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"Pille danach" ab sofort rezeptfrei

Die "Pille danach" ist ab sofort in Österreichs Apotheken rezeptfrei erhältlich. Der entsprechende Bescheid wurde vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen ausgestellt. Freigegeben wurde das Präparat "Vikela", das in Österreich derzeit noch von Gerot Pharmazeutika, ab 2010 von Sanova Pharma vertrieben wird.

Das Präparat zur Notfallverhütung wurde "für Frauen aller Altersgruppen rezeptfrei gestellt", hieß es im Ministerium. Der Beschluss erfolgte einstimmig nach Prüfung der vorliegenden Gutachten. Auch der Oberste Sanitätsrat hat kürzlich eine positive Empfehlung ausgesprochen. Es wurde nun doch nicht der Wirkstoff, sondern eine bestimmte Arzneispezialität freigegeben, was das Verfahren verkürzt hat. Dazu wurde ein mehrere Jahre alter Antrag herangezogen. Gesundheitsminister Stöger hat sich seit längerem für die Freigabe starkgemacht.

Artzbesuch empfohlen

Zeitgleich mit der Freigabe der Vikela 1,5-mg-Tablette (Wirkstoff Levonorgestrel) erhalten die Apotheken ein Info-Schreiben des Gesundheitsministeriums. Darin wird um Information der Patientinnen gebeten, unter anderem darüber, dass ein Notfallkontrazeptivum keinesfalls eine reguläre Verhütungsmethode ersetze. Auch eine Kontrolle durch einen Facharzt für Frauenheilkunde soll "nachdrücklich" empfohlen werden.

Zusätzlich sollen die Apotheker die Frauen darauf hinweisen, dass eine bestehende Schwangerschaft durch die Einnahme nicht abgebrochen werden kann und eine Verhinderung einer Schwangerschaft nicht in jedem Fall gegeben sei (besonders, wenn Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs besteht). Ein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten durch die Anwendung sei nicht gegeben, auch darüber soll informiert werden.

Die Freigabe von Vikela erfolgte aufgrund eines Antrags, den Gerot Pharmazeutika aus der Firmengruppe von Ex-Wirtschaftsminister Bartenstein vor einigen Jahren gestellt hat. Das Gesundheitsministerium fragte nun nach und bekam die Auskunft, dass dieser noch aufrecht sei, hieß es am Freitag. Unter ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat sei der Antrag aus politischen Gründen nicht weiter verfolgt worden, so eine Sprecherin Stögers.

Zuletzt hatte es noch geheißen, dass Stöger eine Freigabe des Wirkstoffs plane. Weder Sanova, die ab 2010 den Vertrieb des aus Frankreich stammenden Produkts von Gerot übernimmt, noch das Pharmaunternehmen Kwizda wollten sich nämlich um Befreiung für ihre Produkte mit identem Wirkstoff bemühen. Die Wirkstofffreigabe hätte länger gedauert, weil diese nur über den Weg einer Verordnung - samt Begutachtung - möglich gewesen wäre.

Stöger und Heinisch-Hosek zufrieden

Gesundheitsminister Stöger hat die Rezeptfreistellung der "Pille danach" als wichtiges frauenpolitisches Anliegen bezeichnet, "für das ich mich aus Überzeugung eingesetzt habe". In einer schriftlichen Stellungnahme betonte er: "Ich will gewährleisten, dass Frauen in Notsituationen das Medikament ohne zeitliche Verzögerung erhalten." Erfreut zeigte sich Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

Auch der Oberste Sanitätsrat hat sich laut Stöger bereits mehrmals positiv zu einer Rezeptbefreiung geäußert. Wichtig sei es zu betonen, dass dies keineswegs eine Routinemethode der Empfängnisverhütung sein könne. "Sie ist nur ein Mittel der Notfallkontrazeption und kann das Kondom, die herkömmliche 'Pille' oder andere geeignete Methoden zur Empfängnisverhütung nur im Notfall ergänzen", so der Minister. Um die Bewusstseinsbildung in diesem Sinne zu forcieren, werde es eine begleitende Informationskampagne geben.

Heinisch-Hosek betonte, dass Stöger "absolut im Sinne der Frauen" handle. Es werde eine langjährige Forderung von Frauenpolitikerinnen erfüllt. Es gehe darum, nach einer Verhütungspanne den betroffenen Frauen in einer Notsituation die geeignete medizinische Hilfe ohne zeitliche Hürden zur Verfügung zu stellen. "Mit der Rezeptfreistellung der 'Pille danach' hoffen wir einen Schritt zu setzen, damit es zukünftig zu weniger unerwünschten Schwangerschaften kommt", so die Ministerin.