Mehrfach vorbestraft

Russe drückte zwei Mal ab: Verhinderte Ladehemmung Mord?

Am Landesgericht Salzburg muss sich seit Dienstag ein 28-jähriger Russe wegen versuchten Mordes verantworten. 

Der Mann soll bei einer Auseinandersetzung zweimal versucht haben, mit einer Pistole auf einen Kontrahenten zu schießen. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass sich nur wegen einer Ladehemmung beide Male kein Schuss löste. Der Angeklagte bestreitet das. Er habe nicht abgedrückt, zudem sei die Pistole gesichert gewesen. Im Prozess wurde er vom Opfer entlastet.

Die Hintergründe der Tat blieben im Prozess dubios. Der 27-jährige Syrer und der Angeklagte kannten einander nicht. Am Abend des 21. März 2025 begleitete der Russe zwei junge Frauen und einen Freund zur Wohnung des Syrers - offenbar auf Wunsch einer der Frauen, die wegen eines mutmaßlichen Drogengeschäfts Streit mit dem Mann gehabt haben soll.

Waffe soll bei Streit zwei Mal versagt haben

Vor Ort warfen die Frauen Steine gegen die Fensterscheibe. Als der Syrer herauskam und eine der Frauen beschimpfte, schlug der Russe zu, repetierte die Pistole und hielt sie dem Mann aus zehn Zentimetern Entfernung an den Kopf. Das Opfer flüchtete ins Stiegenhaus, kehrte mit einem Freund zurück und verfolgte die Gruppe - unter anderem mit einem Besenstiel. An einer Kreuzung zog der Russe erneut die Waffe, lud sie durch und zielte aus drei bis vier Metern Entfernung auf den Syrer. Wieder löste sich kein Schuss, sagte die Staatsanwältin. In beiden Fällen sei das Auswurffenster der Waffe von einer Patrone blockiert worden, weshalb die Pistole nicht feuerte.

Der Angeklagte - er befindet sich seit bald einem Jahr in U-Haft - beteuerte, nicht abgedrückt zu haben. "Ich wollte niemandem das Leben nehmen. Tausendprozentig." Er habe lediglich helfen und den Mann einschüchtern wollen. Die Waffe sei gesichert gewesen, zudem habe er den Finger über den Auswurf für die Hülse gelegt. "Weil die Pistole dann klemmt." Hätte sein Kontrahent gedacht, "ich will ihn ermorden, wäre er mir sicher nicht nachgelaufen."

Opfer überrascht mit Aussage

"Ich weiß nicht, ob er abgedrückt hat. Alles ging so schnell", sagte der Syrer im Prozess. Das kam für Staatsanwaltschaft und Richter überraschend. Denn in einer Einvernahme soll der Mann noch ausgesagt haben, er habe in beiden Fällen ein "Klicken" der Waffe vernommen. Das stellte er heute in Abrede. Weil alle geschrien hätten, sei es damals sehr laut gewesen. "Ich habe nie gesagt, dass er abgedrückt hat." Nach dem Vorfall habe er unter Schock gestanden und sich von der Polizei unter Druck gesetzt gefühlt.

"Hat sie jemand unter Druck gesetzt, dass Sie etwas Bestimmtes aussagen?", will die besitzende Richterin wissen. Was der 27-Jährige verneinte. "Ich rede frei." Der Syrer, der wie der Russe sehr gut Deutsch spricht und der sich derzeit wegen eines anderen Delikts ebenfalls gerade im Gefängnis befindet, meinte am Dienstag auch, er wisse bis heute nicht, warum es zu dem Vorfall kam. Er habe nur eine der jungen Frauen flüchtig gekannt. Diese habe sich später bei ihm entschuldigt und erklärt, sie habe eigentlich zu einem Freund gewollt, nicht zu ihm.

Woher der Russe die Waffe hatte, bleibt unklar

Ein Waffensachverständiger stellte fest, dass die halbautomatische Pistole italienischer Bauart bei Versuchsschüssen einwandfrei funktionierte. Allerdings klemmte der Verschluss bei der Hälfte der Repetiervorgänge. Woher der Russe die Waffe hatte, wollte dieser nicht sagen. "Dann bekomme ich Probleme." Er habe sie erst am Tag der Tat erhalten, um sie später weiterzugeben. Im Lauf befand sich eine Patrone, dazu war ein volles Magazin angesteckt.

Der Angeklagte ist mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft und saß zuletzt gut vier Jahre wegen schweren Raubs im Gefängnis. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft oder lebenslang. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Ein Abschluss am Dienstag gilt als unwahrscheinlich.

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