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Verurteilung im Sex-Prozess

Gina-Lisa: "Es ist der Horror für mich"

Gina-Lisa Lohfink kündigt bereits Berufung gegen knallhartes Urteil vom Montag an.

Ihre Stimme ist brüchig, zittrig. Immer wieder bricht sie ab, schaut zu Boden. Wenige Stunden vor dem Interview hat das Berliner Amtsgericht das 29-jährige Model wegen falscher Verdächtigungen schuldig gesprochen und zu einer Strafzahlung von 20.000 Euro verurteilt. Jetzt sitzt ­Gina-Lisa Lohfink im deutschen Frühstücksfernsehen und erklärt: „Ich habe nicht gelogen. Für mich ist das der Horror schlechthin.“

Staatsanwältin: "Sie hat Ermittler in die Irre geführt!"

Rückblick: Im Juni 2012 hat Lohfink Sex mit zwei Männern. Später erklärt sie: Es geschah wider Willen. Sogar von K.-o.-Tropfen ist die Rede. Was folgt, ist ein vierjähriger Rechtsstreit, bei dem Staatsanwältin Corinna Gögge die ehemalige Germany’s next Topmodel-Kandidatin knallhart der Lüge bezichtigt. „Frau Lohfink ist nicht Opfer einer Sexualstraftat geworden. Sie hat gelogen und Ermittler bewusst in die Irre geführt“, so Gögge. Und: Die Richterin gab Gögge schließlich recht.

Anwalt: "Das Urteil hat sie sehr, sehr mitgenommen"

Im Gespräch mit ÖSTERREICH erklärt Lohfinks Anwalt Burkhard Benecken: „Dieses Urteil hat meine Mandantin sehr, sehr mitgenommen, aber es kam für uns nicht überraschend: Die Richterin war von Anfang an ganz klar gegen uns.“ Benecken ist sicher: „Alles, was wir an Beweisen rausgearbeitet haben, wurde nicht berücksichtigt.“ Eben diese will er vor einem anderen Gericht in einem Berufungs-Verfahren noch einmal verhandeln.

Unterstützung bekommt Lohfink dabei unter anderem von Deutschlands berühmtester Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Die Journalistin nannte das Urteil einen „Skandal“ und befürchtet, dass künftig noch weniger Frauen sexuelle Übergriffe melden werden.

Gina-Lisa: "Warum sollte ich lügen?"

Im Sat.1-Frühstücksfernsehen sprach Lohfink erstmals über die Verurteilung.

  • Lohfink über den Lügen-Vorwurf: „Nein, ich habe nicht gelogen. Für mich ist das jetzt der Horror schlechthin. Was soll ich davon haben? Warum soll ich so etwas erzählen? Was habe ich davon? Ich habe kein Motiv.“

  • … über die Vorwürfe der Staatsanwältin: „Die Frau kennt mich überhaupt nicht, ich finde es ganz schlimm, wie diese Frau über mich redet.“

  • … über den Gutachter, der K.-o.-Tropfen ausschloss: „Ich finde es traurig, dass der Gutachter so schlecht ausgesagt hat für mich. Er war an dem Abend ja gar nicht dabei, er hat ja nicht in meinem Körper gesteckt.“

  • über ihren Zustand: „Das Verfahren raubt sehr viel Kraft, es geht an die Psyche, an den Körper. Das macht einen fix und fertig. Ich weiß nicht, ob ich das noch mal auf mich nehmen würde.“

Frauenrechtlerin schlägt Alarm: "Lohfink-Urteil ist Skandal"

Alice Schwarzer befürchtet, dass nun noch weniger Übergriffe angezeigt werden.

„Nur jede zwölfte Vergewaltigung wird in Deutschland angezeigt, nur jede hundertste führt zu einer Verurteilung“, erklärt Deutschlands berühmteste Frauenrechtlerin Alice Schwarzer im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Es ist zu befürchten, dass es nach dem Berliner Urteil noch weniger sein werden.“

Brutal

„Wie auch immer man diese auf Video dokumentierten Stunden interpretieren mag – unübersehbar ist, dass die beiden Männer extrem brutal und verächtlich mit der Frau umgegangen sind“, so Schwarzer. „Dass Gina-Lisa das Geschehen als ‚Sex gegen ihren Willen‘ empfindet, ist verständlich. Die Frau dafür zu 20.000 Euro wegen ‚Falschbeschuldigung‘ zu verurteilen, ist ein Skandal.“