Josef Grünwidl hat am Samstag das Amt des 33. Erzbischofs von Wien übernommen.
Die Weihe und die anschließende Amtseinführung haben im Wiener Stephansdom stattgefunden. Geleitet wurde die Zeremonie bis zur Weihe von Grünwidls Vorgänger, Kardinal Christoph Schönborn. Rund 3.000 Menschen hatten sich dazu im Dom eingefunden, darunter Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) sowie Vertreter anderer Religionsgemeinschaften.
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Schönborn war vor der Weihe durch alle anwesenden Bischöfe auf Grünwidls anfängliche Skepsis gegenüber der Berufung eingegangen. "Verfügbar bist du jetzt und stehst du hier", zitierte der Kardinal den neuen Erzbischof, der nach dessen Ernennung durch Papst Leo XIV. dann doch gemeint hatte, Gott wolle ihn nicht perfekt, sondern verfügbar. Auch Ratschläge hatte der Kardinal bereit, etwa: "Höre auf die Menschen, die dir die unangenehmen Nachrichten geben. Nichts ist gefährlicher, als wenn dem Chef nur mehr gute Nachrichten gegeben werden dürfen." Auch ein "hörendes Herz für die sogenannten einfachen Menschen" sei wichtig.
Bescheidenheit als Merkmal
Nicht nur der Besucherandrang, auch die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Stephansdom und in der Kirche waren enorm. Grünwidl ging zu Fuß vom Erzbischöflichen Palais, wo er ein Gebet sprach, in den Dom. Begleitet wurde er von zwei Priestern, zu denen er einen persönlichen Bezug hat. Vor Beginn des Gottesdienstes läuteten die Glocken in der gesamten Erzdiözese zehn Minuten lang. Auch während der Weihe-Zeremonie läutete die "Pummerin", die Glocke des Stephansdom.
Als Erzbischof will sich Grünwidl bescheiden geben: Entgegen der Tradition begann die Feier nicht gleich am Altar, sondern beim Taufbecken. Bei den Insignien hat sich der neue Erzbischof für jenen Holzstab entschieden, den bereits der verstorbene Weihbischof Helmut Krätzl getragen hatte. Zudem trägt Grünwidl einen lediglich versilberten Konzilsring. Zudem will er gleich in den ersten Tagen einen Gottesdienst mit den armen Menschen abhalten, dessen Ort geheim bleiben soll.
Schwierige Suche
Grünwidl leitet die Erzdiözese Wien bereits seit einem Jahr. Am 22. Jänner des Vorjahres wurde der damalige Bischofsvikar nach dem Rücktritt Schönborns vom Vatikan zum Apostolischen Administrator ernannt, nachdem sich die Suche für einen Nachfolger schwierig gestaltete. Im Oktober erfolgte dann die Ernennung Grünwidls als Erzbischof. Der 62-Jährige wurde von Schönborn gemeinsam mit Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg, und Stanislav Přibyl, Bischof der tschechischen Diözese Leitmeritz/Litoměřice, zum Bischof geweiht.
Der gebürtige Weinviertler hat neben Theologie auch Orgel als Konzertfach studiert. Seit seiner Priesterweihe im Jahr 1988 war er in mehreren Pfarren in Niederösterreich aktiv. Auch wegen seiner Teilnahme an der Rom-kritischen Pfarrer-Initiative um Helmut Schüller gilt Grünwidl als vergleichsweise progressiv in der römisch-katholischen Kirche: Das Zölibat sollte seiner Meinung nach eine "freie Entscheidung" sein und er befürwortet eine Diskussion über Diakoninnen. Ob Grünwidl wie Schönborn und dessen Amtsvorgänger auch zum Kardinal ernannt wird und damit ein Stimmrecht bei der Wahl des nächsten Papstes bekommt, ist noch offen.
Grußworte der Landeshauptfrau Mikl-Leitner (ÖVP)
In Ihren Grußworten hielt Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner (ÖVP) fest: "Der christliche Glaube ist für uns keine Folklore und kein Relikt der Vergangenheit, sondern unser Kompass und unsere Richtschnur – wenn wir Verantwortung übernehmen für unsere Familien und Kinder, für die Schwächsten in unserer Gesellschaft und für ein solidarisches Miteinander.“ Und: "Ich wünsche dir für diese große Aufgabe und Verantwortung viel Kraft und den Mut immer nahe bei den Sorgen und Ängsten der Menschen zu sein."
Grußworte Bürgermeister Ludwig (SPÖ)
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig bezog sich in seinen Worten auf die Bibelstelle "Die Stillung des Sturms‘, in der Jesus die verängstigten Menschen beruhigt und den Sturmwind zum Verebben bringt. "Daraus können wir lernen, dass wir nicht furchtsam sein sollen, sondern die großen Herausforderungen unserer Zeit – nach dem Vorbild Jesu – souverän meistern müssen.“
Bürgermeister Ludwig habe Josef Grünwidl "im Rahmen unserer bisherigen Zusammenarbeit als klugen, besonnenen und weltoffenen Seelsorger kennengelernt“ und er blickte mit Freude auf die zukünftige Zusammenarbeit: "Gemeinsam werden wir den einen oder anderen 'Sturm' – nach dem Vorbild der Bibelstelle - mit kühlem Kopf zu 'stillen' wissen.“
Dankesworte Erzbischof Grünwidl: Gottes Melodie im eigenen Leben zum Klingen bringen
In seinen Worten am Ende des Gottesdienstes sprach Josef Grünwidl seinen großen Dank allen Mitfeiernden, besonders seiner Familie, den Vertreterinnen und Vertretern der anderen Religionsgemeinschaften und des öffentlichen Lebens aus. Auch bei Papst Leo bedankte sich Josef Grünwidl für die Ernennung.
Grünwidl zitierte den heiligen Augustinus, der ihm Mut mache: „‘Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ!‘"
Seinen Dienst als Erzbischof sehe Grünwidl darin „Gottes Melodie, die Partitur des Evangeliums, im eigenen Leben und in vielen anderen Menschen zum Klingen bringen, und zwar inspiriert und begeistert durch unseren Dirigenten den Heiligen Geist.“
Diese Melodie soll im „unerschütterlichen Vertrauen" verankert sein: „Schon bevor ich an Gott glaube, glaubt Gott an mich! Denn der Grundton des Christentums, auf dem alles andere aufbaut, lautet: Mensch, Welt, Schöpfung - du bist von Gott geliebt!"
Grünwidl betonte: „Jede und jeder Einzelne ist ein tragender, wichtiger Ton, und gemeinsam bringen wir die Melodie Gottes, sein Liebeslied, sein Protestlied und sein österliches Hoffnungslied zum Klingen.“
Erzbischof Grünwidls Schlussworte vor dem Segen
Für Lacher sorgte der neue Erzbischof vor dem Segen: „Wir haben heute alle in Österreich ein bewegendes Erlebnis mitfeiern dürfen, das sogar international Beachtung gefunden hat. Ich meine natürlich die Abfahrt in Kitzbühel, die Streif. Und da ist es ja darum gegangen: Wer ist der Schnellste? Wer ist der Erste? Und wer steht am Schluss auf dem Stockerl? Ich stehe hier jetzt auch auf einem Podest. Aber deshalb bin ich nicht der Wichtigste in der Erzdiözese Wien. Denn in der Kirche geht es nicht darum, wer vorne steht und oben steht, sondern es geht darum, wer groß ist in der Liebe."