Vereinbarung zwischen Land und MCI-Trägerverein unterzeichnet.
Tirol. In der Causa rund um den abgesagten Neubau des Management Center Innsbruck (MCI) nimmt die Sanierung der bestehenden MCI-Standorte - die nun als Alternative verfolgt wird - konkretere Formen an. Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung fasste am Dienstag in ihrer Regierungssitzung einen dahingehenden Grundsatzbeschluss. Zudem wurde eine Vereinbarung zwischen dem Land und dem MCI-Trägerverein unterzeichnet. Zu den Kosten machte das Land indes keine konkreten Angaben.
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) führte jedenfalls in einer Aussendung einmal mehr das Kostenargument für die Sanierung ins Treffen: "Ich habe den nicht finanzierbaren MCI-Neubau abgesagt und stattdessen den Auftrag für ein kostengünstigeres, umfassendes Sanierungskonzept gegeben." Sein Stellvertreter Philip Wohlgemuth (SPÖ) betonte, dass das Ziel "eine nachhaltige Modernisierung und der gezielte Ausbau der bestehenden MCI-Standorte" sei.
3.400 Studienplätze bis 2028/2029, neues Gebäude bei der Alten Post
Demnach sollen ab dem Studienjahr 2028/2029 das Angebot von 3.400 Studienplätzen sichergestellt werden. 15.300 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche sollen dann zur Verfügung stehen. Konkret wird das Erdgeschoss des "MCI I" in der Universitätsstraße angemietet und ausgebaut. Die Finanzierung übernimmt das MCI. Zudem wird das "MCI I" weiterentwickelt, dafür soll noch ein Auftrag an ein "geeignetes Architekten- bzw. Planungsbüro" ergehen. "Erst nach Abschluss dieser Planung kann über Kosten und Finanzierung Auskunft gegeben werden", hieß es auf APA-Nachfrage. Im "MCI II" im benachbarten Hotel "Grauer Bär" werden mit dem "Vermieter konkrete Gespräche über die Sanierung" der angemieteten Flächen geführt. Der Standort an der Villa Blanka soll "langfristig" bestehen bleiben.
Am "MCI IV" am Standort der sich im Privatbesitz befindlichen ehemaligen Hauptpost wird der Eigentümer die Sanierung in die Hand nehmen und vom MCI werden zusätzliche Flächen im Bestandsgebäude angemietet. Das MCI werde indes unter Einbindung des Landes "mit dem Vermieter einen konkreten Plan für die Sanierungen sowie ein Finanzierungsmodell festlegen", hieß es. Zudem soll ein Erweiterungsbau umgesetzt werden. Dafür soll das Land oder ein dem Land nahestehender gemeinnütziger Bauträger eine nahe gelegene Grundfläche anmieten, auf der schon bisher ein Zubau vorgesehen gewesen sei. Dort soll ein Gebäude für das MCI errichtet werden, das von der Hochschule angemietet werde.
MCI-Rektor Altmann für rasches Handeln
MCI-Rektor Andreas Altmann, der sich in der Vergangenheit nicht glücklich mit der Absage des Neubaus gezeigt hatte, forderte nun, dass die von Mattle "angekündigte Generalsanierung und Erweiterung des Zentralstandorts umgehend in Angriff zu nehmen" sei. Er begrüßte die Investition ins Eigentum jedoch "uneingeschränkt". Doch auch der MCI-Zentralstandort selbst sollte "zeitnah" adaptiert werden, um die "drückende Raumnot" zu mildern.
Die nunmehrigen Pläne wurden indes vom Land als Financier und vom MCI-Trägerverein, der für die Ausrichtung der Hochschule zuständig ist, in einer Vereinbarung zur "nachhaltigen Weiterentwicklung" abgesegnet. Dem Trägerverein gehören die Tiroler Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Industriellenvereinigung sowie die Universität Innsbruck und die Stadt Innsbruck an. Deren Vertreter betonten am Dienstag die Bedeutung einer passenden Infrastruktur. Auch Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber (JA - Jetzt Innsbruck) begrüßte, dass die Arbeiten nun "rasch beginnen" können - verwies jedoch auf eine noch ausständige Zustimmung des Stadtsenates.
Opposition will Klarheit über Kosten, Kritik an Landesregierung
Die Liste Fritz forderte indes, dass die "wirklichen Kosten für den gesamten Um- und Zubau" auf den Tisch gehörten. Zudem brauche es "Rechtssicherheit, ob und in welcher Form die Arbeiten ausgeschrieben werden müssen", sagte Klubobmann Markus Sint in einer Aussendung. Mattle und Wohlgemuth müssten nun "liefern, dann wird abgerechnet".
Für NEOS-Landtagsabgeordnete Susanna Riedlsperger stand man nun 15 Monate nach der Absage des Neubaus durch Mattle "faktisch noch immer vor dem Nichts". Angesichts der näherrückenden Landtagswahl im Herbst 2027 scheine die Landesregierung nun "der Stress zu packen", sagte sie in einem Bericht der "Tiroler Tageszeitung" (Dienstags-Ausgabe). Der nunmehrige freie Abgeordnete und ehemalige Hochbaureferent und Landeshauptmannstellvertreter Georg Dornauer (SPÖ), der während seiner Regierungszeit den Neubau forciert hatte, war vom Neubau als beste Variante nach wie vor überzeugt. "Der Neubau war über Jahre vorbereitet, politisch beschlossen und planerisch umsetzungsreif", meinte er und kritisierte mangelnde "tragfähige Alternativen" zum Zeitpunkt der Absage.
ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf rückte dagegen zur Verteidigung der MCI-Pläne aus. Nun liege ein "vernünftiger und klarer Fahrplan" vor. Die Kritik der Opposition konnte er nicht nachvollziehen: "Erst hat die Opposition den teuren Neubau kritisiert, jetzt ist sie gegen die kostengünstige Sanierung. Das ist das Ping-Pong-Spiel der Opposition". Wohlgemuth werde nun als Hochbaureferent "endlich einen Spatenstich für ein vernünftiges Projekt durchführen", den Dornauer "immer nur angekündigt hat aber schuldig geblieben ist", teilte Wolf noch gegen seinen früheren Regierungspartner aus.
MCI-Neubaupläne bereits seit 2008
Der MCI-Neubau, der direkt neben dem Hofgarten errichtet werden sollte, beschäftigte die Landespolitik über lange Zeit. Seit 2008 gab es Pläne für einen Neubau. Im Jahr 2018 stoppte der damals zuständige Landesrat Johannes Tratter (ÖVP) das Projekt, weil eine Kostensteigerung von 80 auf 135 Millionen Euro angenommen worden war. Ein Architekturbüro, das bereits mit der Planung begonnen hatte, wurde daraufhin abgezogen und das Projekt neu ausgeschrieben, juristische Auseinandersetzungen waren die Folge.
Im Jahr 2021 wurde schließlich von einer Jury ein zweites Siegerprojekt zugunsten des Architekturbüros Henning Larsen gekürt. Anschließend hieß es, dass im Winter 2022/2023 der Baustart erfolgen solle. Später sagte Dornauer, dass sich dieser bis zum Winter 2023 verzögern werde. Im Herbst 2023 wurde dem Projekt eine "Nachdenkpause" verordnet, alternative Standorte geprüft. Im Dezember 2024 kam dann das endgültige Aus. Zuletzt war noch von geschätzten Kosten in Höhe von über 250 Millionen Euro die Rede gewesen. Die Opposition kritisierte kolportierte 12,5 Millionen Euro an Planungs- und Beratungskosten scharf und beantragte eine Sonderprüfung durch den Landesrechnungshof, dessen Bericht noch ausständig war.