Amoklauf-Drohungen im Netz nehmen zu. Vier Worte wie „Komme nicht, mache Amoklauf“ reichen, um Evakuierungen und bewaffnete Großeinsätze auszulösen.
„Komme nicht, mache Amoklauf", sind die Worte die alles auf einen Schlag verändern können. Um die schnellstmögliche Einzuschätzung, wie ernst solch eine Drohung zu nehmen ist, kümmert sich etwa die Spezialeinheit der Landespolizeidirektion Wien.
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„Wir wollen verstehen, was hinter einer Drohung steckt – nicht nur reagieren“, sagt Sonvilla im Interview mit der „Kleinen Zeitung“. Er leitet die Spezialeinheit in solch brenzligen Situationen.
Laut Sonvilla sind in Wien sieben Prozent aller Drohungen echte Hochrisikofälle. Von 93 Prozent geht keine akute Gefährdung aus. Genau hier setzt das sechsköpfige Spezialteam des Bedrohungsmanagements an.
So läuft die Gefahrenerkennung
Während klassische Polizeiarbeit auf Ermittlung und Strafverfolgung ausgerichtet ist, verfolgt das Bedrohungsmanagement einen anderen Ansatz. „Wir sind Polizei, haben aber einen anderen Blickwinkel auf konkrete Drohungen oder bedrohliches Verhalten einer Person.“
Sobald in Wien Drohungen auftauchen, wird Sonvillas Team eingeschaltet. „Unsere Aufgabe ist es, die Lage einzuschätzen, eine Gefahrenprognose zu erstellen und konkrete Handlungsempfehlungen zu geben“, erklärt er. „Androhung und die tatsächliche Gefährlichkeit dahinter sind selten ident.“
Für die Einschätzung werden mehrere Faktoren analysiert: Ist das Szenario plausibel? Gibt es sogenannte „Drohverstärker“ wie übersteigerte Dramatisierung?
In enger Abstimmung mit der betroffenen Einrichtung werde die Situation bewertet. Oft seien präventive Maßnahmen möglich, ohne einen öffentlichen Großeinsatz auszulösen.
Beispiel aus dem Schulalltag
Ein Schüler hatte in einem Chat geschrieben: „Komme nicht, mache Amoklauf.“ Sein Motiv: Er fühlte sich von Mitschülern ausgeschlossen und suchte Anerkennung. Einen konkreten Tatplan gab es nicht. Es folgte eine Nachbetreuung durch das Team sowie durch Schulpsychologen.
Im schulischen Umfeld stammen Drohungen nahezu immer von Schülern oder ehemaligen Schülern. Die Motive reichen von Jux über Rache nach Mobbingerfahrungen bis zu Leistungsdruck. Das Einstiegsalter ist gesunken – erste Vorfälle treten bereits bei Zwölfjährigen auf.
Bei Erwachsenen, die häufig Behörden drohen, stehen laut Sonvilla Gefühle von Ohnmacht und Kränkung im Vordergrund. Rund 30 Prozent der Drohenden zeigen psychische Auffälligkeiten. Die große Mehrheit ist männlich.