Vorgabe von Air Berlin

Niki-Flugzeuge werden neu bemalt

Auch das Sparpaket der deutschen Mutter Air Berlin betrifft Niki.

Ab Herbst werden die "Niki"-Flugzeuge neu bemalt und dem Design von Air Berlin angenähert. Die Grundfarbe wird weiß sein, an der Heckflosse prangt dann das Air-Berlin-Logo, am Bauch bleibt es beim "Niki"-Logo. Die Marke Niki bleibe erhalten. Niki hat 2011 den Umsatz um 28,5 Prozent auf 452,6 Mio. Euro erhöht, die Passagierzahl stieg um 32 Prozent auf 4,5 Millionen. Um wieviel die Niki Luftfahrt GmbH mit ihrem "zweistellig positiven" Millionenergebnis 2011 den Air-Berlin-Verlust (Ebit-Verlust: 247 Mio. Euro) gedrückt hat, wurde nicht erläutert.

Diashow: Niki steigt bei "NIKI" aus

Für die Passagiere soll sich durch den Totalverkauf von Niki ("flyniki") an die Air Berlin nichts ändern, betonten Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn und Niki-Gründer Niki Lauda am Dienstag vor Journalisten. "Niki bleibt Niki als Marke", sagte Mehdorn.

Lauda, der im Dezember in den Board von Air Berlin übersiedelt, will "nach wie vor die Augen auf Niki halten. Ich bin von oben für Niki verantwortlich". Der Airline-Konkurrenz richtete er heute aus, "der lästige Molch Lauda ist nicht weg". Und er gehe nicht in Pension. Lauda will auch weiterhin Flugzeuge selber fliegen

Niki werde weiterhin eine eigenständige Gesellschaft mit eigener Geschäftsführung sein, wurde heute in Wien erklärt. Niki Lauda selbst war immer nur Gesellschafter bei seiner Billigairline und trug in seiner Firma den Namen "Präsident". Mittels eines Marketingvertrags habe er seinen Werbewert eingebracht.

Eine dritte Airline will Lauda nicht mehr gründen. "Mir gehen die Namen aus", meinte er heute. Die neue Aufgabe im Air-Berlin-Board reize ihn sehr. Statt "unten zu motzen" wollte er "oben mitmachen. Mir ist lieber, ich kann mitbestimmen", sagte er heute vor Journalisten.

Anfang 2004 hatte die Air Berlin 24 Prozent an Laudas kurz davor gegründeter neuer österreichischer Airline übernommen. 2010 hat Lauda weitere 25,9 Prozent an Air Berlin verkauft. Allerdings hat Air Berlin damit die Option auf alles erhalten, denn für ein (letztlich ungenutztes) Darlehen der Deutschen diente der Hälfteanteil der Lauda-Stiftung als Pfand.

Die Übertragung der bisher von Laudas Privatstiftung gehaltenen knappen Mehrheit soll bis Jahresende durch sein. Damit gehört "Niki" dann zu 100 Prozent der Air Berlin. Noch in Gründung sind die verkehrsrechtlich argumentierten dazwischenliegenden "österreichischen" Stiftungskonstrukte, die nach außen eine inländische Mehrheit darstellen sollen.

Für den Deal fließen 40 Millionen Euro in Laudas Privatstiftung.

Lauda wird einer von 13 Aufsichtsratsmitgliedern im Board der Air Berlin sein.



Die zur deutschen Air Berlin gehörende Fluggesellschaft Niki (flyniki) ist vom Sparpaket ihrer deutschen Mutter mit einem zweistelligen Millionenbetrag betroffen. Niki-Geschäftsführer Christian Lesjak sprach heute von 12 Mio. Euro im Jahr. Bisher waren 10 Mio. Euro genannt worden. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn will mit seinem 250 Mio. Euro schweren Sparprogramm die schwer defizitäre zweitgrößte Airline Deutschlands wieder in die schwarzen Zahlen zwingen. "Wir schauen unter jeden Teppich, unter jeden Stein, suchen in jeder Jacke den letzten Cent", sagte Mehdorn am Montag in Wien.

© FlyNiki
FlyNiki neues Design Air Berlin

Das neue Design - (c) FlyNiki

Sparmaßnahmen
Natürlich würden Sparmaßnahmen von der Belegschaft immer mit einer gewissen Nervosität betrachtet, weiß Mehdorn. Man müsse sich aber nur umschauen: Bei Lufthansa stünden massive Veränderungen an, Air France fahre ein Restrukturierungsprogramm. Viele Airlines seien verschwunden. "Das ist nicht zu Ende", so Mehdorn. "Wir haben rechtzeitig angefangen, uns besser aufzustellen". Er will weiter ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen.

Nach dem Riesenverlust der Air Berlin im "miserablen Jahr 2011" will Mehdorn heuer ausgeglichen bilanzieren. Alle kämpften aber weiter mit der Finanzkrise. "Die Eurokrise hat vielleicht einen Moment Pause gemacht. Sie wird sich in den nächsten Monaten sicher noch von ihrer hässlichen Seite zeigen." Die Treibstoffpreise stiegen in den letzten Monaten zweistellig. Obendrauf kämen noch die Belastungen aus der Ticketsteuer. Das alles macht Fliegen in nächster Zeit wohl teurer.

Luftverkehrssteuer
Bei Air Berlin machte die Luftverkehrssteuer 2011 rund 160 Mio. Euro aus, bei Niki im ersten Dreivierteljahr nach der Einführung 9 Millionen. Richtig fatal wirkte sie laut Niki-Chef Lesjak ab Herbst 2011. Heuer werden es 20 Millionen sein.

Mehdorn und Lesjak wollen diese Steuern ganz weg haben. Sie haben sonst für Tourismus, Hotellerie und Bundesländerflughäfen nur düstere Prognosen. "In kleineren Märkten schaffen wir es nicht, diese Steuer an die Passagiere weiterzugeben, wo sie zehn Prozent vom Ticketpreis kostet." Als Konsequenz würden die Strecken auf allen Bundesländerflughäfen ausgedünnt. Besonders betroffen seien Graz, Salzburg und Linz. Im Winter etwa sei es gänzlich unmöglich, auf der Strecke Graz-Palma die Steuer weiterzugeben. Lesjak: "Österreich ist im Destinationen-Wettbewerb teurer geworden."

Er versucht gerade, einen Veranstalter für Skicharterflüge von Dänemark nach Salzburg bei der Stange zu halten. Der könne genausogut nach Verona ausweichen. "Es kann sein, dass wir den Verkehr verlieren", so der Niki-Manager. Und mit ihm der Airport Salzburg und die Partnerhotels. Wenn der Vizekanzler zugleich "über das Unternehmen Österreich schwadroniert und philosophiert", passe das nicht zusammen, befand Lesjak. Am Ende des Tages werde auch die Finanzministerin mit dieser Steuer nicht positiv aussteigen, glaubt auch Mehdorn.

Wien als Standpunkt

Wien wird aber immer wichtiger. Mehdorn will den Flughafen Wien-Schwechat für die Air Berlin Gruppe als Südosteuropa-"Hub" ausbauen. Ob man im Wettbewerb mit AUA/Lufthansa da etwas verdienen könne? Mehdorn: "Sonst würden wir's nicht tun." In Osteuropa bemühe man sich um neue Verkehrsrechte. Mit der Ukraine war man schon mal weiter. Nach Osten würden zusätzliche Frequenzen aufgebaut. "Und wir sind wahrscheinlich die einzige Airline, die dieses Jahr die Kapazitäten nach Griechenland steigert", fügte Lesjak hinzu.

Das auf Niki entfallende Sparpaket von 12 Mio. Euro sei im Großen und Ganzen schon gestemmt, sagte Lesjak, der ab 1. Juli Niki-Alleingeschäftsführer ist. Da geht es um 3 Mio. Euro Treibstoffersparnis ("wir fliegen langsamer"), Gebührennachlässe am Flughafen, aber auch millionenschwere Einsparungen bei Lieferanten wie beim Catering, und hier wieder vor allem mit dem traditionellen Bordverpfleger Do & Co. Mit dem Caterer ziehe man den aktuellen Sparkurs durch, man verstehe einander blind, es sei aber nichts sakrosankt, hieß es heute.