TUI greift Hapag-Lloyd stärker unter die Arme

Der Touristikkonzern wandelt 2/3 seiner 1,5 Mrd.-Euro-Darlehen an die Reederei in Eigen- oder Hybridkapital.

Damit der Bund den Weg für die beantragte 1,2-Mrd.-Euro-Bürgschaft frei machte, erklärte sich TUI zudem zu weiteren Konzessionen bereit: Der Konzern gibt sich damit zufrieden, dass Hapag für die Dauer der Bürgschaftsgewährung keine Zinsen an TUI zahlt und akzeptiert eine Schlechterstellung der Hälfte der nach den Wandlungen verbleibenden Darlehen an die Reederei.

"Forderungsverzichte sind nicht ausgesprochen worden", betonte TUI am Donnerstag jedoch und stellte klar: "Der Touristikkonzern hat ausreichend finanzielle Ressourcen, um künftige finanzielle Verpflichtungen zu bedienen."

Die Hapag-Lloyd-Eigner - TUI hält 43 % Anteile, das Hamburger Konsortium Albert Ballin 57 Prozent - gewähren der durch den Einbruch des Welthandels in Schieflage geratenen Reederei eine Barkapitalerhöhung von zusammen 285 Mio. Euro, wovon 124 Mio. Euro auf TUI entfallen. TUI wandelt zudem Darlehen von 700 Mio. Euro in Hybrid-Kapital.

Davon hatte Reuters bereits Ende September erfahren, TUI lehnte damals eine Stellungnahme ab. Auch eine Kredittranche von 215 Mio. Euro wird in Hybrid-Kapital gewandelt - diese Summe war ursprünglich der TUI-Kaufpreisanteil für den geplanten Erwerb des Hapag-Anteils am Hamburger Container-Terminal CTA. Der Bund hatte aber darauf bestanden, dass Hapag-Lloyd seinen 25-prozentigen CTA-Anteil behält, damit die Reederei über mehr Sicherheiten verfügt.

TUI wandelt zudem eine 153-Mio.-Euro-Kredittranche in Hapag-Eigenkapital. Damit sich die Anteilsverhältnisse bei Hapag nicht verschieben, erwirbt das Hamburger Konsortium von TUI einen 200-Mio.-Euro-Kredit und wandelt ihn anschließend ebenfalls in Eigenkapital um. Mit der Wandlung von Krediten in Eigen- oder Hybridkapital sinkt die Verschuldung von Hapag, was sich positiv auf die Bonität auswirkt.

Das von TUI an Hapag gegebene Kreditvolumen schrumpft im Zuge dieser Maßnahmen auf gut 400 Mio. Euro. Davon werden knapp 230 Mio. Euro nachrangig gestellt - also im Fall einer Pleite später bedient. Von der zur Wandlung vorgesehenen 700-Mio.-Euro-Tranche kann TUI ab 2011 die Hälfte gegen Hapag-Anteile eintauschen. Dadurch würde sich der Anteil des Touristikkonzerns an der Reederei auf maximal 49,9 % erhöhen. Das Hamburger Konsortium hat für die im Zuge der Wandlung entstehenden Aktien ein sofortiges Ankaufsrecht.

Neben den Finanzhilfen seiner Eigner und der politisch umstrittenen Staatshilfe will Hapag-Lloyd auch mit Hilfe massiver Kostensenkungen wieder auf die Beine kommen. Auch Stellenstreichungen sind geplant. Hapag-Lloyd ist die größte deutsche Linienreederei und weltweit die Nummer fünf. Mit rund 7.200 Beschäftigten in der Schifffahrt betreibt Hapag-Lloyd eine Flotte von rund 130 Containerfrachtern in 130 Ländern.