Csoklich

"Kleine"-Doyen Fritz Csoklich verstorben

Langjähriger Chefredakteur der Kleinen Zeitung 80-jährig gestorben: "Die Freiheit beim Wort nehmen" war sein Leitmotiv.

Fritz Csoklich wurde am 5. Mai 1929 in Wien geboren und studierte Germanistik und Geschichte. Geprägt durch seine Erlebnisse in der katholischen Jugend in der NS-Zeit, engagierte er sich während des Studiums in der Katholischen Jungschar und blieb auch später der Katholischen Aktion eng verbunden.

Nach seiner Promotion im Jahr 1953 begann Csoklich in der Grazer Redaktion der "Kleinen Zeitung" seine journalistische Laufbahn. Es folgten "Lehr- und Wanderjahre" bei mehreren deutschen Zeitungen, ehe er in Graz zunächst im Ressort für Außenpolitik und dann im Lokalteil tätig wurde.

1959 wurde er mit der provisorischen Führung der Redaktion betraut und 1960 zum Chefredakteur bestellt - eine Position, die er fast dreieinhalb Jahrzehnte bis zu seiner Pensionierung 1994 innehatte. Unter seiner Leitung ist die im Styria Verlag erscheinende "Kleine Zeitung" in den 1970er-Jahren zur drittgrößten Tageszeitung in Österreich und zur auflagenstärksten Bundesländer-Zeitung geworden.

Csoklich gilt zudem als einer der Väter des Rundfunk-Volkgsbegehrens im Jahr 1964, das von unabhängigen Zeitungen initiiert wurde, über 830.000 Stimmen und führte schließlich zum Rundfunkgesetz 1966. 2001 wurde Csoklich in den ORF-"Weisenrat" berufen: Gemeinsam mit Gerd Bacher, Alfred Payrleitner und Heinrich Keller arbeitete er damals im Auftrag der ÖVP-FPÖ-Regierung Vorschläge für eine ORF-Reform aus.

Fritz Csoklich galt sowohl im Medien-, als auch im kirchlichen Bereich als zentrale Persönlichkeit der Nachkriegszeit. Der Grazer Altbürgermeister Alfred Stingl hatte anlässlich seiner Pensionierung die von ihm lange redaktionell geführte "Kleine Zeitung" als "Medium gegen die Gleichgültigkeit" bezeichnet, das die Kraft habe "auf- und wachzurütteln". Für Alt-Bischof Johann Weber war Csoklich dennoch ein "Mann der Demut", der mit seinen "freundschaftlichen Boshaftigkeiten" immer für viel Heiterkeit gesorgt habe.

"Journalistische Leitfigur der 2. Republik"

Fritz Csoklich habe die österreichische Medienlandschaft wie kaum ein anderer Journalist geprägt, würdigte ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf den verstorbenen Chefredakteur der "Kleinen Zeitung". Österreichs Medien verlören "eine herausragende Persönlichkeit, Österreichs Journalismus einen Kollegen mit Tiefgang und Gespür". SPÖ-Klubchef Josef Cap unterstrich u.a. das Engagement Csoklichs bei grenzüberschreitenden Initiativen.

Nach den Worten des steirischen Landeshauptmannes Franz Voves war Csoklich "einer der ganz großen Journalisten unseres Landes". Er habe "in christlicher Prägung in bestem Sinne und mit seiner unbeugsamen humanistischen Haltung" die "Kleine Zeitung" und den ganzen Journalismus der Steiermark während dreieinhalb Jahrzehnten als Redaktionsleiter entscheidend geprägt.

Als Verfechter journalistischer und persönlicher Freiheit, ausgestattet mit Kommunikationsfähigkeit auf höchsten Niveau, sei er "entscheidender Baumeister der journalistischen Qualität" auch einer ganzen Generation von ihm ausgebildeter Journalistinnen und Journalisten gewesen. Mit Fritz Csoklich verliere die Steiermark eine journalistische Leitfigur, so Voves.

Als "Journalist mit Haltung im besten Sinne des Wortes" bezeichnete Werner Kogler, stellvertretender Bundessprecher der Grünen, den Verstorbenen. Seine Absicht sei es immer gewesen, möglichst viele Menschen zu informieren, "aber mit Niveau und ohne Boulevardisierung". Der steirische KPÖ-Klubobmann Ernest Kaltenegger hob besonders das Engagement Csoklichs für Länder der sogenannten "Dritten Welt" hervor. "Csoklich ist als katholischer Journalist ein offener Mensch gewesen, der bereit war, auch mit Menschen in einen Dialog zu treten, die sich zu einem marxistischen Hintergrund bekannten", meinte Kaltenegger.

BZÖ-Bündnisobmann Josef Bucher würdigte Fritz Csoklich als "einen der herausragenden österreichischen Journalisten der Zweiten Republik". Seine Tätigkeit werde nicht nur den Leserinnen und Lesern in Erinnerung bleiben, sondern auch vielen heutigen Journalisten als Vorbild dienen. Csoklichs Leitmotiv "Die Freiheit beim Wort nehmen" sollte auch in Zukunft in der Medienlandschaft weitergetragen werden, so Buchner.