Fed-Chef Bernanke hält an Nullzins fest

Trotz des absehbaren Endes des Rezession wird es laut US-Notenbank-Chef Bernanke vorerst keine Abkehr von der Nullzinspolitik geben. "Der Offenmarktausschuss der Fed ist der Meinung, dass die ultralockere Geldpolitik noch für eine längere Zeit angemessen sein wird", sagte Bernanke vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des US-Kongresses.

Die Fed sei aber für einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik gerüstet, wenn die Zeit dafür gekommen sei. Sie werde sicherstellen, dass die expansive Geldpolitik "rechtzeitig und reibungslos" zurückgefahren werde, versicherte der Notenbankchef.

Die vom Markt trotz der etwas besseren Wirtschaftsaussichten als trübe eingeschätzte Konjunkturprognose von Bernanke hat die US-Börsen am Dienstag belastet. Die Wall Street drehte nach Bekanntwerden der Rede ins Minus.

Besorgt über die Entwicklung am Arbeitsmarkt

Eineinhalb Jahre nach Beginn der schwersten Rezession seit Jahrzehnten sieht Bernanke die US-Wirtschaft am Weg der Besserung. Mit Sorge blickt er auf den schwachen Arbeitsmarkt. Der Konjunkturabschwung habe sich allem Anschein nach "erheblich verlangsamt", während es bei Nachfrage und Produktion "vorsichtige Zeichen der Stabilisierung" gebe, erklärte Bernanke am Dienstag. Er räumte jedoch ein, dass sich die Lage auf dem Jobmarkt nach wie vor verschlechtere und die Arbeitslosenquote steige.

Mehr Staatsanleihen weiterhin eine Option

Trotz verbesserter Konjunkturaussichten bleibt auch eine Verlängerung des milliardenschweren Ankaufprogramms für Staatsanleihen auf der Tagesordnung der US-Notenbank. Ob das Programm über September hinaus verlängert wird, müsse der Offenmarktausschuss der Notenbank klären, sagte Bernanke. Wie aus den Protokollen der Fed-Zinssitzung vom Juni hervorgeht, hatten die Notenbanker bereits im vorigen Monat über eine Ausweitung beraten. Aufgrund von Zweifeln, wie weitere Schritte an den Märkten aufgefasst worden wären, entschieden sie sich jedoch dagegen. Eine Ausweitung der Programme hätte weitere Milliardensummen auf die Bilanz der Fed geladen und Spekulationen auf einen kräftigen Anstieg der Teuerung auf mittlere Sicht Nahrung gegeben.

Der Leitzins werde angesichts des Zustandes der Wirtschaft für "längere Zeit" voraussichtlich "außergewöhnlich niedrig" bleiben, erklärte Bernanke. In den vergangenen Monaten habe es jedoch "bemerkenswerte Verbesserungen" gegeben: Risikoaufschläge in Kreditmärkten und die Risikoscheu der Investoren seien geringer geworden. Für nächstes Jahr erwarte die Zentralbank eine "schrittweise Erholung", die sich 2011 dann beschleunige, sagte der Fed-Chef. Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit sei gegen Ende des Jahres zu erwarten.

Strategie für Zeit danach

Die Banken können sich seit Monaten fast zum Nulltarif bei der Fed mit Geld eindecken. Die Fed will mit der Politik des billigen Geldes die Konjunktur ankurbeln. Allerdings steigt damit auch die Inflationsgefahr, zumal die Notenbank mehr als eine Billion Dollar in den Geldkreislauf gepumpt hat - die Maßnahmen im Kampf gegen die Krise könnten aber "sanft und zeitgerecht" zurückgefahren werden. Die US-Notenbank rechnet damit, dass es wirtschaftlich in der zweiten Jahreshälfte in den USA allmählich wieder aufwärts gehen wird. Das BIP wird der Fed-Prognose zufolge 2009 ingesamt um ein bis 1,5 Prozent schrumpfen. Erst 2010 soll die US-Wirtschaft dann wieder kräftig wachsen - zwischen 2,1 und 3,3 Prozent.

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