Während der Corona-Jahre stieg der Methan-Gehalt in der Atmosphäre massiv an, obwohl das öffentliche Leben stillstand. Forscher haben nun herausgefunden, warum dieses Klima-Rätsel entstanden ist.
Die Corona-Pandemie hat das Leben in Österreich und weltweit radikal verändert. Weniger Autos waren auf den Straßen unterwegs, Flugzeuge blieben am Boden und viele Fabriken stellten ihren Betrieb ein. Das sorgte zwar für einen Rückgang von Schadstoffen wie Stickstoffdioxid, doch beim Methan (CH4) beobachteten Wissenschaftler am Höhepunkt der Pandemie das genaue Gegenteil: Die Zunahme beschleunigte sich extrem.
Die Chemie der Atmosphäre
Zwischen 2020 und 2022 stiegen die globalen Konzentrationen so schnell wie nie zuvor. Ein internationales Forscher-Team hat den Auslöser nun rekonstruiert. „Die Ergebnisse deuten auf eine starke und vorübergehende Veränderung der Atmosphärenchemie als Hauptursache für den Methananstieg hin“, erklärt Philippe Ciais vom französischen Labor für Klima- und Umweltwissenschaften (LSCE). Er ist der Hauptautor der Studie, die am Donnerstag, 5. Februar 2026, in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurde.
Fehlendes Reinigungsmittel der Luft
Im Zentrum der Entdeckung stehen die sogenannten Hydroxyl-Radikale (OH). Diese Moleküle wirken wie ein „Reinigungsmittel“ der Atmosphäre, da sie Methan normalerweise abbauen. Durch die Lockdowns ging jedoch der Ausstoß jener Bestandteile zurück, die für die Bildung dieser Radikale notwendig sind. In der Folge konnte die Atmosphäre deutlich weniger Methan neutralisieren, was zu einer ungewöhnlichen Anreicherung führte. Laut der Studie lassen sich dadurch rund 80 Prozent des Anstiegs erklären.
Fokus auf feuchte Gebiete
Die Forscher stellten zudem fest, dass fossile Brennstoffe und Waldbrände eine eher untergeordnete Rolle spielten. Stattdessen deuten isotopische Fingerabdrücke darauf hin, dass mikrobielle Quellen wie Feuchtgebiete, Binnengewässer und die Landwirtschaft die dominierenden Faktoren waren. Die Weltraum-Agentur ESA betont in diesem Zusammenhang, dass Emissionen aus Feuchtgebieten bisher unterschätzt wurden. Um solche Lücken in den Modellen zu schließen, sei künftig eine bessere Überwachung dieser Ökosysteme durch Satelliten notwendig.