ÖSTERREICH vor Ort

Sebastian hat Loch nicht alleine gegraben

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Polizei: "Andere Kinder halfen mit" - Betroffenheit auf Urlauberinsel.

Seit knapp einer Woche ist das idyllische Familien-Urlauberparadies Amrum im Schockzustand. Urlauber und Inselbewohner stehen andächtig vor dem hölzernen „Piratenschiff“ am Strand in Wittdün. Drei Tage nach dem Auffinden des kleinen Leichnams von Sebastian (10) herrschen Schweigen, Trauer und Fassungslosigkeit. Sebastian erstickte in einem Sandloch.

Geologe: „Unvorstellbar, dass er Loch selbst grub“
Doch niemand kann hier glauben, dass der Bub aus Baden bei Wien alleine 1,5 Meter tief in den Sand buddeln konnte. Das bestätigt jetzt auch die Polizei. „Sebastian hat das Loch nicht alleine gegraben“, sagt Kristin Stielow von der Polizei zu ÖSTERREICH.

Auch Geologen sind davon überzeugt. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein kleiner Bub ein Loch mit seinem Spielgerät gräbt, das mindestens so groß ist wie er selbst“, sagt der Geologe Christoph Heubeck aus Berlin.

Damit bekommt der Fall Sebastian eine ganz neue Wendung. Bislang gingen die Ermittler von einem Unfall aus. Ein Foto aus der Bevölkerung hatte den Beamten am Mittwoch den Hinweis geliefert, dass der tote Bub tief unter der Erdoberfläche liegt. Was außer dem im Sand grabenden Sebastian noch auf dem Foto zu sehen ist, verrät die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht.

Es wird vermutet, dass ein Tourist sein eigenes Kind beim Spielen auf dem „Piratenschiff“ fotografierte und zufällig auch Sebastian mit am Bild fürs Familienalbum hatte. Das wirft die Frage auf: Hat dieser andere Bub Sebastian womöglich beim Graben geholfen? „Sie wissen, wie so etwas ist. Ein Kind fängt an zu spielen, dann kommt ein anderes dazu und gräbt mit“, sagt Polizist Haye Jebsen. Laut Ermittlern dürfte der Unfall zwischen 17 und 18 Uhr geschehen sein.

Mysteriös: Polizei lässt die „Schaufel-Frage“ offen
Die Frage, ob bei der Leiche eine Schaufel gefunden wurde, beantwortet die Polizei nicht. Ein entscheidendes Detail: Wenn der Tod ein Unfall war, wie es die Polizei darstellt, muss bei Sebastian eine Schaufel gefunden worden sein. Wenn nicht, warum war der Bub alleine in dem Loch?

Hubert (71) und Uschi Sch. (71) aus Hamburg, direkte Nachbarn der Familie W.: „Der Kleine war ein vorsichtiger Bub. Er hätte niemals das Loch alleine gegraben, um sich zu verstecken, oder für sonst einen Scherz. Vielleicht hat ihn ein anderes Kind aus Versehen eingegraben.“

Saskia Aberle aus Amrum; Mitarbeit: J. Prüller, M. Lautischer

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