Österreich holt sich 1,5 Mrd. Euro frisches Geld

Österreich hat am Dienstag erneut den Kapitalmarkt angezapft und zwei Bundesanleihen aufgestockt. Insgesamt 1,65 Mrd. Euro haben die Auktionen in die Staatskasse gespült, wobei sich der Staat 150 Mio. Euro einbehält. Die Republik zahlte mit 1,726 Prozent für eine zehnjährige Emission bzw. 2,648 Prozent für den Langläufer bis 2044 sehr niedrige Zinsen. Martha Oberndorfer, die Chefin der Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA, führt das auf die Italien-Wahl und die jüngste EU-Konjunkturprognose zurück.

Durch das politische Patt in Italien würden Anlagen mit höchster Bonität wieder besonders stark nachgefragt, so Oberndorfer zur APA. Profitiert hat Österreichs Schuldendienst auch von der am 22. Februar veröffentlichten Konjunkturprognose der EU-Kommission, die nicht die erhofften Wachstumsaussichten gebracht habe. "Das ist gut für die Rentenmärkte. Momentan werden vom Markt keine Zinsanstiege erwartet", erläuterte die ÖBFA-Chefin.

Die Rendite für die heute um 880 Mio. Euro aufgestockte zehnjährige 3,40%-Anleihe 2012-2022 kam fast an den niedrigsten Stand heran: Bei der Auktion im Dezember 2012 hatte die Rendite für diese Emission nur 1,706 Prozent betragen, nun 1,726 Prozent. Die Bundesanleihe wurde zuletzt im Februar um 500 Mio. Euro aufgestockt, mit einer durchschnittlich akzeptierten Rendite von 1,934 Prozent.

In den vergangenen Monaten habe es starke Zinsbewegungen gegeben, so Oberndorfer. Nach dem Tiefpunkt im Dezember seien Anstiege von bis zu 30 Basispunkte zu verzeichnen gewesen. "In der dritten Februarwoche war die Anleihe sogar kurzfristig über 2 Prozent."

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Bei der heute ebenfalls, und zwar um 770 Mio. Euro aufgestockten noch über 30 Jahre laufenden 3,15%-Anleihe 2012-2044 erreichte die Rendite ein All-Time-Low von 2,648 Prozent. Bei der Begebung im Juni 2012 war die Rendite bei 3,208 Prozent gelegen, bei der jüngsten Aufstockung im Oktober 2012 um 700 Mio. Euro bei 2,88 Prozent.

Österreich zählt wie Deutschland, Finnland und die Niederlande zu jenen Eurozonen-Mitgliedern, die fürs Schuldenmachen am wenigsten zahlen. Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise gibt es aber wieder einen Aufschlag gegenüber Deutschland, der nach wie vor besteht.

Bei der 2022er-Anleihe betrug der Zinsabstand zu Deutschland heute 32 Basispunkte, bei der 2044er-Emission 33 Basispunkte, sagte Oberndorfer. Dass der Spread praktisch gleich war, ist für die ÖBFA-Chefin ein positives Zeichen. "Das heißt, dass wir keine Kreditprämie zahlen - obwohl eine Emission über 20 Jahre länger läuft." Die Marktteilnehmer sähen also kein Kreditrisiko für Österreich in Relation zu Deutschland. Analysten betrachteten die österreichische Wirtschaft als sehr krisenresistent, auch der eingeschlagene Budgetkonsolidierungskurs werde positiv gesehen.

Mit den heutigen Aufstockungen hat die ÖBFA mehr als 20 Prozent des Finanzierungsprogramms für 2013 realisiert. Das Gros ging an ausländische Banken. Die nächste geplante Auktion findet am 9. April 2013 statt.

An die Begebung einer 70-jährigen Anleihe denkt die ÖBFA momentan übrigens nicht. Aufgrund einer Gesetzesänderung wäre das ja jetzt möglich, zuvor betrug die längste zulässige Laufzeit 50 Jahre. Oberndorfer: "Momentan ist keine in der Pipeline, wir haben jedoch schon Finanzierungen mit länger als 50 Jahren durchgeführt."