Im Vorjahr wurden in Wien zwar die geltenden Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten, aus Gesundheitssicht war aber die Luftqualität in Wien noch nicht gut genug.
Eine aktuelle Analyse des VCÖ auf Basis vorläufiger Daten des Umweltbundesamts zeigt, dass die strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation vielfach überschritten wurden. Besonders hoch lag die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) am Hietzinger Kai. Dort erreichte der Jahresmittelwert 25,2 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Auch bei der Wehlistraße an der A23 und an der Taborstraße lagen die Werte über dem künftigen EU-Grenzwert von 20 Mikrogramm, der ab 2030 gilt. Drei von 17 Messstellen überschritten diesen Wert im Vorjahr.
"Anrainerinnen und Anrainer entlang stark befahrener Straßen sind besonders stark von der Stickstoffdioxid-Belastung betroffen. Um die Stickstoffdioxid-Belastung zu reduzieren, sind eindeutig Maßnahmen im Verkehrsbereich notwendig", so VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky laut VCÖ.
Weitere zehn Messstellen haben den NO2-Richtwert der WHO überschritten:
- Belgradplatz: 19
- Floridsdorf: 17,6
- Gaudenzdorf: 17,6
- Stadlau: 16,6
- Kaiser-Ebersdorf: 16,3
- AKH: 15,8
- Stephansplatz: 15,4
- Kendlerstraße: 15,1
- Liesing: 13,6
- Hohe Warte: 11,9
Feinstaubbelastung gefährdet die Gesundheit
Beim PM2,5-Feinstaub fiel die Bilanz ähnlich aus. An den Messstellen Taborstraße, Wehlistraße und Stadlau lag der Jahresmittelwert mit knapp mehr als 10 Mikrogramm über dem künftigen EU-Grenzwert von 10 Mikrogramm. Den von der WHO empfohlenen Richtwert von 5 Mikrogramm überschritten alle 12 Messstellen.
- In diesem Bezirk wurden die meisten "Vorstadtpanzer" neu zugelassen
- Mariahilf überholt alle: Österreichs erster Bezirk mit mehr als 50 Prozent E-Autos
- Verkehr lässt nach: 3 Millionen Autos weniger auf Tangente gezählt
Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien warnt vor den Folgen. "Abgase aus dem Straßenverkehr enthalten gesundheitsgefährliche Schadstoffe wie Ultrafeinstaub und Stickstoffdioxid, die mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden sind. Luftverschmutzung wurde aufgrund der Feinstaubproblematik schon vor fünfzehn Jahren als krebserregend eingestuft. Nicht nur Atemwege und Herz-Kreislauf-System sind betroffen. Zunehmend zeigen sich auch Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen sowie mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Stoffwechsels, wie erhöhtes Demenz- und Diabetesrisiko", so Hans-Peter Hutter.
Weitere neun Messstellen haben den PM2,5-Richtwert der WHO überschritten:
- Wien Floridsdorf: 10
- Wien Kaiser-Ebersdorf: 9,9
- Wien Gaudenzdorf: 9,7
- Wien AKH: 9,4
- Wien Kendlerstraße: 9,3
- Wien Liesing Carlbergergasse: 9,3
- Wien Lobau: 9,2
- Wien Belgradplatz: 9,1
- Wien Schafberg: 9
Verkehr als entscheidender Hebel
Der VCÖ sieht den Verkehr als entscheidenden Hebel. Diesel-Pkw stoßen pro Kilometer im Schnitt siebenmal so viele Stickoxide aus wie Benziner, Klein-Lkw achtmal so viele, Lkw über 3,5 Tonnen sogar elfmal so viele. Fast alle Klein-Lkw und Lkw mit Verbrennungsmotor fahren mit Diesel.
"Je mehr Schadstoffe in der Luft sind, umso mehr atmen wir ein. Das Risiko schwerer Erkrankungen nimmt vor allem für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen zu. Deshalb sind verstärkte Maßnahmen gegen Luftverschmutzung umzusetzen. Der Verkehr kann einen großen Beitrag leisten, damit unsere Luft sauberer und gesünder wird", sagt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.
Kritik übt der VCÖ auch an der Abschaffung der Normverbrauchsabgabe für Klein-Lkw mit Verbrennungsmotor im Vorjahr. "Im Interesse der Gesundheit von uns Menschen muss der Verkehr sauberer werden. Je früher Österreichs Immissionsschutzgesetz-Luft an die künftigen EU-Werte angepasst wird, umso besser", betont Jaschinsky.