330.000 bei der "Langen Nacht der Kirchen"

3.250 Veranstaltungen

330.000 bei der "Langen Nacht der Kirchen"

Weihbischof Krätzl: Kirche "unbestechlicher Anwalt für Asylanten, Menschen anderer Sprache, Hautfarbe, anderer Veranlagung".

Knapp 330.000 Menschen haben am Freitag laut Veranstalter die Lange Nacht der Kirchen besucht, das sind 10.000 mehr als im vergangenen Jahr. 739 Gotteshäuser in ganz Österreich hatten zu 3.250 Veranstaltungen geladen, auch "heiße Eisen" wurden dabei nicht ausgespart. Ein Höhepunkt am Rande der Veranstaltung war ein Balanceakt auf einem Hochseil auf dem Wiener Stephansdom durch den "Slackliner" Christian Waldner.

Die Eröffnungsfeier, bei der Vertreter aller christlichen Kirchen in Österreich teilnahmen, hatte in der Lutherischen Stadtkirche im ersten Wiener Bezirk stattgefunden. Der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl rief dabei in seiner Predigt zu mehr Mut in der Ökumene auf. Zugleich wies er alle Ansichten zurück, welche die Kirchen "in die Hinterzimmer verbannen wollen". Der Glaube verpflichte die Christen dazu, sich in der Gesellschaft zu engagieren.

Wörtlich sagte Weihbischof Krätzl: "Kirche darf keine Parteipolitik treiben. Und im politischen Diskurs darf sie sich nicht durch Macht durchzusetzen versuchen, sondern nur durch die Kraft des Argumentes." Aber schon das Zweite Vatikanische Konzil habe die Verpflichtung des Christen betont, als Bürger beider Gemeinwesen, der Kirche und der Gesellschaft, "sich aus dem Glauben heraus für diese einzusetzen".

Gerade auch in der "Langen Nacht" dürfe nicht auf jene vergessen werden, die am Rand der Gesellschaft stehen, bezog sich Krätzl auch auf das Thema Asyl, das auch aufgrund der Besetzung der Votivkirche bei der Langen Nacht thematisiert wurde. "Asylanten, Menschen anderer Sprache, Hautfarbe, anderer Veranlagung. Kirche soll für sie nicht nur räumliches Asyl sein, sondern im Geiste Jesu Christ ihr unbestechlicher Anwalt sein", so der Weihbischof.

Dem Thema Asyl widmeten sich gleich mehrere Veranstaltungen: So wurde im Club Stephansplatz nach der Aufführung eines Dokumentarfilms der Umgang mit Flüchtlingen bei einer Podiumsdiskussion beleuchtet. Auch in der Votivkirche, die wochenlang von Asylwerbern okkupiert war, wurde das Thema Nächstenliebe beleuchtet. Ein weiteres "heißes Eisen" - spätestens seit dem gescheiterten Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien - wurde im Wiener Priesterseminar in der Strudlhofgasse angegriffen: Dort erörterten Astronomen und Theologen die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Religion. In der Justizanstalt Wien-Simmering wurde der Schwerpunkt auf das Thema Gefangenen-Seelsorge gelegt, im erzbischöflichen Palais gab es Einblicke in die Arbeit der Stabsstelle für Missbrauchs- und Gewaltprävention.

Der Balanceakt durch den "Slackliner" Christian Waldner war eigentlich kein offizieller Programmpunkt der Langen Nacht der Kirchen, sondern gehörte ins Rahmenprogramm des Steffl-Kirtags. Für die Hunderten Schaulustigen machte dies jedoch keinen Unterschied, ganze zehn Minuten dauerte der Drahtseilakt.



Im kommenden Jahr findet die Lange Nacht der Kirchen am 23. Mai statt.

Diashow: Slackliner läuft über Steffl

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