FALL DER WOCHE
Horror-Eltern ließen Tochter (7) fast verhungern
Tirol. Es gibt Geschichten, die mag man als Journalist gar nicht schreiben, vor allem wenn es um Kinder geht, die sich nicht wehren können, die ihren Eltern vertrauen und alles erdulden müssen, weil sie nicht wegkönnen, auskommen und die Hölle als Normalität kennen, in der sie zugrunde gehen - wie etwa der kleine Elias (3) aus Ebbs, der im Gegensatz zu seinen Schwestern, die beim Mäci vollgestopft wurden, nichts mehr zu essen bekam, weil die Mutter und bald auch der Vater (beide 27) dachten, der Bub sei ein Dämon, der für alles Üble in deren Leben verantwortlich und nur durch Nahrungsentzug zu bekämpfen sei. Am Ende wog er nur noch vier Kilo (das ist das Gewicht eines vier Monate alten Säuglings), bestand nur noch aus Haut und Knochen und hatte ein Greisengesicht. Die Eltern erhielten beide lebenslang.
Der aktuelle Fall um ein Mädchen, das fast verhungert ist und völlig verwahrlost gewesen sein soll, trägt sich ebenfalls in Tirol zu und noch mehr als bei Elias fragen sich alle, wie es möglich sein kann, dass in einem kleinen Ort am Arlberg mit knapp über 1.000 Einwohnern keiner etwas mitbekommen hat, dass bei der Tochter eines durch und durch integrierten einheimischen Tirolers, den jeder kennt und der sogar bei der örtlichen Musikkapelle spielt, eine seltene Hauskrankheit durch Nichtbehandlung völlig eskaliert, dass schwer zwischen völliger Verwahrlosung und Symptomen zu unterscheiden ist und die am Ende - unklar ist, ob sie nichts zu essen bekam oder sie Nahrung verweigerte - nur noch 14 Kilo (statt 19 bis 30, wie es in ihrem Alter üblich wäre) wog. Viel zu spät suchten die Eltern mit dem Mädchen die Hausärztin auf, die die kleine Patientin entweder zum ersten Mal sah oder bisher vor der schrecklichen Entwicklung, die das Mädchen nahm, die Augen verschloss - und riet den Eltern, mit dem schockierend geschwächten Kind nach Innsbruck ins Krankenhaus zu fahren. Das war am 28. April.
Eltern drohen langjährige Haftstrafen - zweites Kind abgenommen
Der Zustand des Kindes war laut Polizei, die vom Spital informiert sofort mit den Ermittlungen begann, lebensbedrohlich. Weil von Anfang an der Verdacht bestand, dass die Eltern (beide Mitte bis Ende 30) ihre Fürsorgepflicht über einen längeren Zeitraum gröblich vernachlässigt und es insbesondere unterlassen haben, rechtzeitig die gebotene medizinische Versorgung ihres Kindes zu gewährleisten, was auch im Fall von Unterlassung schwerer Körperverletzung gleicht und langjährige Haftstrafen nach sich ziehen kann, nahmen die Beschuldigten zunächst einmal Reißaus.
Zwei Wochen lang waren die beiden Oberländer aus dem Bezirk Landeck für die Behörden danach nicht erreichbar, woraufhin die Staatsanwaltschaft Innsbruck deren Festnahme anordnete. Die Festnahme erfolgte schließlich am vergangenen Montag sowie am 12.Mai, nachdem sich zuerst die Mutter und dann der Vater der Polizei stellten. Sie wurden in die Justizanstalt eingeliefert und ein Antrag auf Verhängung der Untersuchungshaft wurde gestellt, dem schließlich auch stattgegeben wurde. Ihr zweites Kind, ein Bub unter 5, wurde auf behördliche Anordnung abgenommen und fremduntergebracht - während sich weiter alle fragen, wie ein kleiner Ort und der Kreis der erweiterten Familie das alles übersehen haben können. Eine erste und einzige Erklärung: Das Mädchen ging nicht zur Schule und wurde daheim unterrichtet. Doch dass niemals eine Verwandtschaft vorbeikam und ihnen wirklich nichts auffiel, ist wirklich schwer zu glauben.
Laut ORF Tirol war die Kinder- und Jugendhilfe war jedenfalls mehrfach mit der betroffenen Familie in Kontakt. Das bestätigte man auf Anfrage beim Land Tirol. Wann die letzte stattfand und warum der Zustand des Mädchens niemandem auffiel, darauf gab es keine Antwort. Der mittlerweile übliche vorgeschobene Grund: Datenschutz und Persnönlichkeitsrechte.
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