"Meine Mutter, das Hooligan-Opfer"

Salzburg

"Meine Mutter, das Hooligan-Opfer"

Pensionistin erlitt Schädelbruch. Rowdy berief gegen milde Strafe.

Das Schicksal muss der Salzburger Architekt Wolfgang Linsels hinnehmen. Gegen saloppen Umgang mit einer schweren Körperverletzung aber bäumt er sich auf – und der Kampf hält ihn seit 20 Monaten in Atem.

Schädel brach
Der Anlass: Im Juli 2009 begleitete der irische Fußball-Rowdy Paul K. (22) seine vergötterte Mannschaft Bohemian Dublin zu einem Champions-League-Match gegen Red Bull nach Salzburg. Am Vorabend des Spiels betrank er sich in der Innenstadt, entwendete im Rausch ein Rad und fuhr am Gehsteig Linsels’ Mutter Margarethe um. Die 85-jährige Frau erlitt einen dreifachen Schädelbruch und ist seither ein Pflegefall.

Sieben Monate
Paul K. ließ die Pensionistin liegen, trat noch einen Passanten nieder, der ihn festhalten wollte, und lief davon. Wochen später wurde er dank DNA-Spuren festgenommen und vergangenen Oktober in Salzburg zu sieben Monaten bedingt verurteilt.

Mittwoch Prozess
Aber selbst gegen das verblüffend milde Urteil legte der Hooligan Berufung ein. Mittwoch steht er wieder vor Gericht.

Leid
Opfer Margarethe Linsels bekommt es nicht mehr mit: "Meine Mutter musste wieder lernen zu atmen, zu essen", erzählt Sohn Wolfgang: "Und es geht so schlecht, dass meine Schwester ihren Beruf aufgeben musste, um sie zu betreuen."

Ignoranz
400.000 Euro haben Behandlung und Pflege bisher verschlungen. Mehr aber beschäftigt den Sohn, weitere Katastrophen zu verhindern. Verstört nahm er zur Kenntnis, dass der Salzburger Bürgermeister und die UEFA seine Anfragen ignorierten ("Reichte die Polizeipräsenz?"). Aber jetzt bietet er Totschweigern die Stirn: Linsels gründete die Schutzorganisation "Roter Ritter", die Hooligan-Opfer unterstützen wird, medizinisch, finanziell, rechtlich. Und in ganz Europa. Die Residenz hat der Architekt bereits entworfen.

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