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Teil 2 der Serie

Natascha Kampusch: "Ich lebe zwischen den Zeiten"

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Zehn Jahre danach: Natascha Kampuschs neues Leben auf dem Weg zum Bestseller.

Seit vergangenen Freitag ist 10 Jahre Freiheit, das neue Buch von Entführungsopfer Natascha Kampusch, im Handel. Auf 240 Seiten (List-Verlag, 19,99 Euro) beschreibt die 28-Jährige das Jahrzehnt seit ihrer Selbstbefreiung aus dem Keller-Verlies ihres Kidnappers Wolfgang Priklopil († 44). Kampusch gibt viel von sich preis. Im ersten Teil der ÖSTERREICH-Serie schilderte sie die Anfeindungen, die ihr häufig zuteil wurden. „Dann spuckten manche Leute vor mir aus“, schreibt sie in dem Buch. Und sie sei öffentlich als Schlampe bezeichnet worden.

Inzwischen ist ein gutes Stück Normalität in das ­Leben der Frau zurückgekehrt, die 3.096 Tage gefangen gehalten wurde und vor zehn Jahren flüchten konnte. Das Verhältnis zu den Eltern hat sich verbessert, vor allem das einst ­zerrüttete zum Vater. Und Natascha Kampusch hat sich einen Freundeskreis aufgebaut.

Natascha über ihren 
neuen Bekanntenkreis

„Die letzten Erinnerungen an Freundschaften stammten aus meiner ­Kindheit, obwohl ich da eher ein Außenseiter war und nicht der Klassenclown, um den sich alle scharten. Wieder Vertrauen zu fassen war ein Prozess, der lange gedauert hat. Wenn ich Menschen kennenlernte, ging das ­selten auf eine neutrale, unvoreingenommene Weise. Andere Leute können auf einer Party ganz normal von ihrem Leben erzählen, einen Schwank hier, eine kurze Anekdote da. Anfangs empfand ich das als Manko, dass ich außer dieser speziellen Geschichte wenig beitragen konnte.

Ich habe Freunde gefunden, die mich nicht nur als Produkt des Täters oder der Jahre in Gefangenschaft ­sehen, sondern versuchen, mich mit all meinen Widersprüchlichkeiten wahrzunehmen. Inzwischen bereitet es mir sehr viel Spaß, Freunde zu Hause zu bekochen, gemeinsam zu essen und noch ein paar Stunden gemütlich um den Tisch ­herum zu sitzen.“

Freunde: "Du bist
 wie meine Oma"

„Im Freundeskreis werde ich manchmal hochgenommen wegen meiner häus­lichen Qualitäten. Wenn ich Weihnachten tagelang Plätzchen backe, heißt es schon einmal: ‚Du bist wie meine Oma.‘ Und genau wie Oma kenne ich viele Hausmittelchen. Das wirkt vielleicht ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, aber so fühle ich mich hin und wieder auch. Weder jung noch alt, ich hänge wischen den Zeiten.“

Kampusch über 
ihr Seelenleben

„Ich bin nicht bereit, jeden Winkel meines Innersten nach außen zu kehren. Es trüge weder zur Aufklärung des Falles bei, der aufgeklärt ist, auch wenn gewisse Kreise das immer noch nicht akzeptieren wollen. Es trüge auch nichts zum Strafmaß des Täters bei, der sich durch seinen Freitod der Bestrafung entzogen hat. Es diente ausschließlich einer seltsamen Gier …“

 

Video zum Thema: Natascha Kampusch: Ihr Leben 10 Jahre danach
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