Naturschutz

"Blanker Irrsinn": Riesen-Wirbel um geplante Windräder beim Bisamberg

Der idyllische Bisamberg in Floridsdorf wird zum Schauplatz einer hitzigen Debatte. Neue Pläne für einen Windpark versetzen Naturschützer in helle Aufregung.

Wie der "Kurier" berichtet, liegen brisante Pläne für einen neuen Windpark an den Ausläufern des Bisambergs im 21. Bezirk vor. Vier mächtige Anlagen sollen in den Himmel wachsen und sorgen bereits für massiven Widerstand bei Naturschützern.

Hinter dem Projekt mit dem Titel WP Floridsdorf steht die heimische WEB Windenergie AG. Besonders pikant ist dabei die Besetzung im Aufsichtsrat des Konzerns, denn dort sitzt mit der ehemaligen Spitzenpolitikerin Brigitte Ederer ein echtes rotes Schwergewicht. Die geplanten Standorte für die vier neuen Windräder befinden sich östlich des Bisambergs zwischen dem Rendezvousberg und der bekannten Stammersdorfer Kellergasse.

Gefahr für die Naturdenkmäler

Das geplante Areal für den Windpark grenzt unmittelbar an das Natura-2000-Gebiet am Bisamberg, wo extrem strenge Regeln zum Erhalt gefährdeter Tier- und Pflanzenarten gelten. Zudem ist die gesamte Fläche ein Teil des Wiener Grüngürtels und somit als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Brisant ist auch der geplante Bau eines Windrades direkt neben der Schanze 12 am Wolfersgrünweg. Laut den vorliegenden Plänen würden die Rotoren das Naturdenkmal auf einer Fläche von mehr als 4.300 Quadratmetern überdecken. Allein das Fundament für das Windrad würde fast 500 Quadratmeter Boden für immer versiegeln.

Sorge um bedrohte Vögel und Ziesel

Naturschützer Leopold Andrä von der Interessensgemeinschaft "Pro Wild" schlägt im "Kurier" deshalb Alarm. Eine Studie aus dem Vorjahr hat in diesem Gebiet rund 100 verschiedene Vogelarten nachgewiesen. Darunter befinden sich bedrohte Bodenbrüter wie die Feldlerche, die Goldammer oder die Wachtel. Auch ein Vorkommen von Zieseln ist in diesem Bereich dokumentiert.

Die Betreiberfirma hält sich zu den konkreten Details noch bedeckt und verweist auf eine sehr frühe Projektphase. Man könne derzeit noch nicht beurteilen, ob sich der Standort tatsächlich eigne. Auch im Rathaus gibt man sich vorsichtig, denn der Umweltschutzabteilung MA 22 liegt bisher noch kein offizieller Bewilligungsantrag vor.

FPÖ tobt wegen "blankem Irrsinn"

Die politischen Wellen schlagen bereits hoch. Der Zweite Landtagspräsident Toni Mahdalik (FPÖ) sowie der Floridsdorfer FPÖ-Bezirksparteiobmann Wolfgang Irschik sprechen von einem "blanken Irrsinn", der weder mit echtem Umweltschutz noch mit verantwortungsvoller Stadtplanung etwas zu tun habe.

Laut Mahdalik ist das, was hier geplant wird, "nichts anderes als die Verschandelung eines der letzten Naherholungsgebiete Wiens zugunsten wirtschaftlicher Interessen". Er warnt davor, dass die Verbauung des Bisambergs ein massiver Eingriff in die Landschaft, die Lebensqualität und den Naturraum sei. Wolfgang Irschik ergänzt, dass die Bevölkerung einmal mehr vor vollendete Tatsachen gestellt werde. Er kritisiert das "ideologisch getriebene Projekt" und sieht darin eine reine "Gewinnmaximierung auf Kosten der Wiener". Die Freiheitlichen sehen den Nutzen in keinem Verhältnis zum Eingriff und warnen vor der Zerstörung eines wertvollen Naturraums und fordern: "Dieses Projekt muss umgehend abgeblasen werden!"

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