Weniger Personalabbau in Österreich als in CEE

Geschäftsklima in CEE hellt sich weiter auf

Das Geschäftsklima in Mittel-Osteuropa hat sich seit Sommer weiter verbessert. Die rund 400 Unternehmen, die von Österreich aus ihre insgesamt 1.400 Unternehmensbeteiligungen in 19 Ländern der Region steuern, haben im Oktober ihre Geschäftserwartungen weiter nach oben geschraubt, wie aus einer Umfrage hervorgeht, die Thomson Reuters und OeKB vierteljährlich durchführen.

Der errechnete Geschäftsklima-Indikator ist von Juli bis Oktober um 17 Prozentpunkte auf einen Saldenwert (positive abzüglich negativer Stellungnahmen) von +10 gestiegen. Er liegt damit erstmals seit 1 Jahr wieder im positiven Bereich.

Das deutlich aufgehellte Geschäftsklima sei in erster Linie auf optimistischere Erwartungen für den künftigen Geschäftsverlauf der Beteiligungen vor Ort zurückzuführen, erklärten die Studienautoren. Der diesbezügliche Indikator hat sich gegenüber Juli 2009 per Saldo um 26 Prozentpunkte auf einen Wert von +23 verbessert.

Konkret wird für 33 % der Betriebe von einer besseren Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten ausgegangen, für 10 % der Niederlassungen wird mit einer schlechteren Performance gerechnet. Im Juli lagen die positiven Geschäftserwartungen noch bei einem Anteil von 18 %, die negativen bei 21 %.

Auch bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage zeichnet sich zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung im Jänner 2007 ein leichter Aufwärtstrend ab. Obwohl die negativen Meldungen zur Ist-Situation der Betriebe die positiven geringfügig übersteigen, ist der Indikator seit der letzten Erhebung um 7 Prozentpunkte gestiegen.

Nach Ansicht der befragten Direktinvestoren hat die Wirtschafts-und Finanzkrise in Mittelosteuropa ihren Tiefpunkt bereits zum Jahresanfang 2009 erreicht: Im Jänner rutschten die zukunftsgerichteten Indikatoren weit in den negativen Bereich. Nun befinden sie sich jedoch wieder im Aufwärtstrend. Im Jänner fielen der Konjunkturindikator bzw. der Indikator der Geschäftserwartungen auf einen Tiefstwert von -59 bzw. -32 Prozentpunkten. Seither hat sich die Stimmung der Direktinvestoren gedreht und kontinuierlich verbessert, sodass die entsprechenden Indikatoren im Oktober per Saldo wieder positive Werte von 18 bzw. 23 Prozentpunkten aufweisen.

"Die Direktinvestoren signalisierten zu einem sehr frühen Zeitpunkt, dass die Talsohle in Mittelosteuropa erreicht ist", erklärte OeKB-Direktorin Angele Eickhoff. "Es zeichnet sich eine Trendwende ab, selbst wenn aus heutiger Sicht noch nicht klar ist, wie nachhaltig diese sein wird."

Bulgarien hängt Rumänien ab

Im Ländervergleich sind besonders die Ergebnisse für Bulgarien und Rumänien bemerkenswert: Während die Direktinvestoren die aktuelle Geschäftslage ihrer Niederlassungen in den beiden Ländern als etwa gleich schwierig beurteilen, erwarten sie für Bulgarien eine deutliche bessere Geschäftsentwicklung als beim großen Nachbarn.

So liegt für Bulgarien der Anteil der optimistischen Stellungnahmen zur Geschäftsentwicklung im nächsten halben Jahr bei 44 % (in keinem anderen Land ist dieser Wert derartig hoch), der Anteil der negativen Meldungen beträgt 8 %. Bei Rumänien wird zwar für 30 % der Betriebe eine positive Geschäftsentwicklung erwartet, für 14 % der Niederlassungen sind die Aussichten jedoch negativ. Auch bei den Konjunkturerwartungen sind die Direktinvestoren gegenüber Bulgarien deutlich optimistischer eingestellt als gegenüber Rumänien, was nach Ansicht der Studienautoren von Thomson Reuters und OeKB auch auf die derzeitige politische Zerrissenheit des Landes zurückgeführt werden kann.

Obwohl Ungarn und die Ukraine erneut die Schlusslichter im Geschäftsklima-Länderranking bilden, zeichnet sich in Ungarn eine vergleichsweise stärkere Aufhellung des Geschäftsklimas ab. Der diesbezügliche Saldenwert hat sich zwischen Juli und Oktober um 23 Prozentpunkte verbessert.

Zum Vergleich: In der Ukraine ist der Saldenwert nur um 6 Prozentpunkte gestiegen. Zurückzuführen ist diese positive Tendenz in Ungarn hauptsächlich auf optimistischere Geschäftserwartungen. Der entsprechende Saldo liegt erstmals seit Juli 2008 wieder im positiven Bereich. Auch bei den Konjunkturerwartungen für die kommenden 12 Monate übersteigen die positiven Stellungnahmen (26 %) die negativen (24 %).

Nach Branchen betrachtet ist die Entwicklung beim Geschäftsklima-Indikator nur im Bauwesen negativ: Im Vergleich zum Juli ist der Indikator für die aktuelle Geschäftslage auf einen neuen Tiefstwert von -21 Prozentpunkten zurückgegangen. Konkret wird für 38 % der dortigen Niederlassungen in dieser Branche eine negative Performance gemeldet. Dementsprechend verhalten sind die Direktinvestoren aus dem Bauwesen auch bei ihren Investitionsstrategien: 81 % der bestehenden Standorte sollen unverändert beibehalten und nur 11 % vergrößert werden. Darüber hinaus ist kein einziges Projekt zur Erschließung neuer Märkte in Mittel- und Osteuropa geplant.