Verbund-Chef Anzengruber lobt Italien-Engagement

Verbund-Beteiligung

Sorgenia auf Wachstumskurs in Italien

Gas, Wasserkraft, Wind und Solartechnologie: Überall, wo es um Energieerzeugung geht, ist die Verbund-Beteiligung Sorgenia in Italien dabei. Das erfolgreiche italo-österreichische Gemeinschaftsunternehmen, an dem der Verbund einen 45-prozentigen Anteil hält, setzt verstärkt auf Diversifizierung, um auf Italiens Strommarkt zu punkten.

Im Jänner wurde das Gaskraftwerk im süditalienischen Modugno, unweit der apulischen Hafenstadt Bari, ans Netz gebracht. Zwei weitere Anlagen folgen. Noch vor Ende dieses Jahres soll ein Gaskraftwerk im lombardischen Lodi in Betrieb gehen. 2011 wird eine weitere Anlage in Aprilia südlich von Rom fertig gestellt werden.

5.000 Megawatt als Ziel

"Mit Sorgenia wollen wir stark auf den Ausbau und die Optimierung unseres Kraftwerkportfolios setzen. Ziel ist, unsere installierte Kapazität auf 5.000 MW zu erhöhen, was wir voraussichtlich bis Mitte 2011 schaffen werden", so Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Sorgenia, der inzwischen zu Italiens fünftstärkstem Stromerzeuger aufgerückt ist, beschäftigt derzeit 369 Personen. Die Mitarbeiterzahl wächst mit den neuen Anlagen.

Als Erfolgsgeschichte bezeichnet Anzengruber das 1999 gegründete Joint Venture zwischen Verbund und der Mailänder Industriegruppe CIR rund um die Unternehmerfamilie De Benedetti. "Damals wurden die ersten Schritte auf dem liberalisierten Strommarkt unternommen. Italien ist für uns sehr interessant, denn es ist der viertgrößte Strommarkt Europas und stark von Stromimporten abhängig. Verbund hatte die Erfahrung im Bereich Energieerzeugung und CIR war als großes Industrieunternehmen, der richtige Partner mit den notwendigen Kenntnissen des italienischen Markts. Die Symbiose hat funktioniert", meint Anzengruber.

Das vor elf Jahren als Energia gegründete Joint Venture wurde 2006 in Sorgenia umgetauft. Die Umbenennung entsprach einer Wende in der Unternehmensstrategie, die jetzt mehr erneuerbare Energien ins Auge fasst. Vier Windparks wurden in den vergangenen Jahren in Italien errichtet. Sorgenia setzt außerdem stark auf die Sonnenenergie des Südens. 14 Solaranlagen sind in Süditalien, unter anderem auf Sardinien und Sizilien, in Betrieb.

Kundenzahl soll verdoppelt werden

Mit einer gezielten Marketingstrategie und einem effizienten Beratungsservice strebt Sorgenia der Erhöhung seiner Endkundenzahl an. "Derzeit haben wir 500.000 Kunden unter Vertrag. Dabei handelt es sich vor allem um KMU, aber auch um Privatkunden. Unser Ziel ist, auf 1 Mio. Kunden zu steigen. Das wollen wir mit Investitionen im Werbebereich, Marketing und gutem Service erreichen. Wir beraten die Kunden, wie sie Strom sparen können", erklärt Anzengruber.

Im Juni 2009 hat der Verbund seine Beteiligung an der italienischen Sorgenia-Gruppe durch eine weitere einseitige Kapitalzufuhr durch Umwandlung eines Convertible Bonds in Höhe von 150 Mio. Euro auf knapp 45 % erhöht. "Das ist unserer Ansicht nach ein vernünftiges Niveau. Damit ist unsere Partnerschaft mit CIR langfristig gut gesichert. Künftig wird Sorgenia in der Lage sein, nicht mehr nur durch Kapitalzufuhr Geld für Investitionen aufzutreiben, sondern auch auf dem Finanzmarkt Ressourcen zu finden", erklärt Anzengruber.

Als großer Energieerzeuger beobachtet Verbund aufmerksam die Debatte in Italien über die von der Regierung Berlusconi beschlossene Rückkehr zur Atomenergie, 23 Jahre nach einem Referendum, mit dem sich die Bevölkerung von der Kernkraftenergie abgewendet hatte. "Die Entscheidung, Atomkraft in Italien zu nutzen, ist eine rein politische Angelegenheit, wir können nur zusehen. Österreich hat sich vor 30 Jahren von der Atomenergie abgewendet. Österreich hat es aber einfacher als Italien, weil man hier über viele Wasserkraftwerke und andere Ressourcen verfügt, um den Strombedarf zu decken", erklärt Anzengruber.

Sorgenia wird die Jahresergebnisse 2009 im März veröffentlichen. Die schwere Wirtschaftskrise in Italien wirkt sich natürlich negativ auf den Strombedarf aus, die Entwicklung in den nächsten Monaten dieses Jahres ist noch ein großes Fragezeichen. "2010 wird sich kein nennenswertes Wachstum der Industrie einstellen. Mit wirklichem Aufschwung rechnen wir erst 2011", sagt Anzengruber.