Schock-Aussagen

Afghane stach 13 Mal auf Tochter ein: "Mir ist Fehler passiert"

Die 15-jährige Afghanin, die es gewagt hatte, einen Freund zu haben - obwohl sie in der Heimat einem anderen versprochen  war - brach, vom eigenen Vater immer und immer wieder attackiert, blutüberströmt auf offener Straße zusammen. 

Wien. Unter großem Medieninteresse hat am Dienstag ein Prozess um einen mutmaßlichen Ehrenmordversuch am Wiener Landesgericht begonnen. Angeklagt ist ein 51-jähriger afghanischer Vater, der im November 2025 mehr als ein Dutzend Mal mit einem Küchenmesser auf seine 15-jährige Tochter eingestochen haben soll, um "die Familienschande zu tilgen", wie die Staatsanwältin erklärte. Die Tochter habe nämlich einen gleichaltrigen Freund gehabt. Das Problem: Er war weder Muslim noch Afghane.

Deshalb habe der Vater sich entschlossen, die Tochter auf offener Straße niederzustechen, stellte die Staatsanwältin dar. Er soll ihr am 24. November des vergangenen Jahres zunächst einen Stich in den Brustkorb versetzt haben, dann sollen noch zumindest zwölf Stiche in Nacken, Hals und Rücken gefolgt sein, bis das circa zwölf Zentimeter lange Messer abbrach. Die 15-Jährige wurde schwer verletzt, Passanten waren durch ihre "Todesschreie" auf die Bluttat aufmerksam geworden und verständigten die Rettung, schilderte die Staatsanwältin. Dann soll der siebenfache Vater gegenüber der Polizei gesagt haben: "Das ist mein Recht. Sie hat einen Freund!" Ihm wird eine klare Tötungsabsicht vorgeworfen.

 Vater bestreitet Ehren-Tat: "Bin normaler Muslim"

"Ich bin schuldig", erklärte der bisher Unbescholtene zu Beginn der Verhandlung. Sein Wahlverteidiger Peter Philipp beschrieb die Tat als "unverzeihlich", aber "es ist einfach die Kultur bei ihnen", wusste er zu berichten. Im Laufe seiner Befragung distanzierte sich der Vater allerdings immer weiter von seinem eingänglichen Geständnis. Seine Tochter habe schon länger Probleme gemacht, sei tagelang nicht zuhause gewesen und habe die Schule abgebrochen, zählte er auf. Einen Streit über die Beziehung mit dem gleichaltrigen Rumänen habe es aber nicht gegeben: "Jede Frau kann einen Freund haben." Hätte er ein Problem damit, würde er Österreich verlassen. Grundsätzlich habe er seine Kinder nie geschlagen und halte Menschlichkeit für "sehr wichtig".

"Ich bin ein Muslim, aber ein ganz normaler Muslim", fuhr er fort. Am Tag der Tat habe er demnach unter Narkose einen Zahn gezogen bekommen, dann habe ihm jemand auf der Straße eine Zigarette mit "weißem Pulver" gegeben. Auf dem Weg zum Billa habe er dann die Geduld mit seiner Tochter verloren, weil diese einen Streit angefangen habe. "Dann ist mir dieser Fehler passiert", umschrieb er die mehr als zwölf Messerstiche. Er habe der 15-Jährigen einen Stich in den Rücken gegeben und danach das Messer am Boden abgebrochen. Was danach passierte, wisse er nicht mehr genau. Er habe wohl mit dem "stumpfen" Messer weiter auf sie eingestochen, mutmaßte er.

Schreiduell zwischen Verteidiger und Angeklagtem

Seine Erklärung: Andere Menschen hätten nicht so viele Probleme wie er, gab er gegenüber der Richterin an. "Das kann kein Grund sein, aber der Mensch ist schwach", schlussfolgerte er. Er habe angesichts dessen die Kontrolle verloren. Kulturelle Hintergründe habe die Tat aber keine gehabt. Während der Befragung lieferte sich der Verteidiger ein Schreiduell mit seinem eigenen Mandanten. "So können Sie vielleicht in der Zelle mit ihm reden, aber nicht hier", ging die Richterin dazwischen.

Der Mann ist laut eigener Aussage 2004 aus Afghanistan vor Krieg und Regierung nach Österreich geflohen. Ein psychiatrischer Gutachter sprach von einer "grandiosen Integrationsleistung". Der Mann habe sich bis zu jenem Tag im November 2025 stets unauffällig verhalten. Hinweise auf eine psychische Erkrankung gebe es keine, was typisch sei bei Ehrenmorden. Befindet das Schwurgericht den Vater für schuldig, drohen ihm zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.

( S E R V I C E - Hilfeangebote des Vereins AÖF: Die Frauen-Helpline gegen Gewalt 0800/222-555 steht rund um die Uhr, mehrsprachig, anonym und kostenlos allen Frauen, Angehörigen und Interessierten zur Verfügung: www.frauenhelpline.at ; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at

Die Wiener Polizei ist Ansprechpartner für Personen, die Gewalt wahrnehmen oder selbst Opfer von Gewalt sind. Der Polizei-Notruf ist unter der Nummer 133 jederzeit erreichbar. Die Kriminalprävention des Landeskriminalamt Wiens bietet darüber hinaus persönliche Beratungen unter der Hotline 0800/216346 an.)

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