Wirtschaftskriminalität v.a. durch Mitarbeiter

Fast 90 Prozent der Diebstähle, Veruntreuungen, Geldwäsche und Bilanzfälschungen gehen auf das Konto eines Mitarbeiters aus der eigenen Firma. Zumeist stammen die Täter aus dem oberen Management, erläuterte Dieter Stangl-Krieder, Senior Manager im KPMG Forensic-Team, Dienstagabend bei einem Vortrag in Wien.

"Wenn einer kriminelle Handlungen setzen will, wird er es schaffen - verhindert werden kann das ohnehin nicht", ergänzte Peter Ertl, Leiter des KPMG Risk Advisory Service-Bereichs. Bei mehr als einem Drittel der bisher 380 bearbeiteten Fälle seien die kriminellen Mitarbeiter seit mindestens drei Jahren in der Firma beschäftigt und würden daher Gelegenheiten und schwächelnde Kontrollmechanismen kennen.

Um "forensische Aktivitäten" künftig dennoch unterbinden zu können, rät Stangl-Krieder Unternehmern zu "angemessenen Vorsichtsmaßnahmen", konkret zur Verbesserung der internen Überwachungssysteme, zur Durchführung von Workshops zur Sensibilisierung gegen Wirtschaftskriminalität sowie zur Installation von Einwurfboxen für anonyme Hinweise der Kollegen.

So genannte "Whistleblower", Personen, die kriminelle Machenschaften ihrer Firma oder Kollegen preisgeben, genießen im angloamerikanischen Raum neben der Anerkennung auch gesetzlichen Schutz. Ein entsprechendes Gesetz für Kontinentaleuropa gibt es laut Stangl-Krieder aber noch nicht. Immerhin könne fast die Hälfte aller Delikte durch diese Hinweisgebersysteme und Überwachungstätigkeiten verfolgt und aufgeklärt werden.