Strom-Riese

Verbund-Results: Weniger Gewinn, höhere Dividende

Österreichs größter Strom-Konzern erzielte 2009 weniger Gewinn und Umsatz, zahlt seinen Aktionären aber für das abgelaufene Jahr dennoch eine höhere Dividende von 1,25 (1,05) Euro je Aktie. Das EBIT sank um 8,5 % auf 1,04 Mrd. Euro, das Konzernergebnis um 6,2 % auf 644,4 Mio. Euro. Der Umsatz ging um 7 % auf 3,5 Mrd. Euro zurück. 2009 hat man damit aber dennoch das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte nach dem Rekordergebnis 2008 erzielt. Für 2010 werden weniger Gewinn und eine geringere Dividende erwartet.

Auf Basis der weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen und wegen der realisierten signifikant tieferen Forward-Preise für Strom werde für das laufende Geschäftsjahr trotz Restrukturierungsmaßnahmen und reduziertem Investitionsprogramm ein "deutlich geringeres Operatives Ergebnis und Konzernergebnis sowie eine sinkende Dividende" erwartet.

Der Verbund wolle trotz der gesunkenen Ergebnisse 2009 das Vertrauen der Aktionäre stärken. Daher werde der Hauptversammlung eine Anhebung der Dividende - 1,00 Euro Basisdividende und 0,25 Euro/Aktie Sonderdividende - vorgeschlagen.

Die heute bekannt gegebenen Zahlen für das Geschäftsjahr 2009 lagen großteils etwas über den Erwartungen. Analysten hatten im Mittel mit einem Umsatz von 3,4 Mrd. Euro (-9,8 %), einem EBIT von 1,03 Mrd. Euro (-9,1 %) und einem Nettogewinn von 646,6 Mio. Euro (-5,9 %) gerechnet.

Deutlich mehr Strom aus Wasserkraft erzeugt

2009 hat der Verbund deutlich mehr Strom aus Wasserkraft und weniger aus kalorischen Kraftwerken erzeugt. Die überdurchschnittliche Wasserführung der Flüsse brachte einen Erzeugungskoeffizienten von 1,06, der um 6 % über dem vieljährigen Durchschnitt und um 5 % über dem Vorjahreswert lag. Ab September 2009 wirkte sich zusätzlich der Erwerb der bayerischen Inn-Kraftwerke positiv aus. Insgesamt stieg die Wasserkrafterzeugung des Verbund um 7,1 % auf 27.100 GWh .

Die thermische Erzeugung ging wegen der geringen Strompreise auf den Spotmärkten um 19 % auf 2.700 GWh zurück. Insgesamt stieg die Eigenerzeugung um 1.258 GWh bzw. 4,4 % auf fast 30.000 GWh (29.918 GWh). Durch den Kauf von 13 bayerischen Inn-Kraftwerken - die größte Akquisition in der Firmengeschichte - steigert der Verbund seine jährliche Stromerzeugung aus Wasserkraft um rund 1.850 GWh.

Strom-Großhandelspreise gesunken

Auf das Ergebnis drücken unter anderem die niedrigeren Strom-Großhandelspreise. Ein Gutteil der Verbund-Eigenerzeugung 2009 war aber bereits ein Jahr im Voraus zu noch deutlich höheren Strompreisen verkauft worden, die negativen Auswirkungen der schwachen kurzfristigen Strompreise konnten somit gedämpft werden. Der durchschnittlich erzielte Absatzpreis betrug im Vorjahr 61,3 Euro/MWh, 2008 waren es noch 63,3 Euro/MWh. Für das Jahr 2010 wurden per 31.12.2009 bisher 64 Prozent der Eigenerzeugung erheblich billiger zu einem Durchschnittspreis von 54,5 Euro/MWh verkauft.

Belastet wurde das Ergebnis 2009 durch bilanzielle Sondereffekte, die sich auf das operative Ergebnis zusammen mit rund 60 Mio. Euro und auf das Finanzergebnis mit rund 10 Mio. Euro negativ auswirkten. Die Einmaleffekte im operativen Ergebnis resultierten vor allem aus den neuen Netztarifen ab 2009 sowie Instandhaltungen und einer Abwertung der Kohlelagerbestände. Das Finanzergebnis war vor allem vom negativen Beteiligungsergebnis der französischen Poweo und Aufwendungen für Restrukturierungen im Beteiligungsbereich belastet.

Um ein Viertel mehr Endkunden

Um ein Viertel zugelegt hat der Verbund bei den Endkunden: Mit Ende 2009 belieferte der Verbund in Österreich 225.000 Endkunden, um 25 % mehr als 2008. In den nächsten 4-5 Jahren werden 500.000 Endkunden angestrebt. Langfristige Stromlieferverträge über 10 TWh zwischen 2010 und 2013 wurden mit EVN und Wien Energie abgeschlossen. Um 4 Jahre verlängert wurde der Liefervertrag mit den ÖBB über 4,4 TWh. Im Industriebereich hält der Verbund derzeit einen Marktanteil von 25 %. Bis 2015 werde der Verbund knapp 2 Mrd. Euro in Österreich investieren.

Bei seinem Investitionsprogramm von 2010 bis 2015 hat der Verbund 2009 auf die Wirtschaftskrise mit einer "markanten" Reduktion" um 900 Mio. auf 2,7 Mrd. Euro reagiert. Montenegro, Slowenien und Kroatien wurden gestrichen und auf "hold" gesetzt, auch wegen des dort ungünstigen regulatorischen Umfelds. Die Investitionen in den Ausbau der heimischen Wasserkraft und die Hochspannungsnetze sowie in die bestehenden Auslandsaktivitäten in der Türkei, in Italien und Frankreich werden aber weitergeführt.

1,9 Mrd Euro für Ausbau im Inland

Mit 1,9 Mrd. Euro will der Verbund bis 2015 den Großteil in Österreich investieren, in Speicher-, Lauf- und Gaskraftwerke sowie die Netze. Weitere 800 Mio. Euro sind fürs Ausland geplant: je rund 100 Mio. Euro für Poweo (Frankreich), Sorgenia (Italien), CEE und Renewables sowie 400 Mio. Euro bei Enerjisa (Türkei), wobei zusätzliche Eigenfinanzierungen der Joint-Ventures noch dazu kommen würden. Die 2009 operativ Verluste schreibende Poweo soll 2010 ausgeglichen sein und danach positive Ergebnisse abliefern.

Konzentrieren will sich der Verbund künftig auf den weiteren Ausbau und die Optimierung der Wasserkraft in Österreich und den internationalen Beteiligungen und die Ergänzung des Portfolios durch Gas- und Windkraft. Im Vorjahr stammten 91 % der Verbund-Produktion aus Wasserkraft. Mit seiner Erzeugung habe der Verbund für 40 % der im Inland verbrauchten Elektrizität gesorgt, so Konzernchef Wolfgang Anzengruber.

Die Industrie wurde zu 25 % versorgt, ein Niveau, das man halten wolle. Insgesamt bleibe der Fokus auf Österreich und Deutschland als den Kernmärkten sowie auf Frankreich, Italien und die Türkei gerichtet. Weiter stärken wolle man den Handel und Vertrieb, wobei der Verbund in rund 20 Ländern Handelsaktivitäten setzt. Zudem wende man sich innovativen Anwendungen wie E-Mobilität und Energiemanagement zu.

Seine in Österreich installierte Leistung will der Verbund in den kommenden Jahren um 1.800 MW (1,8 TW) steigern. Davon entfallen 480 MW auf das Pumpspeicherwerk Limberg II (Kaprun) sowie das Gas-Kraftwerk Mellach bei Graz mit 832 MW (beide 2011 in Betrieb) sowie Reißeck II mit 430 MW bis 2015, wobei hier der Baubeschluss in den kommenden Wochen gefällt werden soll. Der kommende Nationale Gewässerplan (NGP) könnte in Österreich (nicht nur für den Verbund) das Wasserkraft-Potenzial um 1,5 % vermindern, so Anzengruber. In der Türkei und Italien sollen bereits heuer mehr als 1.800 MW in Betrieb gehen, weitere Erzeugungsanlagen in Albanien (Ashta) und Italien bis 2012.

Türkei: Kauf weiterer Netze, Kraftwerke möglich

Um in der Türkei schneller die geplanten Erzeugungsziele von 10 % Marktanteil (ebensoviel wie in Italien) zu erreichen, kann sich Anzengruber auch den Kauf bestehender Kraftwerke vorstellen: "Das prüfen wir." Danach könnte man in der Türkei bei weiteren zum Kauf stehenden Verteilnetzbetreibern mitbieten, um wiederum zusätzliche Endkunden beliefern zu können. Derzeit versorgt der Verbund (via Baskent) rund 3 Mio. Kunden im Raum Ankara. Im Enerjisa-JV mit Sabanci will man in den kommenden Jahren auf 5.000 MW Erzeugungskapazität kommen, 2011 werde man bei der Hälfte stehen. Sorgenia in Italien zählt mehr als 500.000 Kunden, bei Poweo sind es über 370.000.

Im Inland kommt der Verbund mit einigen Ausbauplänen nur stockend voran. So hakt etwa der 380-kV-Lückenschluss zwischen Salzburg und Kaprun an der noch offenen Trassenfrage. "Das ist ein schwieriges Unterfangen, wie alle Infrastrukturprojekte in Österreich", räumt Anzengruber ein. Derzeit verhandelt man mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden zur Trasse, noch einige Wochen lang. Danach sollte eine einreichfähige Trasse vorliegen, hofft der Verbund-Chef. Auf Eis ist derzeit auch das projektierte Gas- und Dampfkraftwerk Klagenfurt: "Wir warten auf einen Bescheid im Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren."

Cross Border ausgestanden

Von seinen Cross-Border-Leasing-Verträgen (für gut ein Dutzend Kraftwerke) hat der Verbund im Vorjahr 77 % erfolgreich vorzeitig auflösen können und damit einen positiven Effekt von 19,6 Mio. Euro für das Konzernergebnis erzielt. Dieses Leasing-Thema sei für den Verbund damit ausgestanden, erklärte Anzengruber.

Anzengruber, seit Anfang 2009 neuer Vorstandschef, hat im Vorjahr nicht die höchsten Bezüge der Chefetage aufgewiesen, da er noch nicht von variablen Vergütungen profitieren konnte. Er musste sich daher laut Geschäftsbericht mit 601.815 Euro Brutto-Fixbezug begnügen. Johann Sereinig erhielt mit insgesamt 961.972 Euro am meisten (572.069 Euro fix plus 389.903 Euro variabel). Die anderen beiden Vorstände erhielten je gut 580.000 Euro: Ulrike Baumgartner-Gabitzer in Summe 580.941 (395.198 fix plus 185.744) und Christian Kern 585.698 (399.955 fix plus ebenfalls 185.744) Euro. Insgesamt waren die Vorstandsbezüge der Verbund mit 2,73 Mio. Euro im Jahr 2009 niedriger als 2008 mit zusammen 3,33 Mio. Euro.