANA) umbenannt. Als ANA wurde sie der obersten Medienbehörde, dem Bundespressedienst, unterstellt und diente weiterhin als Sprachrohr der Machthabenden. Ab 1933 verbreitete sie so auch die Ideen der Austrofaschisten.

1938 wurde die ANA durch das nationalsozialistische Deutsche Nachrichtenbüro ersetzt und als "Zweigstelle Wien" für Nazi-Propaganda missbraucht. Jüdische Mitarbeiter und Anhänger des Ständestaates wurden entlassen, die übrigen Mitarbeiter hatten den Treueeid auf Adolf Hitler zu leisten. Nach Kriegsende sorgte bis zur Gründung der APA im Jahr 1946 die ANA weiter für "amtliche Nachrichten".

Entstaatlichung als Traditionsbruch

Dass mit der APA eine "entstaatlichte" Nachrichtenagentur das Licht der Welt erblickte, kam einem Traditionsbruch gleich. Dies lag nicht zuletzt im Interesse der Alliierten, die auch in den besiegten Ländern - Deutschland, Italien und Japan - eine Privatisierung nach dem Genossenschaftsprinzip durchführten. Paten waren dabei die angelsächsischen Weltagenturen AP und Reuters und ein von ihnen in den 40er Jahren beschlossenes Grundsatzprogramm, das unter anderem die Prinzipien der "true and unbiased news" verankerte.

Maßgeblich beteiligt an dieser Positionierung waren der damalige AP-Direktor Kent Cooper sowie der emigrierte Österreicher Alfred Geiringer, der Ende 1945 von Reuters als European Editor nach Wien geschickt wurde. Seine Aufgabe war es, die Zielsetzungen des Grundsatzprogrammes in Österreich umzusetzen. Den Status und das Selbstverständnis als unabhängige Nachrichtenagentur verdankte die junge APA zum Großteil seinem Engagement.

Bis in die 70er Jahre hinein allerdings brauchte die APA trotz der in den Statuten verankerten Unabhängigkeit, um sich von parteipolitischer Einflussnahme zu emanzipieren. Zugleich galt es auch, die ökonomische Unabhängigkeit - unabdingbare Voraussetzung für redaktionelle Unabhängigkeit - zu sichern. Seit 1988 schreibt die Austria Presse Agentur regelmäßig Gewinne.

Drei Viertel der Nachrichtenagenturen staatlich

Nichtstaatliche Nachrichtenagenturen sind heute beinahe Mangelware. Weltweit befinden sich mehr als drei Viertel aller nationalen Nachrichtenagenturen im öffentlichen Eigentum, zuletzt schlug die geplante Umwandlung der französischen Nachrichtenagentur AFP in eine staatliche Aktiengesellschaft Wellen. Auch der Vorgänger der APA - Austria Presse Agentur, die "Oesterreichische Correspondenz" stand vor 160 Jahren unter dem Einfluss der Regierung. Die APA gehört indes zu den wenigen von Staat und Wirtschaft unabhängigen Nachrichtenlieferanten.

Privatwirtschaftlich organisiert und vom Staat unabhängig sind vor allem die großen Agenturen Associated Press (AP), Reuters und dpa. Die AFP, die in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden soll, an der der Staat alle Anteile hält, spielt - ähnlich wie die tschechische CTK - als öffentlich-rechtlich konzipierte Nachrichtenagentur bisher eine Sonderrolle.

Die Begehrlichkeit der Politik in Richtung Nachrichtenagenturen erklärt sich aus der Schlüsselrolle, die ihnen im globalen und nationalen Medien- und Informationssystem zukommt. Die Meldungen von Nachrichtenagenturen bilden die Basis für viele Artikel in Zeitungen sowie für die Berichterstattung in Radio, Fernsehen und Internet. Eine freie Presse braucht freie und unabhängige Nachrichtenagenturen, sind die Vertreter der unabhängigen Nachrichtenagenturen überzeugt.

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