Thermische Verbesserungen zählen zu den Top-Maßnahmen

Österreich muss rasch energieeffizienter werden

Die EU-Richtlinie über Energieeffizienz und Energiedienstleistungen verlangt von Österreich bis 2016 eine Einsparung von 22,3 TWh. Das sind von 2008 bis 2016 kumuliert 9 % des österreichischen Endenergieverbrauches bei einer Fortsetzung von "business-as-usual" (Basis 2001 bis 2005). Das Energieinstitut der Johannes-Kepler-Uni in Linz hat sich in einer Studie das Potenzial und mögliche Strategien zur Erfüllung der Vorgaben angeschaut.

Grundlage für die Richtlinie sind nationale Energieeffizienz-Aktionspläne, die im Falle Österreichs 2006 vom Wirtschaftsministerium an die EU-Kommission übermittelt wurden. Der Entwurf enthält 378 Maßnahmen, die von der thermischen Sanierung über den Verkehr bis hin zur Industrie reichen. Insgesamt haben die Linzer 5 Szenarien durchgerechnet. Österreichs Effizienz-Potenziale liegen laut der Studie mit rund 35,3 TWh sogar um rund 50 % über dem Zielwert. Doch die Zeit drängt und Maßnahmen müssen rasch gesetzt werden.

Die 5 Szenarien reichen von der lediglichen Einführung von Mindeststandards über die reine monetäre Förderung bis hin zur Kombination von Förderung und Mindeststandards in unterschiedlichen Intensitäten. Angesichts der kurzen Zeit habe die Erfahrung aus der Vergangenheit gezeigt, dass das Ziel nur unter "Maximierung der Anstrengungen und mittels massiver förderpolitischer Instrumente zu realisieren ist", heißt es in einer Zusammenfassung der Studie.

Anrechnung früherer Maßnahmen möglich

Erleichtert könnte das Ganze dadurch werden, dass jedes Mitgliedsland bereits getätigte Verbesserungen der Energieeffizienz, die vor 2008 initiiert wurden, auf das Einsparziel anrechnen lassen könne. Österreich sei bezüglich dieser Early Actions/Savings wie etwa der Wohnbauförderung bereits massiv in Vorlage gegangen, meinen die Linzer Wissenschafter. Die Studienautoren sind daher der Meinung, Österreich sollte auf eine Anrechnung bestehen. Laut der Studie liegt das durch Early Actions eingesparte Energievolumen bei etwa 9,6 TWh.

Bis 2016 bewegen sich die Gesamtausgaben je nach Szenario zwischen 13,7 und 34,8 Mrd. Euro, die Einsparungen dadurch zwischen 10,6 und 26,2 TWh. Damit kostet jede nicht verbrauchte Kilowattstunde zwischen 126,3 und 143,4 Cent.

Für Österreich wird daher der kurze Zeitraum von 9 Jahren zur Umsetzung der Richtlinie egal bei welchem Szenario ein Minusgeschäft. Die Wissenschafter schreiben dazu: "Die erwarteten Ausgaben übersteigen dabei während der Richtlinienlaufzeit jeweils die erwartete Reduzierung der Energieausgaben. Dies zeigt primär, dass der kurze Horizont der Richtlinie zwar geeignet ist, um ein rasches Handeln der Mitgliedsstaaten zu forcieren, im Zusammenhang mit der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienz-Programmen jedoch zu kurz ist."

Lebensdauer der Maßnahmen betrachten

Ökonomisch würden sich die Maßnahmen erst später zu Buche schlagen. Man müsse sich dabei an einer betriebswirtschaftlichen Sichtweise orientieren. Die Kosten müssten auf die Lebensdauer der Energieeffizienz-Maßnahme verteilt gesehen werden und nicht bis hin zur Erfüllung der Richtlinie. Besonders bei Initiativen mit langer Lebensdauer haben die Wissenschafter häufig hohe Rentabilitäten festgestellt. Um das tatsächlich zu gewährleisten, müssen die Anstrengungen bis 2016 weiter intensiviert werden, mahnen die Wissenschafter mehr Tempo ein.

Je nach gewählter Energieeffizienz-Strategie würden staatliche Fördermittel in unterschiedlicher Höhe benötigt. Die Autoren gehen nicht davon aus, dass die Förderungen kostenneutral - also durch Umschichtung der Budgetmittel - finanziert werden können. Als eine Möglichkeit für die Förderungsfinanzierung bei gleichzeitigen synergetischen Effekten auf den Energieverbrauch wird die Besteuerung von Treibhausgasen gesehen. "In diesem Zusammenhang erscheint es essenziell, dass sowohl die wirtschaftlichen Effekte als auch die dadurch erzielbaren zusätzlichen Einsparungen vorab genau analysiert werden, um auch das ökomomisch beste System zu entwickeln", heißt es in der Studie.

Arbeitsmarkt könnte sich erholen

Zum Ziel (Erreichung der Richtlinien-Vorgabe 2016) würde aber jedes Szenario führen, ausgenommen Österreich konzentriere sich lediglich auf die Einführung von Mindeststandards. Die eingesparte Energiemenge liege dann bei 10,6 TWh. Selbst bei vollständiger Anrechnung der Early Actions/Savings (9,6 TWh) verfehle Österreich dann bis 2016 die angepeilten 22,3 TWh, rechnen die Forscher vor.

Ein positiver Nebeneffekt wird zudem sein, dass die Strategien "gesundend" auf den Arbeitsmarkt wirken, sind sich die Studienautoren sicher. Je nach Szenario könnte die Arbeitslosenquote bis 2016 um 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte unter das "business-as-usual"-Niveau gedrückt werden. Erklärt wird das damit, dass Investitionen in die Energieeffizienz überdurchschnittlich in arbeitsintensiven Branchen wirken.