Paddy Kelly

Neue Richtung

Paddy Kelly macht jetzt Jesus-Pop

Nach Auszeit im Kloster veröffentlicht er sein neues Album "Human".

Sie waren im deutschsprachigen Raum eines der großen Pop-Phänomene der 1990er-Jahre. Man liebte sie, oder man hasste sie - dazwischen gab es nichts. Mit langen Haaren, wallenden Gewändern und einer Mischung aus Folk- und Pop-Musik begeisterte die Kelly Family Millionen Fans und verkaufte ebenso viele Platten mit Liedern wie "An Angel" oder "I Can't Help Myself".

Immer ganz vorne dabei: Sänger und Teenie-Schwarm Paddy Kelly, der kaum einen Schritt tun konnte, ohne dass ein junges Mädchen irgendwo anfing, zu kreischen. Als er nur zehn Tage alt war, hatte seine musikalische Großfamilie, die es von Straßenmusikern in die großen Stadien schaffte, ihn zum ersten Mal mit auf die Bühne genommen.

Auszeit im Kloster
"Ein normales Leben war das nicht", sagt Paddy Kelly, der sich heute, im Alter von 37 Jahren, bei seinem vollen Namen, Michael-Patrick nennt, im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. Weil er von diesem Leben eine Auszeit brauchte, ging er ins Kloster und verbrachte dort sechs Jahre. "Die Auszeit war zwar sehr wichtig, aber ich habe am Ende meiner Klosterzeit gemerkt, dass sie ein Kapitel in meinem Leben, aber nicht meine Berufung war", sagt er. "Meine Berufung ist die Musik."

Und weil das so ist, hat Kelly jetzt ein neues Album produziert, das am Freitag (15. Mai) auf den Markt kommt. "Human" (Sony Music) heißt es gleichzeitig tiefgründig und global - menschlich. Die Kelly-Family-Wurzeln sind zwar noch zu erkennen, seine Musik ist aber heute das, was man wohl reifer nennt. Ein bisschen Folk, ein bisschen Pop, ein bisschen Rock - aber durchaus zeitgemäß. "Das klingt nicht nach 90ern", sagt Kelly, der inzwischen verheiratet ist und in Niederbayern auf dem Land wohnt, und hat damit Recht.

"Christliche Popmusik"
"Alles, was ich von der Kindheit an bis heute erlebt habe, ist natürlich Teil von mir - Teil meiner Humanität - und darum heißt auch das Album 'Human'", erklärt er. "Ich glaube, es repräsentiert meine Vergangenheit und zeigt aber vor allem wer ich heute bin und was Menschlichkeit für mich bedeutet." Kelly macht heute etwas, was in der Werbung für seine Platte als "Christliche Popmusik" beschrieben wird. "Ich kann meinen Glauben auch nicht einfach irgendwo parken", sagt Kelly. Der sei nämlich bei ihm "kein Hobby oder so ein Sonntagsding", sondern das Zentrum seines Lebens.

Und so singt er in der ersten Single-Auskopplung "Shake Away" von selbst auferlegten Ketten und hat sich von den Flüchtlingsdramen unserer Zeit zu dem Song "Out Of Touch" inspirieren lassen. In "Flag" geht es darum, dass das Individuum immer wichtiger sein sollte als eine Nation. "Politik gehört wohl auch zum Menschsein", sagte Kelly. "Ich behaupte natürlich nicht, in meinen Songs die perfekten Antworten auf die Probleme der Welt zu haben."

Keine Kelly Family-Reunion
Eine Wiedervereinigung der Kelly Family in voller Besetzung strebt er indes nicht an. "Es gibt immer wieder Gespräche darüber, aber es gibt keine konkreten Pläne", sagte Kelly, der immer noch mit seinen Geschwistern "befreundet" sei. "Es tut unseren Beziehungen aber auch sehr gut, dass jeder seinen eigenen Weg geht und wir eine gewisse Distanz zueinander haben. Wir begegnen uns heute wohl eher als Geschwister und nicht mehr als Geschäftspartner."