Hadishat, alleine auf ihrem letzten Weg

Mädchen-Mord

Hadishat, alleine auf ihrem letzten Weg

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Die ermordete Hadishat wurde in Abwesenheit der Familie in Tschetschenien bestattet.

Hadishat, das herzige siebenjährige Mädchen, das in einem Gemeindebau in Wien-Döbling ermordet wurde, hat seinen letzten Weg angetreten. Am Samstag wurde der kleine Leichnam in Begleitung von zwei Mitarbeitern eines Bestatters über 3.000 Kilometer nach Tschetschenien ausgeflogen. Dort im krisengeschüttelten Nordkaukasus, der Heimat ihrer Eltern, in der Hadishat niemals zuvor war, wird das tote Kind im Grab der Großeltern nach islamischem Brauch beigesetzt.

Video zum Thema: Mutter der getöteten Hadishat im Interview


Ihre Mama Zarema G. wird die geliebte Tochter auf dem letzten Weg nicht begleiten. Sie darf es nicht. Die 35-Jährige ist anerkannter Konventionsflüchtling. Sie kann überall hinreisen – nur nicht nach Tschetschenien, dem Land, aus dem sie einst geflüchtet war. Berichte, wonach eine Einreise der trauernden Mutter abgelehnt worden sei, treffen nicht zu: „Es ist kein Antrag gestellt worden“, sagt ihr Anwalt Nikolaus Rast. Die Frage, warum die Mutter ihr getötetes Kind nicht auf dem islamischen Friedhof in Wien beigesetzt hat, hat Zarema G. inzwischen häufig zu hören bekommen. Hadishats Wurzeln liegen in Tschetschenien, dort in der Ortschaft Gekhi gebe es viele Verwandte, die sich um das Grab der Tochter kümmern würden. Es sei so üblich.

Ein letztes Video für Hadishats Papa

Verabschiedet hat sich die 35-Jährige am vergangenen Donnerstag von ihrem Kind. Der Sarg war aufgebahrt, die Geschwister des Mordopfers weinten bitterlich. Ein Onkel filmte die Trauerfeier. Hadishats Vater sitzt in Italien im Gefängnis, durfte nicht kommen. Er bat um die Aufnahmen, weil er seine Tochter noch einmal sehen wollte.

Opfer-Familie will in Österreich bleiben

Während Hadishat in der Heimat ihrer Großeltern ihre letzte Ruhestätte findet, sind ihre Mutter, der große Bruder und die weiteren Geschwister in Gedanken ganz bei ihr. Der Umzug von Döbling in einen anderen Wiener Bezirk, der nach dem schrecklichen Verbrechen nötig geworden war, ist erst einmal in den Hintergrund getreten.

Die Familie will unbedingt in Österreich bleiben. Der Sohn macht eine Lehre zum Tischler, die Töchter gehen noch in die Schule.

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