Ernst Fuchs

Trauer um Malerfürst

Fuchs: Abschied von einem Kunstwerk

Ernst Fuchs war Genie, Malerfürst, Philosoph und Vater.

Er starb, wie er es sich immer gewünscht hatte. Umgeben von seiner riesigen Familie ist Ernst Fuchs mit 85 Jahren friedlich eingeschlafen. In dieser Nacht starb nicht nur ein bedeutender österreichischer Künstler, sondern ein grandioses Kunstwerk. Denn der „Malerfürst“ Fuchs war immer ein Gesamtkunstwerk.

Geboren 1930 als Sohn eines jüdischen Altwarentandlers, der aus Wien vertrieben wurde, als Ernst gerade mal acht war. Nach dem überlebten Krieg mit 15 als Wunderkind an der Akademie gefeiert, mit 19 die erste Ausstellung in Paris, wusste er sehr schnell, wohin er wollte.

Meister der Selbstinszenierung
Maler zu sein war Fuchs immer zu wenig. Er sah sich als Bildhauer, Bühnenbildner, Architekt, Komponist, Dichter und Philosoph. Mit der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ schuf er gemeinsam mit seinem Lebensfreund Arik Brauer, Anton Lehmden oder Wolfgang Hutter eine künstlerische Trademark.

Liebling der Society
Und er war ein Mann der Gesellschaft. Er inszenierte sich mit selbst entworfenem Käppi und güldenem Rolls-Royce und umgab sich mit den Reichen und Schönen. Freilich nicht mit den Taras und Merzas seiner Zeit, sondern mit Größen wie Sammy Davis Jr., Curd Jürgens oder seinem Mentor Salvador Dalí – aber auch dem umstrittenen Hitler-Bildhauer Arno Breker, dem er – obwohl selbst unter den Nazis verfolgt – immer Freund blieb.

„Er war vielleicht der Letzte, der einen so eindrucksvollen internationalen Freundeskreis aufgebaut und gepflegt hat“, erinnert sich Sohn Tillmann.

Familienvater
Das Kunstwerk Fuchs wird komplettiert durch seine Rolle als „pater familias“. 16 Kinder mit drei Ehefrauen und vier Geliebten – auch das ist gewaltig für ein Menschenleben. Zuletzt war sein Privat­leben in den Schlagzeilen gewesen: seine Scheidung von Langzeit-Ehefrau Eva und seine Verlobung mit Uta Saabel, zu der die Großfamilie ein distanziertes Verhältnis pflegt. Beim Begräbnis am 25. November in Wien Hütteldorf werden dennoch alle versammelt sein.

Tillmann Fuchs über seinen Vater

ÖSTERREICH: Was hat Ihnen Ihr Vater bedeutet?
Tillmann Fuchs: Er war nicht nur der genialste Vater, er war auch mein bester Freund – und mein bester Lehrer. Ich hab alles von ihm gelernt. Mir ist aber auch wichtig, dass er vielleicht der Letzte war, der einen so ­großen internationalen Freundeskreis aufgebaut und gepflegt hat. An der Spitze Salvador Dalí, den er in Paris kennengelernt hat und der sein Mentor wurde. Aber auch Künstler wie Curd Jürgens, Dave Brubeck oder Yoko Ono und Donna Summer.

ÖSTERREICH: Was wird von ihm bleiben?
Fuchs: Er hat nicht nur ein unglaublich reiches Werk hinterlassen und sehr viele Menschen inspiriert. Er hat auch große Verdienste um die Wiederentdeckung von Otto Wagner. Er hat die völlig verfallene Villa in Hütteldorf gekauft, ein Vermögen in die Wiederherstellung investiert und Österreich so wieder auf das großartige Schaffen Wagners aufmerksam gemacht. In dieser Zeit hat man ja in Wien sogar die herrlichen Stadtbahn-Stationen verfallen lassen.

ÖSTERREICH: Hat es Ihren Vater geärgert, dass ihn die Kritik oft anders gesehen hat als sein Publikum und er zeitweise aus der Mode war?
Fuchs:
Mein Vater ist immer über diesen Dingen gestanden. Von 1945 an, als es nach der Nazi-Zeit nur abstrakte Kunst geben durfte, bis heute. Er hat sich immer als Publikumsliebling gesehen. Auch Mozart, dessen Zauberflöte ja ebenfalls gnadenlos verrissen wurde, hat sich nicht um seine Kritiker gekümmert.