AUA-Maschine Tirana

Chronik

AUA-Raub war Mafia-Coup

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Ein Täter tot, vier verhaftet – wo aber sind die 10 Mio., die beim Coup geraubt wurden?

Tirana. Die bewaffnete Mafia-Bande wusste genau Bescheid, dass mit der AUA-Maschine 0S 848 am Dienstag rund zehn Millionen (Euro und Dollar) in bar von Tirana (Albanien) nach Wien geflogen werden. Das Geld stammt von Banken wie Raiffeisen, die in Albanien Filialen betreiben. Der Airbus sollte um 15.05 Uhr abheben, es lief gerade das Boarding, die Turbinen rauschten, die letzten Gepäckstücke wurden via Rollband in den Frachtraum der Maschine gebracht.

Blitzschnell. Da stürmte die fünfköpfige Bande: maskiert, getarnt als Zollfahnder, mit Kalaschnikows und Handgranaten bewaffnet. Sie zwangen die Fahrer eines Geldtransporters, ihnen die Säcke mit Bargeld auszuhändigen.

Chef der Bande bei Feuergefecht mit Polizei getötet 

Getroffen. Der Coup dauerte nur wenige Augenblicke, dann rasten sie wieder davon. Die Polizei nahm die Verfolgung auf, feuerte auf die Flüchtenden. Ein Täter wurde getroffen, tödlich verletzt: Der Sterbende wurde nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt von den übrigen Tätern aus dem Wagen geworfen. Er wurde als Admir Murataj identifiziert, ein Berufsverbrecher, der Kopf der Bande (siehe Kasten rechts). Es gibt aber auch Gerüchte, dass Murataj von seinen Komplizen erschossen wurde, weil er als Einziger bei dem Coup keine Maske getragen hat.

Raiffeisen: "Es wurde auch Geld von uns gestohlen"

Komplizen. Noch in der Nacht wurden von der albanischen Polizei vier weitere Komplizen verhaftet. Ob sie direkt am Überfall beteiligt waren oder die entscheidenden Hinweise auf den Bargeld-Transport geliefert haben, blieb vorerst offen. Die Säcke mit der Bargeld-Beute sind verschwunden.

Cash-Flüge. Das Geld stammt von Banken, die in Albanien Filialen betreiben, darunter auch Raiffeisen. Raiffeisen-Sprecherin Ingrid Krenn-Ditz gegenüber ÖSTERREICH: „Es wurde auch Geld von uns gestohlen. Das ist bedauerlich, aber letztendlich ein Versicherungsfall, der vom Transportunternehmen getragen werden wird.“ Über die Summe schweigt sie: „Wie viel es war, kann ich nicht sagen, auch nicht, wie groß der Anteil am gestohlenen Geld war, der Raiffeisen gehörte.“Hotspot.

Austrian Airlines sagte gestern, dass man bis auf Weiteres „Werttransporte aus Tirana“ nicht mehr übernehmen werde. Bargeldflüge sind nichts Ungewöhnliches. Aus weiter entfernteren Destinationen ist für Banken ein bewachter Banknoten-Transport im Bauch von Jets billiger als ein Panzerwagen-Transport über Land – gerade für Banken mit Auslandsnetz, in denen viel Bargeld durch Umtausch anfällt. Flughäfen, an denen solche Wertguttransporte abgewickelt werden, müssen aber für diese Art sensibler Lieferungen zertifiziert und speziell gesichert sein. Tirana hatte dieses Zertifikat.

Die Strafakte: Kopf der Bande floh aus dem Häfen

Am Mittwochmorgen bestellte die albanische Polizei seine Frau ins Leichenschauhaus: Die bestätigte die Identität des getöteten Räubers. Admir Murataj war Protagonist von fünf weiteren Raubzügen zwischen 2015 und 2017 gegen Geldtransporte zu Flughäfen. Seit zwei Jahren galt er als gesuchte Person.

Seine Fingerabdrücke wurden mit Daten der griechischen Verbrecherkartei verglichen und ergaben einen Treffer. Die Behörden im Nachbarland kannten ihn auch schon: Er musste sich dort schon 2013 wegen Raub und Mord verantworten. Mit zehn anderen floh er aus einem Gefängnis in der Stadt Trikala.

(wek, baa) 
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