BP verfolgt andere Interessen

Öl fließt weiter

Ölpest kostet BP bisher eine Mrd. Dollar

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Die Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko kommt den britischen Energiekonzern BP immer teurer zu stehen. Die Kosten beliefen sich bisher auf etwa 990 Mio. Dollar (804 Mio. Euro) , teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird für den britischen Energiekonzern BP zunehmend auch wirtschaftlich zu einem Albtraum. Am Dienstag brach die Aktie des Unternehmens an der Londoner Börse um mehr als 15 Prozent ein. Die US-Behörden weiteten wegen des Ölteppichs das Fischfangverbot im Golf von Mexiko aus.

Leck nicht geschlossen

Hintergrund für den Aktieneinbruch von BP ist das Scheitern der Bemühungen am Wochenende, das Bohrloch in 1500 Metern Tiefe mit Schlamm und Zement zu versiegeln. Am Montag waren die Börsen in London und New York, wo die BP-Aktie notiert ist, wegen Feiertagen geschlossen gewesen, nun reagierten sie.

Die Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen täglich Millionen Liter Öl ins Meer. BP gab allein die bisher entstandenen Kosten am Dienstag mit rund 990 Mio. US-Dollar (814 Mio. Euro) an. Darin seien auch Kosten zur Eindämmung der Umweltschäden enthalten. Zu den zu erwartenden Gesamtkosten des Öldesasters äußerte sich das Unternehmen nicht. Bereits in den vergangenen Wochen war der Aktienkurs von BP stark gefallen.

Katastrophe Ende für BP?

Der Analyst Dougie Youngson von der Bank Arbuthnot sagte, dass die Ölkatastrophe das Ende für BP bedeuten könnte. "Es geht hier längst nicht mehr darum, ob BP-Chef Tony Hayward gefeuert wird oder ob die Aktionäre geringere Dividenden ausgezahlt bekommen. Das hat den Geruch des Todes." BP könnte möglicherweise bald Kandidat für eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen werden.

BP arbeitet derzeit an einem neuen Anlauf, den Ausfluss des Öls zumindest einzudämmen. Ferngesteuerte Roboter sollen unter Wasser die zerstörten Ölleitungen an dem Bohrloch entfernen und eine Kuppel über dem Loch installieren. Ein ähnlicher Versuch war zuvor aber gescheitert. Durch die Kuppel soll das austretende Öl abgepumpt werden. Erste Vorbereitungsarbeiten seien bereits am Laufen, teilte BP mit. Es wird aber erwartet, dass das Leck erst im August endgültig geschlossen werden kann, wenn Entlastungsbohrungen vorgenommen wurden.

Öffentliche Erklärung Obamas erwartet

Noch am Dienstag wollte US-Präsident Barack Obama mit den beiden Leitern einer Untersuchungskommission des Weißen Hauses zu der Ölkatastrophe zusammenkommen. Nach dem Treffen mit dem früheren Gouverneur von Florida, Bob Graham, und dem früheren Chef der US-Umweltschutzbehörde, William Reilly, wurde eine öffentliche Erklärung des Präsidenten erwartet.

Die US-Klima- und Ozeanbehörde (NOAA) weitete das Fischfangverbot im Golf von Mexiko um eine Fläche von 2.600 Quadratkilometer aus. Insgesamt gilt das Verbot damit in einem Gebiet von 160.200 Quadratkilometern. Das entspricht 25 Prozent des gesamten Golfes von Mexiko, das gesperrte Gebiet hat etwa die Größe von Tunesien.

Die Ölkatastrophe könnte auch zu einem Aussterben zahlreicher Fischarten führen. Forscher entdeckten im Golf von Mexiko riesige Ölschwaden unter der Wasseroberfläche. "Diese Schwaden machen den Fischen im Norden des Golfes das Überleben sehr schwierig", sagte Prosanta Chakrabarty von der Louisiana State University. "Es ist sehr gut möglich, dass wir Dutzende Fischarten verlieren werden."

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