Ständige Angst

Katerina Jacob (67): Das ewige Zittern vor dem Krebs-Rückfall

Seit ihrer Krebsdiagnose ist nichts mehr so, wie es einmal war. Jacob erzählt von dem ewigen Damoklesschwert, das über ihr schwebt. 

Die Diagnose Krebs markiert eine Zäsur, nach der nichts mehr ist, wie es davor war. Diese schmerzliche Erfahrung teilt auch Katerina Jacob. Die 67-jährige Schauspielerin, die dem Publikum nicht zuletzt durch Produktionen wie „Anna und ihr Untermieter“ ans Herz gewachsen ist, lebt seither in einem Zustand permanenter Vigilanz. Obschon die akute Behandlungsphase hinter ihr liegt, kennt die Seele keine Entwarnung.

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Die Nacht vor der Gewissheit

Jede klinische Nachuntersuchung gerät für Jacob zur psychischen Zerreißprobe. Die Hoffnung auf ein dauerhaftes Ende der Krankheit kämpft stets gegen die Urangst vor einem Rezidiv an. Über die schlaflosen Stunden vor dem Termin sagt sie: „Nein, das ist jedes Mal schlimm. In der Nacht davor kannst du kaum schlafen. Die Gedanken schwirren dir durch den Kopf. Du hoffst und bangst gleichzeitig. Was wird die morgige Untersuchung bringen? Ist der Krebs ausgezogen? Schlummert er still in einer Ecke oder ist er wieder da? Dabei fühlt man sich gut, gesund. Trotzdem ist sie da, diese Unsicherheit. Ständig tastet man sich ab: Ist da nicht doch ein kleiner Knoten?“

Die Konfrontation in der Ordination

Der Gang zum Arzt lindert die Beklommenheit keineswegs. In den Wartezimmern und Gängen der Kliniken werde die Vergänglichkeit schlagartig präsent. Vor gut drei Jahren wurde Jacob mit einer besonders tückischen Variante der Krankheit konfrontiert – dem sogenannten „Chamäleon-Krebs“. Über die Belastung während der Diagnostik äußert sie sich pointiert: „Nein, da wirst du mit allen Formen dieser schrecklichen Krankheit konfrontiert. Vor über drei Jahren hat mir mein Arzt betroffen mitgeteilt, dass ich eine der aggressivsten Krebsformen habe: Triple negativ, auch Chamäleon-Krebs genannt, da er sich im Körper versteckt und schwer aufzufinden ist. Er kann jederzeit und überall aufploppen. Jede Mammografie, jedes MRT und jeder PET-Scan bedeuten Schweißausbrüche, bis der Arzt sagt: ‚Alles o. k.!‘“

 


 

Eine späte Versöhnung mit dem Ich

Inmitten dieses kräftezehrenden Kampfes vollzog sich jedoch eine bemerkenswerte Metamorphose in Jacobs Selbstbild. Wo früher Selbstkritik herrschte, ist heute eine tiefe Hochachtung vor der eigenen Resilienz getreten. Die Schauspielerin hat mit ihrem Körper, der die Strapazen der modernen Onkologie bewältigen musste, Frieden geschlossen und widmet ihm eine „Liebeserklärung“: „Er ist zu meinem Freund geworden, zu meinem zuverlässigen Partner, der mich durch die Chemotherapie begleitet und die Bestrahlung ertragen hat. Er ist robust, widerstands- und leidensfähig. Früher mochte ich ihn nicht. Doch der Krebs hat mir das Wunder meines Körpers gezeigt.“

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