Armutsgefährdung

Immer mehr Studenten müssen im Sozialmarkt einkaufen

In Wiens Sozialmärkten stehen immer öfter junge Gesichter in der Schlange. Die Teuerung treibt viele Studenten in die Enge und zwingt sie beim täglichen Einkauf zum harten Sparen. 

Die Teuerung hat die Bundeshauptstadt fest im Griff und trifft nun eine Gruppe besonders hart, die früher als Inbegriff der Unbeschwertheit galt. Die aktuelle Armutsstatistik zeichnet für das Jahr 2026 ein düsteres Bild, denn mittlerweile gelten rund 1.448.000 Menschen in Österreich als armutsgefährdet. Das entspricht einem Anteil von satten 16 Prozent der Bevölkerung, während dieser Wert im Vorjahr noch bei rund 14,3 Prozent lag. Besonders alarmierend ist die Lage in den Wiener Sozialmärkten, wo man den rasanten Zustrom neuer Kundengruppen hautnah miterlebt.

Benjamin Klemen leitet die Sozialmärkte beim Samariterbund Wien und sieht die Not täglich mit eigenen Augen. Er berichtet von einer besorgniserregenden Entwicklung an den Kassen der Märkte. "Die aktuellen Zahlen spiegeln wider, was wir täglich erleben. Immer mehr Menschen geraten finanziell unter Druck. Besonders auffällig ist, dass zunehmend auch junge Menschen und Studierende unsere Unterstützung und unser Hilfsangebot in Anspruch nehmen“, so Klemen .

Miete wird zur unbezahlbaren Falle

Ein Blick auf die Studierenden-Sozialerhebung aus dem Jahr 2025 verdeutlicht das ganze Ausmaß der Misere. Rund ein Viertel der jungen Akademiker in spe kämpft demnach mit massiven finanziellen Problemen. Ein riesiger Brocken im monatlichen Budget ist dabei das Wohnen, wofür Studierende im Schnitt 586 Euro ausgeben müssen. Das macht bereits 38 Prozent des gesamten verfügbaren Geldes aus und lässt kaum noch Spielraum für andere lebensnotwendige Dinge. Besonders bitter stößt auf, dass die Kosten für Plätze in Studierendenheimen seit dem Jahr 2015 um unglaubliche 51 Prozent in die Höhe geschossen sind.

Hackeln für das tägliche Brot

Um überhaupt über die Runden zu kommen, bleibt vielen angehenden Akademikern der Gang zum Nebenjob nicht erspart. Stolze 68 Prozent der Studierenden arbeiten neben der Uni und investieren dafür im Schnitt 20,2 Stunden pro Woche. Für den Großteil von ihnen ist das keine freiwillige Entscheidung zur Aufbesserung des Taschengeldes, sondern pure Notwendigkeit zur Deckung der Lebenshaltungskosten. Wenn am Ende des Monats nach Abzug der Fixkosten für das Zimmer fast nichts mehr übrig bleibt, führt der Weg oft direkt in einen der fünf Wiener Sozialmärkte des Samariterbundes.

Dort können Betroffene mit geringem Einkommen Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs zu stark reduzierten Preisen erwerben. In den sogenannten SOMAs kosten Hygieneartikel und Grundnahrungsmittel rund zwei Drittel weniger als in herkömmlichen Supermärkten. Das Angebot ermöglicht es den jungen Menschen, das Haushaltsbudget deutlich zu entlasten und so den nötigen finanziellen Spielraum für das Studium zurückzugewinnen.

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