Tiefe Wunden

Terroranschlag in Villach: Gedenken an die Opfer

Anlässlich des Jahrestages des Terroranschlags von Villach, bei dem ein 14-jähriger Jugendlicher starb und fünf Personen teils lebensgefährlich verletzt wurden, hat am Sonntagabend eine Gedenkmesse stattgefunden.  

 Rund 200 Personen gedachten des getöteten Jugendlichen. Der ökumenische Gottesdienst war "auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern des verstorbenen Jugendlichen, die in Stille trauern möchten", die einzige Gedenkveranstaltung, hieß es von der Stadt Villach.

Trauernde in Villach
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"Heute vor einem Jahr sind junge Leute zusammengekommen - und dann kam der Einbruch", meinte Stadthauptpfarrer Richard Pirker. An jenem Nachmittag waren es Minuten, "die sich eingebrannt haben, in unsere Gedanken und in unsere Herzen". Die Angehörigen seien in dieser Situation aber nicht allein: "Es waren jene da, die retten und trösten wollen. In einer Stadt, die weiterlebt und sich doch verändert hat."

Messerangriff Villach
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Heilung, die nie umfassend ist

Nach einem Jahr stelle sich die Frage, was bleibt, sagte die evangelische Superintendentin Andrea Mattioli: "Ein Jahr ohne den getöteten jungen Menschen. Ein Jahr, in dem auch Heilung geschieht, die aber nie allumfassend ist." Zeit allein heile keine Wunden, und erst recht nicht Zeit alleine: "Etwas, das hilft, ist eine Hand, die hält, eine Hand, die gibt und die spürt, was man braucht", erinnerte sie an den Zusammenhalt der Menschen in Villach. Nur so könne eine Suche nach der Antwort auf die Frage gelingen, wie das Leben weitergehen kann - auch, wenn es auf die Frage nach dem Warum keine Antwort geben könne.

Villach trauert

v.l.n.r.: Landesrätin Beate Prettner, LH Peter Kaiser, Bundeskanzler Alexander Schallenberg, LH-Vize Martin Gruber. 

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Stadthauptpfarrer Pirker zitierte in seinen Worten gleich mehrere Lieder, wie etwa "Weit, weit weg" von Hubert von Goisern: "Was das heißt, wird uns erst bewusst, wenn ein so junger Mensch von uns gehen muss." Und mit Blick auf den Attentäter meinte er, man sollte auf seine Gedanken achten: "Denn sie können uns führen, aber auch verführen." In solchen Situationen sei es wichtig, sich an andere Menschen wenden zu können, womit er zu "Kalt und kälter" von STS überleitete, bis zu der Stelle "Und die Liebe möcht i bis in die Zechenspitzen spürn". Der Appell an die Liebe wurde auch in den Fürbitten deutlich: Eine Ansage an eine Welt, in der Gewalt und Tod nicht das letzte Wort haben dürften.

Prozess im Frühjahr

Am 15. Februar 2025 kurz vor 16.00 Uhr hatte ein 23-jähriger Syrer mitten in der Innenstadt gezielt auf Jugendliche und junge Männer eingestochen. Ein 14-Jähriger starb, fünf Personen wurden teils schwer verletzt, drei von ihnen mussten auf der Intensivstation betreut werden. Gestoppt wurde er durch einen Essenszusteller, der ebenfalls aus Syrien stammt, und den Mann kurzerhand mit dem Auto anfuhr. Der mutmaßliche Attentäter wurde kurz nach der Tat festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Er hatte sich zum Islamischen Staat bekannt. Der Prozess gegen ihn wird dem Vernehmen nach wohl im April am Landesgericht Klagenfurt stattfinden.

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